Die Osterbotschaft vom Pferderücken aus verkünden

Das Osterreiten der katholischen Sorben und das Ostersaatreiten von Ostritz zum Kloster St. Marienthal

 Osterreiter. Foto: R. Ledschbor / Katolski Posol

 

Mit Kreuz und Zylinder hoch zu Ross: ein Osterreiter in der Oberlausitz. Foto: R. Ledschbor / Katolski Posol

 

 

Bautzen/Ostritz, 14.04.11 (KPI): Ostern ist der höchste Festtag im kirchlichen Jahreskreis. Christen feiern an diesem Tag die Auferstehung Jesu von den Toten. Bei den katholischen Sorben wird die Verkündigung dieser Botschaft im Brauch des Osterreitens erlebbar. Die traditionsreiche Prozession von Ostritz zum Kloster St. Marienthal wird Ostersaatreiten genannt. Tausende Besucher kommen jedes Jahr zu Ostern in die Lausitz, um an diesen Ereignissen teilzunehmen.

 

In den Pfarrgemeinden der katholischen sorbischen Oberlausitz wird das Osterfest auf besondere Weise begangen: Schon seit mehr als fünf Jahrhunderten ist es Tradition, dass die Osterreiter in Prozessionen die Botschaft von der Auferstehung Christi in die Nachbarpfarrei tragen. Es ist bekannt, dass bereits Ende des 15. Jahrhunderts zwischen Hoyerswerda und Wittichenau solche Prozessionen stattfanden. Die Wurzeln dieses Brauchs reichen wahrscheinlich bis in vorchristliche Zeiten zurück. Durch Feldumritte glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums wandelten sich die Ritte wohl in christliche Prozessionen, die heute ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben darstellen.

 

In den vergangenen Jahren erhöhte sich die Zahl der Osterreiter, und das ungeachtet der Tatsache, dass ihnen erhebliche Opfer abverlangt werden. So stehen die arbeitsfreien Tage im Zeichen der Vorbereitung auf das große Fest. Der Pferdebestand in der Lausitz ist begrenzt. Viele Osterreiter leihen sich für diesen Tag Pferde aus, oft von weit her.

 

Im Gehrock und mit schwarzem Zylinder

 

In der Oberlausitz gibt es neun Osterreiterprozessionen, in denen überwiegend Sorben mitreiten. Lediglich in der Wittichenauer Prozession gibt es seit etwa 110 Jahren auch einen deutschsprachigen Teil. Die Osterreiter singen Lieder, die von der Auferstehung Christi künden. Die Prozession führt unter dem Läuten der Kirchenglocken und Gesang von der Heimatkirche aus um die Felder bis ins nächste Dorf. Außerhalb der Ortschaften beten die Osterreiter den Rosenkranz und andere Gebete. In ihrer Prozession führen sie das Kreuz, Kirchenfahnen und die Statue des Auferstandenen mit. Alle Reiter sind festlich gekleidet: Schwarzer Zylinder und Gehrock sowie weiße Handschuhe sind die auffälligsten Merkmale.

 

Auch die Pferde werden besonders geschmückt: mit einem speziellen Ostergeschirr, festlichen Satteldecken und einer bunt bestickten Schleife im Schweif. Ist diese schwarz, deutet sie auf Trauer in der Familie hin. Das Pferdegeschirr ist aufwendig mit Muscheln oder Metallbeschlägen, oft mit christlichen Symbolen wie dem Osterlamm oder einem Kreuz, verziert. Seit einigen Jahren sieht man immer häufiger frische Blumen als Schmuck. Die Osterreiter umreiten dreimal die Kirche und den Friedhof. So verkünden sie auch den Verstorbenen die Auferstehung Christi und beten für sie.

 

Das Osterreiten ist traditionell Männersache. Wer zum ersten Mal dabei ist, trägt ein Myrtenkränzchen. Zum jeweiligen Jubiläum darf sich der Reiter dann mit einer silbernen „25“ beziehungsweise goldenen „50“ schmücken. Insgesamt beteiligen sich jedes Jahr etwa 1.500 Osterreiter an den Prozessionen der katholischen Sorben. Am Dienstag nach Ostern feiern die Reiter aller Gemeinden einen Dankgottesdienst in der Wallfahrtskirche in Rosenthal.

 

Die Ostersaatreiter aus Ostritz

 

Einen ähnlichen Hintergrund wie das Osterreiten hat das Ostersaatreiten von Ostritz. Jedes Jahr am Ostersonntag schwingen sich vor den Türen der Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ in Ostritz Scharen von Reitern in den Sattel, um über Felder und Fluren zum Kloster St. Marienthal an der Neiße zu reiten. Sie sind Ostersaatreiter und verkünden vom Pferderücken aus die christliche Osterbotschaft, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Seit 1993 wird der Brauch in ökumenischer Gemeinschaft gepflegt.

In diesem Jahr findet der Ritt zum 383. Mal statt. Etwa hundert Männer werden an der Prozession teilnehmen. Die Reiter sind elegant gekleidet: Mit Frack, Zylinder und blank polierten Stiefeln sitzen sie auf ihren herausgeputzten Pferden. Auch die katholischen und evangelischen Geistlichen der Region lassen es sich nicht nehmen, den Zug hoch zu Ross zu begleiten.

