Sonntagsworte ...

19. Sonntag im Jahreskreis
am 12. August 2018

Zum Davonlaufen…

 

Wie oft sagen wir das! Gründe dafür gibt es genügend; diese alle aufzuzählen, wäre müßig und brächte uns auch nicht weiter. Das sagen sich in aller Welt Väter, Mütter, Kinder, Verliebte, die es nicht mehr sein können, Lehrer, Schüler, Flüchtlinge von Angst getrieben, Deserteure, Verbrecher – um nur einige aufzuzählen. Sie sind wahrhaftig nicht zu bewundern oder gar zu beneiden. Viele haben irgendwo versagt und kommen mit den Konsequenzen nicht klar, andere sind unschuldig und fühlen sich bedroht.

Sie alle sehen keine Hoffnung mehr, weder bei Gott noch bei den Menschen.

Ihr einziger Ausweg ist die Flucht – oft ein Trugschluss.

Dazu ein Gedicht:

Wohin?  

Festgelegt auf seinen Pfad,
weg vom trauten Ort,
isoliert
und frustriert –
er will nichts als fort.

Seinen einsamen Entschluss
hat er fest im Sinn;
fragt nicht,
traut nur seiner Sicht.
Weiß er denn, wohin?

Dazu kann auch gehören:

Ich kann nicht mehr beten, nicht mehr glauben, man sieht keinen Sinn mehr in den eigenen Bemühungen, man will nur noch weg – weg aus dem eigenen Leben, weg von den quälenden Konflikten, den zerbrochenen Beziehungen – weg von seinem Selbst.

„Niemand hat mich gefragt, ob ich überhaupt leben wollte; also kann ich mich auch jederzeit aus dem Leben verabschieden“ – eine überaus traurige, aber auch heute sehr verbreitete Ansicht.

Auch der große Prophet Elija ist weggelaufen – wir hörten von ihm in der 1. Lesung.
Er hat sein Prophetenamt satt und seinen Gott. „Es ist genug, Herr … Nimm mein Leben.“
Er läuft in die Wüste, möchte allein sein – sterben. Er ist nicht nur lebensmüde, er ist auch Gottes müde. Was bleibt einem Propheten, wenn er an Gott irre wird? Andere Menschen klammern sich dann immer noch vorübergehend an allerlei anderes. Aber ein Prophet, der alles auf eine Karte setzt, dessen Leben Gott ist, wie soll er ohne Gott noch leben können!

Und Elija ist nicht die einzige Gestalt der Bibel, die vor sich selbst und seinem Gott davon läuft. König Saul scheiterte mit seiner falschen Politik und stürzte sich in sein eigenes Schwert und Judas erhängte sich nach seinem Verrat. Auch der Prophet Jona ist seinem Gott davongelaufen. Alle Apostel machten sich „dünn“, als die Soldaten Jesus am Ölberg verhafteten – auch Petrus, und als die Magd ihn erkannte, gleich noch einmal.

Wo aber liegt der Unterschied? – Die einen Flüchtigen scheitern total, andere aber werden gerettet. Für die Geretteten gibt es drei wunderbare Gründe für ihre Rettung:

1.         Für die Geretteten blieb Jahwe ihr Gott, vor dem sie sich als schuldig erkannten…
Sie setzten ihre Hoffnung nach wie vor auf ihren Gott, selbst bei großem Versagen.
Sie wussten als Glaubende: Diesem Gott kann niemand davonlaufen.

Der Psalmist spricht das sehr klar aus:

Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir.
Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt;
du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge -
du, Herr, kennst es bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten
und legst deine Hand auf mich.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen,
zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
(Ps 139,1-10)

2.         Gott bleibt nicht nur ihr Gott, er verzeiht,
wenn der Mensch seine Schuld zugibt.

Gegen den Treuen zeigst du dich treu,
an dem Aufrichtigen handelst du recht.
(Sam 22,26)

Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein,
unwandelbar und treu.
(Sach 8,8)

…der dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt
(Ps 103,3)

Denn gnädig und barmherzig ist der Herr;
er vergibt die Sünden …
(Sir 2,11)

Das durfte auch der so genannte „verlorene Sohn“ erfahren… s. Lk 15,11ff

Verzeihen ist eine Grundhaltung unseres Gottes.

3. Gott hilft dem Davonlaufenden auf, nährt ihn
und bringt alles zu einem guten Ende
         

…wovon auch unsere 2. Lesung spricht:

Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander,
weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.
Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder und liebt einander,
weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer,
das Gott gefällt
(Eph 4,32-5,2).

Diese Absicht Gottes soll sich durch uns am anderen fortsetzen.

Viele finden sich und flüchten zu ihrem Gott zurück mit den dringendsten Alltagsbitten, die wir im Herzen tragen:

                                               Unser tägliches Brot gib uns heute
                                               und vergib uns unsere Schuld,
                                               wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!

König Saul scheiterte ohne seinen Gott mit seiner falschen Politik.
Judas löschte sich selber aus ohne dem Erbarmen Gottes zu vertrauen.
Elija in seiner Verzweiflung und David gaben ihre Schuld zu und trauten ihrem Gott.
Letztlich bewährten sich nach den Evangelien wie auch nach der Apostelgeschichte alle Apostel – sogar bis aufs Blut.

Auch wir, meine Lieben, dürfen unserem Gott trauen, egal wie weit wir ihm davongelaufen sind. Noch ist Zeit dafür!  Amen.



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