Gnade vor Recht

5. Fastensonntag - Lesejahr C

„Was Recht ist, muss Recht bleiben.“ besagt eine bekannte Redewendung. Das ist auch ein Grundsatz unseres Rechtsempfindens. Geltendes Recht muss immer und überall Anwendung finden. Anderenfalls wäre es Willkür.

Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten wollen das überlieferte Recht umgesetzt wissen, als sie eine Ehebrecherin zu Jesus bringen. Für die Frau würde das die Todesstrafe durch Steinigung bedeuten. 
Doch als Jesus auffordert: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ (Joh 8,7), verdrücken sich die Ankläger. Ihnen wurde wohl bewusst, dass kein Mensch sündenfrei ist, selbst wenn er sich noch so sehr müht, nach den Geboten Gottes zu leben.

Natürlich heißt Jesus die Sünde der Frau nicht gut. Er schickt sie weg mit der unmissverständlichen Aufforderung, nicht mehr zu sündigen. Denn Sünde trennt von Gott und den Mitmenschen.
Allerdings macht Jesus auch deutlich: Für ihn steht nicht der Buchstabe des Gesetzes im Vordergrund, sondern der Mensch. Und dafür ist er bereit, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Nur so kann jemand seinen Fehltritt einsehen, bereuen und sein Leben in neue Bahnen lenken.

Gehen auch wir barmherziger mit den Fehlern und Schwächen unserer Mitmenschen um! Denn dann werden sie erkennen, dass wir nicht nur von einem liebenden und barmherzigen Gott reden, sondern ihn ganz konkret in unserem Alltag bezeugen.

Und genau das ist unsere erste und wichtigste Aufgabe als Christen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Zeit!

Ihr Dekan Markus Böhme aus Zwickau



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