Sonntagsworte ...

7. Sonntag im Jahreskreis
am 24. Februar 2019



Die Lesungen des heutigen Sonntags passen großartig in die Faschingszeit. Zwar liefern sie uns keine oberflächliche Lustigkeit, wohl aber hintergründigen Humor.

Wir hörten aus der zweiten Lesung – dem 1. Korintherbrief des Paulus:

Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde 1 Kor 15,47), was das erste Buch der Bibel so erklärt: Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen (Gen 2,7).

Gott formt den Menschen wie ein Künstler seine Plastik aus dem wertvollen Rohmaterial “Ackererde”, die Leben hervor bringt, und macht dieses Gebilde durch seinen Lebensgeist zum Menschen – ein sehr hintergründiges Bildwort.

Unsere Lesung erfasst neben dem ersten Menschen uns alle:

Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren (1 Kor 15,48), d.h. wir alle sind letztlich von der Erde – dem Humus – genommen und somit vom Wortstamm her dem Humor zugeordnet. Demnach sollten wir trotz unserer evolutiven Weltsicht unsere “Erdhaftigkeit” annehmen. Da wir alle aus dem gleichen Stoff sind, mit allen anderen in einem Boot sitzen, sollten wir nicht auf sie herab schauen. Wer diese - seine eigene - Wahrheit erkannt und angenommen hat und sich nicht besser als die anderen dünkt, der hat Humor, der kann über die Torheiten der anderen wie auch über die eigenen lachen.

Unsere Lesung beschert uns zu diesem Thema aber noch viel mehr: Der Zweite Mensch stammt vom Himmel. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren (1 Kor 15,47f).

Das sind wir zwar noch nicht, könnten es aber werden und sollten es wohl auch, denn - zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische (1 Kor 15,46b). Aber uns ist verheißen: Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden (1 Kor 15,49), d.h. Gott mutet uns eine Evolution zu, die wir mit gestalten sollen und können. Das gelingt am besten – mit Humor!   

Dazu nun einige Vorschläge:

Zum Humor gehört neben der uns alle verbindenden Erdhaftigkeit auch die erlösende Überzeugung, von Gott angenommen zu sein. So kann man in der humorlosen Härte des Alltags trotz allem Freude finden.

Der Mensch mit Humor relativiert die harte Wirklichkeit, weil er sie von einer anderen Perspektive aus sieht, und kann sich mit ihr versöhnen, ist sie doch eine Art "Rohmaterial", das man mit ruhiger Gelassenheit und Phantasie gestalten kann. Davon erzählt die erste Lesung des heutigen Sonntags:

Saul machte sich mit dreitausend Mann ausgesuchten Kriegern aus Israel auf den Weg und zog in die Wüste von Sif hinab, um dort nach David zu suchen und ihn als lästigen Konkurrenten zu töten.

Aber David und Abischai kamen in der Nacht zu den (schlafenden) Leuten (Sauls) und fanden Saul mitten im Lager schlafend; sein Speer steckte neben seinem Kopf in der Erde.

Abischai wollte sofort die günstige Gelegenheit nutzen und Saul mit seinem eigenen Speer aufspießen. David aber nahm den Speer und den Wasserkrug, die neben Sauls Kopf waren, und sie gingen weg. Niemand sah und niemand bemerkte etwas.

Im Morgengrauen rief David vom Gipfel des Berges: Seht her, hier ist der Speer des Königs. Der Herr wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten. Obwohl dich der Herr heute in meine Hand gegeben hatte, wollte ich meine Hand nicht an den Gesalbten des Herrn legen (vgl. 1 Sam 26,2-23).

Saul kam zur Besinnung, sah sein Unrecht ein und erkannte Davids Treue und Lauterkeit.

Der Mensch mit Humor ist nicht von den Dunkelheiten dieser Welt gefangen genommen. Er muss nicht mit gleicher Münze zurück zahlen. Er sieht überall göttliches Licht hindurch leuchten.

Er vertraut darauf, dass dieses Licht sich letztlich durchsetzt. Und dabei kann er mitwirken.

Das heutige Evangelium liefert dazu handfeste Vorschläge, die in diesem Zusammenhang durch uns tatsächlich möglich werden können:

Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd (Lk 6,27ff).

Wir sehen:

“Heiterkeit ist eine der Arten, Gottes Willen zu erfüllen.” (L. N. Tolstoi)

Nutzen wir also die Faschingszeit mit ihren "Auf- und Anregungen", die manches lockern, was festgefahren ist, die uns so manchen Spiegel vorhalten, die so manches von anderen offenbaren, die uns ein Stück voraus sind im Gelände des Humors und uns herzlich lachen lassen - vielleicht auch über uns selbst.



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