Sonntagsworte ...

29. Sonntag im Jahreskreis
am 21. Oktober 2018

Im heutigen Evangelium erfahren wir eine peinliche Jüngergeschichte: Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu Jesus. Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen (Mk 10,35ff).

Eben hatte Jesus auf dem Weg nach Jerusalem von seinem dortigen Leiden und Sterben gesprochen (s. Mk 10,32-34) und schon kommen zwei Musterjünger und wollen sich vor ihren ”Kollegen” die besten Plätze erschleichen. Das Leiden Jesu interessiert sie nicht weiter, sie denken nur an sich. Sie wollen nicht nur auf Erden ihre Ansprüche geltend machen, das wollen sie sogar auch noch im Himmel. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes (Mk 10,41) und wir würden vielleicht voll mit in den Protest der anderen Jünger einstimmen.

Warum sind die anderen Jünger gleich so ärgerlich? - Meinen sie den unverschämten Versuch dieser beiden, das Reich Gottes mit den Methoden unserer Welt zu ”erobern”, oder fühlen sie sich von den beiden abgedrängt und wollten eigentlich selbst die besten Plätze haben? - Dann aber wären die anderen Jünger auch nicht besser als diese beiden.

Jedenfalls muss Jesus nun etwas Wichtiges klären. Er will keinen Streit unter seinen Jüngern. Er bleibt trotz dieser peinlichen Geschichte ganz ruhig und stellt zunächst fest: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen (Mk 10,42). Das aber ist unsere Welt, die noch immer sehr ungerecht ist. Jesus strebt eine neue Welt an, die er mit seinen Jüngern bauen will: Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein (Mk 10,43f). Und er liefert auch eine Begründung dafür: Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Mk 10,45). Von einem solchen selbstlosen Gottesknecht spricht schon Jesaia  in unserer heutigen Lesung: Der Herr fand Gefallen an seinem Zerschlagenen, er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen. Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Mein Knecht, der Gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich (Jes 53,10f).

Durch diesen Jesus leuchtet Licht in der Finsternis unserer Welt auf (s. Joh 1,5) und schenkt Hoffnung. Die ersten Jünger Jesu haben ihr Versagen eingestanden und uns zur Warnung aufgeschrieben. Sie und viele nachfolgende Jünger haben ihren Meister so weit verstanden, dass sie ihn und seine Botschaft mutig und treu bezeugten – sogar bis zu ihrem Martyrium – so auch Jakobus und Johannes. Wir sollten sie uns zum Vorbild nehmen.

Nun liegt es an uns, ob unsere Welt in der alten Dunkelheit versinkt, oder ob wir dieser Hoffnung, die mit Christus aufgestrahlt ist, in unserer Welt Raum und “Bodenhaftung” geben. Damit sollten wir am besten bei uns selbst anfangen. In uns allen steckt doch der Wunsch, der Beste, der Größte, der Stärkste, der Schnellste, der Schlauste zu sein und nur die eigenen Wünsche ernst zu nehmen – egal wie maßlos sie sind. Deswegen gibt es Streit unter uns, denn die anderen wollen das auch. Somit bleiben wir in der alten Welt. Wenn wir aber ehrlich auch das Wohl anderer im Auge behalten, dann steigen wir in diese neue Welt ein, die Jesus auch mit uns errichten will. “Dein Reich komme!” beten wir, doch dafür sollten wir auch etwas tun. Schon Jesaia forderte die Gläubigen auf: Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen! (Jes 1,17) Das läge ganz in der Absicht Jesu. Er hat ein Leben geführt, das weniger für sich selber gesorgt hat, sein Leben diente eher den anderen – war ein einziges “Für”. In ihm wurde Reich Gottes sichtbar und erfahrbar. In ihm war die Liebe zu den anderen wichtiger als das eigene Wohlbefinden, deshalb hat er sich verraten, verhaften, verurteilen und sogar als Verbrecher hinrichten lassen als andere “abstürzen” zu lassen.  Darauf hat sein himmlischer Vater wunderbar geantwortet, indem er den getöteten Jesus hat auferstehen lassen. Deshalb ruft uns Paulus zu: Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: "Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters (Phil 2,5-11).    Amen.



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