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Bistum Dresden Meissen

Prävention und Missbrauch

Die Bemühungen zum Schutz vor sexuellem Missbrauch sollen nach dem Willen von Bischof Heinrich Timmerevers noch intensiver vorangetrieben werden.

Die Veröffentlichung der Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche waren Anlass, das bisher Erreichte kritisch zu hinterfragen: „Die Ergebnisse der Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche vom September haben mich tief erschüttert. Sie sind eine Verpflichtung zu Konsequenzen und zum Handeln“, so der Bischof von Dresden-Meißen.

Als wichtigste Maßnahme kündigt er nach Beratungen an, im Jahr 2019 eine hauptamtliche Fachkraft ausschließlich für diese Thematik anstellen zu wollen. Bischof Heinrich: „Wir müssen aktiv an unserer Haltung gegenüber diesen drängenden Fragen arbeiten. Und wir müssen uns damit in der ganzen Breite unserer kirchlichen Strukturen befassen. Wichtig ist aus meiner Sicht, den Diskurs vor Ort zu fördern und fachlich zu begleiten. Auch die Schulungskonzepte müssen kontinuierlich nach den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterentwickelt werden. Nicht zuletzt wird von den Pfarreien und Einrichtungen oft konkrete Unterstützung im Rahmen der Präventionsarbeit erbeten.“

Bereits heute gestalten in den Pfarreien und Einrichtungen des Bistums haupt- und ehrenamtliche Akteure Konzepte zur Missbrauchs-Prävention, die den Gegebenheiten vor Ort Rechnung tragen. „Ihnen gilt mein ausdrücklicher Dank für das Engagement in diesem Bereich“, so der Bischof. „Ich sehe aber noch Möglichkeiten, die bestehenden Angebote weiter zu vernetzen und für einen besseren Informationsaustausch zu sorgen.“

Was bisher in der Missbrauchs-Prävention getan wurde

Im Bistum Dresden-Meißen haben alle Priester (mit Ausnahme eines Pfarrers, dem aus andauernden gesundheitlichen Gründen eine Teilnahme nicht möglich ist), sowie alle haupt- und nebenamtlichen pastoralen Mitarbeiter in den Jahren 2015/16 an einer neunstündigen Schulung zur Missbrauchs-Prävention teilgenommen. Seit 2017 gibt es im Bistum auch das Angebot dreistündiger Schulungen für ehrenamtliche oder nicht im pastoralen Dienst Tätige, etwa Pfarrsekretärinnen und Hausmeister. Alle haupt- und ehrenamtlich in der Jugendarbeit Mitarbeitenden und alle Priester haben außerdem regelmäßig ein Erweitertes Führungszeugnis vorgelegt.

Auf dem 23. Deutschen Präventionstag am 11. und 12. Juni 2018 in Dresden, dem weltweit größten Kongress in diesem Sektor, informierte die Bundeskonferenz der Präventionsbeauftragten der deutschen Bistümer mit Unterstützung aus dem Bistum Dresden-Meißen über ihre Arbeit. Auch das Konzept des „Kinder-Starkmachtags“ wurde weitergeführt. So kamen am 22. September 2018 in der Verantwortungsgemeinschaft Leipzig-Süd/Markkleeberg fast 30 Kinder und 10 Erwachsene zu einem solchen Tag zusammen. Dabei werden Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis 13 Jahren für die Themen Kinderrechte und insbesondere Prävention vor sexueller Gewalt sensibilisiert, ihre Eltern erhalten unterdessen relevante Informationen zu diesen Themen.

Zu einem Fachtag zur Prävention sexualisierter Gewalt in Institutionen hatten die Präventionsbeauftragten im Bistum Dresden-Meißen, die Caritas und die Katholische Akademie am 15./16. November 2018 nach Dresden eingeladen.
Die Pfarreien des Bistums waren aufgefordert, sich an dem von Papst Franziskus angeregten Gedenktag für Opfer Sexuellen Missbrauchs am 18. November zu beteiligen.

Ab Februar 2019 wird zusammen mit den anderen ostdeutschen Bistümern die Fortbildung für Multiplikatoren geplant, neben anderen stattfindenden Weiterbildungsveranstaltungen für haupt- und nebenamtliche Mitarbeitende. Die regelmäßige Weiterbildung ist gemäß den Präventionsleitlinien verpflichtend für alle hauptamtlichen Kräfte.