 

Bitte um gutes Wachstum der Saaten

 

Von den Osterreitern in der sorbischen Lausitz unterscheidet sich der Ritt in Ostritz dadurch, dass neben dem Verkünden der Osterbotschaft die Bitte um gutes Wachstum der Saat auf den Feldern und um Gottes Hilfe für Mensch und Natur im Vordergrund steht. Von Ostritz aus reitet der Zug in einer langen Prozession zum Kloster St. Marienthal, wo den Zisterzienserinnen der Abtei und vielen Besuchern auf dem Klosterhof der Ostersegen überbracht wird. Auf dem Weg zum Kloster wird an fünf Stationen das Osterevangelium verkündet. Am Hutbergkreuz wird der verstorbenen Reiter gedacht.


Die Prozession startet um 13 Uhr vor der katholischen Kirche in Ostritz, Ankunft in St. Marienthal ist gegen 13.45 Uhr. Um 16 Uhr werden die Reiter in Ostritz zurückerwartet, wo der Zug mit einer Dankandacht in der Ostritzer Kirche beschlossen wird.

 

Einige Teilnehmer am Ostersaatritt nehmen eine lange Anreise auf sich, um bei der Prozession mitreiten zu können. Die Tradition der Ostersaatreiter wurde auch zu DDR-Zeiten ununterbrochen aufrecht gehalten. Bis heute zieht sie jedes Jahr zahlreiche Gäste in die Lausitz. Eine Regel gilt allerdings ebenfalls bis heute: Nur Männer dürfen in der Prozession im Sattel sitzen.

 

 


Zeitübersicht der sorbischen Osterreiterprozessionen:
(Die angegebenen Zeiten können sich um bis zu einer halben Stunde verschieben)

 

Bautzen (ab 10.30 Uhr) -> Radibor (an 12.15 Uhr) und zurück (ab 14.45 Uhr; an 16.30 Uhr)
Bautzen (Kirchplatz, Friedensbrücke, Schmoler Weg), Temritz, Kleinseidau, Kleinwelka, Cölln, Radibor –
Radibor, Bornitz, Lubachau, Teichnitz, Bautzen (Seidau, Nikolaifriedhof, Dom)

 

Radibor (ab 11.45 Uhr) -> Storcha (an 13.45 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr; an 17.30 Uhr)
Radibor, Schwarzadler, Milkwitz, Strohschütz, Dreikretscham, Storcha

 

Ralbitz (ab 9.15 Uhr) -> Wittichenau (an 12.15 Uhr) und zurück (ab 15.15 Uhr; an 18 Uhr)
Ralbitz, Cunnewitz, Schönau, Sollschwitz, Saalau, Wittichenau –
Wittichenau, Hoske, Kotten, Cunnewitz, Ralbitz

 

Wittichenau (ab 9.20 Uhr) -> Ralbitz (an 12 Uhr) und zurück (ab 15 Uhr; an 18 Uhr)
Wittichenau, Hoske, Kotten, Cunnewitz, Ralbitz –
Ralbitz, Cunnewitz, Schönau, Sollschwitz, Saalau, Wittichenau

 

Storcha (ab 12 Uhr) -> Radibor (an 13.45 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr; an 17.30 Uhr)
Storcha, Dreikretscham, Loga, Saritsch, Krienitz, Luga, Quoos, Radibor –
Radibor, Schwarzadler, Milkwitz, Strohschütz, Dreikretscham, Storcha

 

Crostwitz (ab 12.15 Uhr) -> Panschwitz-Kuckau (an 15 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr; an 17 Uhr)
Crostwitz, Siebitz, Schweinerden (an 13.30 Uhr, ab 14.15 Uhr), Panschwitz-Kuckau –
Panschwitz, Höflein, Räckelwitz, Caseritz, Crostwitz

 

Panschwitz-Kuckau (ab 12.45 Uhr) -> Crostwitz (an 14.15 Uhr) und zurück (ab 15 Uhr; an 17.30 Uhr)
Panschwitz, Alte Ziegelscheune, Crostwitz –
Crostwitz, Siebitz, Schweinerden (an 16.30 Uhr, ab 17 Uhr), Panschwitz-Kuckau

 

Nebelschütz (ab 12 Uhr) -> Ostro (an 14 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr; an 17 Uhr)
Nebelschütz, Wendischbaselitz, Miltitz, Jauer, Ostro –
Ostro, Jauer, Miltitz, Nebelschütz

 

Ostro (ab 12 Uhr) -> Nebelschütz (an 14 Uhr) und zurück (ab 15.30 Uhr; an 17.30 Uhr)
Ostro, Jauer (Kamenzer Straße), Miltitz, Nebelschütz –
Nebelschütz, Wendischbaselitz, Miltitz, Jauer, Ostro

 

MB



Impressionen vom Osterreiten.  Fotos: R. Ledschbor/Katolski Posol; M. Baudisch/Pressestelle Bistum Dresden-Meißen


Osterreiter

 



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