Sonntagsworte ...

29. Sonntag im Jahreskreis 

20. Oktober 2019

Jesus fordert im ersten Satz des heutigen Evangeliums seine Jünger auf, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten (Lk 18,1). Diese Forderung dürfte auch uns betreffen, fällt doch das tägliche Gebet in unserem Alltag weithin aus. Jeder könnte hierfür Gründe anführen, obwohl die Älteren unter uns wohl in unvergesslicher Weise in den Turbulenzen des vorigen Jahrhunderts erfahren haben: Not lehrt beten. Auch in unserem Jahrhundert hat sich noch lange nicht der Weltfrieden durchgesetzt mit Gerechtigkeit und Sicherheit für alle. Auch heute kennen wir Bedrohungen, Ängste und Unsicherheiten – Nöte, die beten lehren. Es wäre sicher sinnvoll, bevor uns drohende Katastrophen treffen, sich schon jetzt betend auf Gott hin auszurichten; vielleicht könnte so manches Unheil vermieden werden.

Vom Gebet in Bedrängnis spricht auch die erste Lesung des heutigen Sonntags:

Amalek kam nach Refidim und suchte den Kampf mit Israel, das auf seinem Weg durch die Wüste zum gelobten Land war (s. Ex 17,8) - ein Problem, das die Existenz des Gottesvolkes bedrohte.

Mose sagte zu Josua: Wähl uns Männer aus, und zieh in den Kampf gegen Amalek (Ex 17,9b). Die eigene Mühe ist hier notwendig, die aber auf Gott vertrauen darf. Moses will dieses riskante Unternehmen betend begleiten: Ich selbst werde mich morgen auf den Gipfel des Hügels stellen und den Gottesstab mitnehmen (Ex 17,9), der in der Hand des Moses Zeichen für den strafenden Jahwe gegen die Feinde Israels als auch Zeichen des schützenden Gottes für sein Volk Israel ist. Bei der Berührung mit diesem Stab wurde der Nil zu Blut gegen das Sklavenhaus Ägypten mit noch weiteren Plagen; der aber für Israel das Schilfmeer teilte und das Gottesvolk in die Freiheit führte.

Zwei Anstrengungen agieren somit auf ein gemeinsames Ziel hin:

Josua gehorchte und tat, was ihm Moses aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen (Ex 17,10) und beteten. Solange Mose seine Hand - betend - erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker (Ex 17,11). Sowohl Josuas Kampf als auch das Gebet des Moses kosteten allerhand Mühe, die den einzelnen überforderte. Josua brauchte das Gebet des Moses, auch Moses brauchte einen engagierten Josua und Unterstützung beim Beten. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben ihn unter Mose, und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben (Ex 17,12).           

Hier bildet sich eine "handfeste" Gebetsgemeinschaft, die sich offenbar bewährt und ihr Ziel erreicht; doch musste sie sich voll und ganz einbringen mit ihrem Anliegen bis die Sonne unterging (Ex 17,12b). Das Resultat: So besiegte Josua mit scharfem Schwert Amalek und sein Heer (Ex 17,13).

Ein solches Engagement wird Gott immer "beantworten", verspricht uns Christus:

Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet (Mt 7,7f). Das heutige Evangelium versichert uns:

Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen (Lk 18,7f).

Auch Tünnes in Köln hat diese Aufforderung vernommen, berichtet eine Anekdote. Im Johannesevangelium steht doch verheißungsvoll:

Bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten (Joh 15,7). Also ging Tünnes zum lieben Gott und fragte ihn: "Ist es wahr, lieber Gott, dass bei dir Tausend Jahre nur ein einziges Minütchen ist?" "Ja", sagte der liebe Gott. Tünnes forscht mutig weiter: "Dann sind bei dir Tausend Euro sicher nur ein einziger Cent!" "Ja", sagte der liebe Gott. Nun bittet Tünnes: "Ach, lieber Gott, dann gib mir doch diesen einen Cent!" "Ja", sagte der liebe Gott, "warte ein Minütchen". 

 

Vielleicht ist es eine derartige "Enttäuschung", die uns so selten Gott bitten lässt, obwohl Christus uns dringend rät, allezeit zu beten und darin nicht nachzulassen (s. Lk 18,1) und - wie wir hörten - Moses mit Aaron und Hur eben nicht vergeblich gebetet haben. Tünnes jedoch hat leider nicht den ganzen Satz aus dem Johannesevangelium aufgenommen. Hier nun der ganze Satz:

Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten (Joh 15,7).

Wir sollten die Ziele Gottes bei unseren Wünschen und Bitten nicht aus den Augen verlieren. Gott will unsere Welt und uns als seine Kinder vollenden mit dem "neuen Himmel und der neuen Erde" (s. Offb 21,1-5). Daher sollten wir uns fragen: Wie sehen unsere Wünsche vor Gott aus? -

1.         Zeigen sie mich stark oder schwach vor ihm? -

2.         Machen sie mich frei oder abhängig? -

3.         Dienen sie nur mir oder auch anderen? -

4.         Wie denke ich morgen darüber? -

In der Sichtweise Gottes werden unsere ureigensten Wünsche “durchsichtig”, denn in seinem Licht klärt sich alles.

Die Frage Jesu am Schluss des heutigen Evangeliums sollte in uns lebendig bleiben: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden? (Lk 18,8b)

Glauben, der vertrauensvoll auf Gottes Absichten schaut, wird letztlich nur noch das eine erbitten: Dein Reich komme! Darin dürften alle unsere Bitten aufgehoben sein und finden ihre Erfüllung.

Amen



RSS-Feed | Newsletter | Sitemap | Impressum | Datenschutz