Zum Umgang des Bistums mit verurteilten Tätern

Schwierig ist grundsätzlich der Umgang mit kirchlich oder staatlich verurteilten Priestern, wenn sie nicht aus dem Klerikerstand entlassen werden können. Regelmäßig wird ihnen jede pastorale Tätigkeit und die Feier des öffentlichen Gottesdienstes verboten. Auch der Kontakt mit Kindern und Jugendlichen ist ihnen untersagt. Im Regelfall ist auf ihre Einbindung in eine geregelte Arbeitstätigkeit zu achten. Sie erhalten Therapieauflagen. Das Bistum vertritt damit, im Sinne einer Ergänzung von gerichtlich verhängten Strafen, eine strikte Linie, die dem Präventionsgedanken folgt. Die Disziplinarmaßnahmen sind dabei regelmäßig zu überprüfen. Derzeit gibt es im Bistum Dresden-Meißen einen Täter, auf den diese Grundsätze angewandt werden.

Auch ansonsten ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen oberste Prämisse. Das Bistum würde sich von Beschäftigten, die zu Tätern geworden sind, umgehend trennen; soweit dies arbeitsrechtlich nicht umgehend möglich ist, werden Maßnahmen ergriffen, die möglichen Gefahren sicher begegnen.

Sowohl bei Priestern als auch bei anderen Beschäftigten wird unmittelbar nach Bekanntwerden von Vorwürfen geprüft, ob einstweilige Maßnahmen auch vor einer Verurteilung angezeigt sind. Solche Maßnahmen wurden und werden umgehend getroffen, damit während einer Verfahrensdauer keine Gefahr besteht. Dennoch müssen wir uns auch um ein faires Verfahren gegenüber Beschuldigten kümmern.

Die „Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ sehen eine Einschaltung der Staatsanwaltschaft vor. Entsprechend wurden Taten, die dem Bistum bekannt wurden, zur Anzeige gebracht. Bislang wurden weit zurückliegende Fälle, bei denen der vermeintliche Täter bereits verstorben ist, nicht zur Anzeige gebracht, da der Tod des Beschuldigten ein endgültiges  Verfahrenshindernis darstellt.

Im Zuge der Veröffentlichung der Daten aus der MHG-Studie wurden im Blick auf alle deutschen Diözesen pauschal Vertuschungsvorwürfe erhoben. Seitens des Bistums wurde daher entschieden, alle einschlägigen Akten der Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen, damit die Einschätzung des Verfahrenshindernisses (Tod des Beschuldigten) auch durch weltliche, unabhängige Stellen überprüft ist. Das Bistum geht davon aus, dass es dadurch nicht zu zusätzlichen Ermittlungsverfahren kommt.

Prävention in Einrichtungen der Caritas

Die sozialen Dienste und Einrichtungen im Caritas-Bereich des Bistums halten ebenfalls Schutzkonzepte vor und setzen diese um. Dies gilt insbesondere für sensible Bereiche wie Kindertageseinrichtungen, aber auch für erwachsene Schutzbefohlene in Beratungsdiensten, Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Schwerpunkte der Schutzkonzepte sind dabei unter anderem Risikoanalysen und Verhaltenskodizes, Personalauswahl und  entwicklung, Präventionsschulungen sowie der Umgang mit Verdachtsfällen. Die Schutzkonzepte werden regelmäßig angepasst und sollen alle fünf Jahre aktualisiert werden.

Präventionskonzepte in den Bischöflichen Schulen und kirchlichen Einrichtungen

In den Bischöflichen Schulen wie in allen kirchlichen Einrichtungen liegen Konzepte zur Prävention vor, die fortlaufend aktualisiert und ergänzt werden. Auch im Moment wird an den Schulen an sog. Institutionellen Schutzkonzepten gearbeitet, die unter anderem einen Verhaltenskodex, Handlungsleitfäden, Risikoanalysen und Hinweise zum Qualitätsmanagement beinhalten. Auch die Vorlage der Erweiterten Führungszeugnisse des Schulpersonals ist sichergestellt. Die nächste aktuelle Fortbildung zum Thema Prävention ist für alle Mitarbeitenden für den April 2019 organisiert.

