Sonntagsworte ...

5. Ostersonntag
am 19. Mai 2019

 

Die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 14,21-27) berichtet vom Abschluss der ersten Missionsreise des Paulus mit Barnabas und deren Rückkehr nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes empfohlen hatte. Sie riefen die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte (Apg 14,26f), was große Freude hervor rief. Denn die bereits Gläubigen erkannten, dass sich in erstaunlichen Schritten zu erfüllen schien, was schon Jesaias prophezeit hatte: Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes (Jes 52,10) – ein Trend, der in der gesamten Apostelgeschichte trotz aller Verfolgungen gleichsam den roten Faden bildet. Den Aposteln wird in ihrem konkreten Erleben die unbegreifliche Liebe Gottes zu allen Menschen klar, die sogar den Heiden das Heil schenken will.

Überraschend neu für die Apostel war die Aufgeschlossenheit der Samariter, die offenbar der Geist bewirkt. Diese Bekehrten dachten, empfanden und handelten ganz anders als die bekehrten Juden und es drohten Zwietracht und Spaltung der jungen Kirche. Diese neue Situation fordert nun die Apostel auf, neu über ihre Verkündigung nach zu denken – wollten sie doch den Willen ihres Meisters tun – und sie entschließen sich zu einem Konzil, dem Apostelkonzil (s. Apg 15), auf dem hilfreiche Kompromisse zwischen ehemaligen Heiden und Juden im Geist Jesu gesucht und schließlich gefunden werden konnten. Damit wurde die Kirche fähig, sich weltweit auszubreiten – eine Weltkirche zu werden, was zu verwirklichen und mitzutragen auch uns noch immer schwer fällt.

Diese neu entdeckte Dimension der Kirche fordert eine neue Gesinnung auch zu den Heiden, die Jesus im heutigen Evangelium (Joh 13,31-35) den Jüngern ans Herz legt: Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. (Joh 13,34f)

So kann und soll sich Gottes Liebe durch seine Jünger fortsetzen zum Segen für alle Menschen.

Mit dieser Denkart konnten die Christen die Zeichen ihrer jeweiligen Zeit besser verstehen und richtiger beantworten. Das Ergebnis ist unsere Weltkirche, die grundsätzlich offen für alle Menschen sein will.

Dieses neue Bemühen – offen für die Hinzukommenden, mit Ihnen gleichberechtigt und in Liebe verbunden – wird Gott vollenden, verheißt uns eine wunderbare Vision aus der Offenbarung des Johannes – unsere heutige zweite Lesung:

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen (Offb 21,1).

Wir werden nicht alle unsere Probleme lösen können und zugeben müssen, dass wir Chancen verpasst, wertvolle Zeit verloren, Trümmer hinterlassen, unsere Welt in vielen Bereichen zerstört, Schuld auf uns geladen, unser Wort gebrochen, andere geschädigt, unwiderruflich versagt haben; aber dennoch ist uns eine große Hoffnung geschenkt:

Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach:
Seht, ich mache alles neu. (Offb 21,4f)

Die Verheißungen der biblischen Botschaft sagen inmitten von Leiden, Egoismus, Unrecht und Tod den großzügig und barmherzig handelnden Gott an. Sie versprechen, dass seine Liebe stärker ist als alles, was menschliches Leben zerstören kann. Die Verheißungen schaffen eine neue Situation in dieser alten, festgefahrenen Welt. Sie lassen Menschen aufhorchen und aufbrechen mit Zuversicht und gutem Willen, die eine neue Welt, eine neue Menschheit, ein neues Denken, Reden und Tun versuchen mit vielen kleinen, mühsamen Schritten.

Immer wieder neu und auch unbequem ist die selbstlose Liebe, die sich für andere einsetzt; aber Gott selbst will alles neu machen und unser Bemühen auf ihn hin vollenden. Das gilt nicht nur für die Apostelzeit, das gilt auch hier und jetzt für alle Menschen guten Willens.

Die Geschichte unserer Welt hat einen Sinn wie auch unser Bemühen darin – in der Liebe zum Nächsten. All das wird von Gott in eine neue Seinsweise hinein gehoben. In aller Drangsal der Gegenwart, in welcher das Böse mit Gewalt meint herrschen zu können und scheinbar siegt, gilt es auszuharren, denn Christus hat bereits gesiegt und sein Auftrag im heutigen Evangelium gilt auch für uns: Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt! (Joh 13,34f) Ostern hat in unserer Welt Spuren hinterlassen. Wir sind überzeugt, der Auferstandene wird denen, die treu in seinem Geist sich bemühen, die Welt menschlicher zu gestalten, Anteil an seinem Sieg schenken in seiner göttlichen Großzügigkeit.         Amen.

 



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