Bei allen kirchlichen Einrichtungen, sei es in Trägerschaft des Bistums, einer Pfarrei, der Caritasverbände oder sonstiger, gilt das für die Schulen Gesagte. Jede Einrichtung hat ein individuelles Schutzkonzept zu erstellen. Auf dieses Schutzkonzept sind die Mitarbeitenden zu verpflichten. Bis zur Fertigstellung des Schutzkonzeptes hat sich jeder Mitarbeitende in einer Selbstverpflichtungserklärung auf die Präventionsleitlinien und -ordnungen individuell zu verpflichten. Weiter besteht für alle an Schulen Tätigen die Pflicht, ein aktuelles Erweitertes Führungszeugnis regelmäßig vorzulegen.

Hinsehen und Schutzbefohlene schützen

Ein Hinweis ist Bischof Heinrich besonders wichtig: „Wir wissen, dass trotz aller Präventionsmaßnahmen auch zukünftig Missbrauch leider nirgendwo vollständig ausgeschlossen werden kann. Ich bitte daher dringend, genau hinzusehen und alles zu tun, um Kinder, Jugendliche und andere Schutzbefohlene zu schützen und Täter zu identifizieren. Und auch wenn es für Opfer einen schweren Schritt darstellt, Übergriffe anzuzeigen, ermutige ich die, die das bisher nicht getan haben, ausdrücklich dazu. Die Anzeige von Übergriffen, möglichen Vorstufen oder Verhaltensauffälligkeiten ist keine Nestbeschmutzung, sondern notwendige Voraussetzung, um Täter zu entlarven.“ Hinweisgeber werden gebeten, sich in solchen Fällen umgehend an die entsprechenden Kontaktpersonen zu wenden. Das Bistum hat hierzu seit Jahren zwei Opferbeauftragte, welche nicht Mitarbeiter der Kirche sind, ernannt (Kontaktdaten s.u.). Diese nehmen die Anzeigen von Opfern oder Dritten auf und sind deren „Opferanwälte“. Zusätzlich gibt es ein ständiges Beratungsgremium, in dem neben den beiden Opferanwälten ein Theologe, eine Familienrichterin, eine Jugendpsychologin und der Jurist des Bistums Mitglied sind.

Bischof Timmerevers steht – wenn gewünscht – auch persönlich zu Gesprächen bereit.

Fachstellen Betroffene

Beratungsstelle Opferhilfe Sachsen e.V.
Heinrichstr. 12
01097 Dresden
Tel. 0351 8010139
Bürozeiten: Di + Do 9-12 Uhr; Do 15-18 Uhr

Weitere Beratungsstellen in Chemnitz, Leipzig, Bautzen, Torgau, Plauen und Zwickau - Adressen bitte in Dresden erfragen oder im Internet unter www.opferhilfe-sachsen.de. Auch die Einrichtungen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Dresden-Meißen stehen für Hilfe und Unterstützung zur Verfügung.

Downloads

Merkblatt.pdf
Merkblatt zum Antrag auf materielle Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde
Praeventionsordnung.pdf
Ordnung zur Prävention gegen sexuelle Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen für das Bistum Dresden-Meißen – Hier klicken...
Leistungen.pdf
Gemeinsame Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz und Deutschen Ordensobernkonferenz
Prävention

Julia Eckert
Präventionsbeauftragte
0351 3364 790

Adresse

Käthe-Kollwitz-Ufer 84
01309 Dresden

Bei Missbrauch

Frau Dr. Hansi-Christiane Merkel
Ansprechpersonen bei Vermutung bzw. bei Fällen sexualisierter Gewalt
0351 8044430

Adresse

Dr.-Friedrich-Wolf-Straße 2
01097 Dresden

oder

Herr Dr. med. Steffen Glathe
Ansprechpersonen bei Vermutung bzw. bei Fällen sexualisierter Gewalt
03447 562-445

Adresse

Zeitzer Str. 28
04600 Altenburg

Beschwerdestelle für Präventionsfragen

Dr. Peter-Paul Straube
0160 98521885

Betroffene können sich für den Erstkontakt an Frau Dr. Merkel oder Herrn Dr. Glathe wenden. Sie handeln auf Grundlage einer Bischöflichen Beauftragung. Sie nehmen eine erste Bewertung des Sachverhalts vor und informieren den Bischof. Sofern es sich bei den Beschuldigten um Ordensangehörige handelt, informieren die Ansprechpartner auch den Ordensoberen.

Die Beauftragten bereiten den Sachverhalt auf, damit er in der entsprechenden Kommission beraten werden kann.
Sie können Betroffenen auch Empfehlungen für weitere Betreuung und Therapie geben.