Sonntagsworte ...

Zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel                 

 

Mit Freude und Zuversicht schauen wir heute auf Maria, von der wir mit guten Gründen glauben, dass sie vollendet in der Herrlichkeit Gottes ist. Maria hat nicht nur keinerlei Sünde begangen, sondern wurde sogar von Gott vor der Erbschuld bewahrt aufgrund der Sendung, zu der Gott sie bestimmt hat:

Die Mutter des Erlösers zu sein.

Die Begründung dieses Dogmas findet sich in den Worten, die der Engel Gabriel an die Jungfrau aus Nazaret richtete:

Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir (Lk 1,28).

„Du Begnadete“ ist Marias schönster Name – der Name, den Gott selbst ihr gegeben hat, um zu zeigen, dass sie seit jeher und für immer die Geliebte und Erwählte ist, das kostbarste Geschenk aufzunehmen: Jesus, die Fleisch gewordene Liebe Gottes.

Lassen wir uns mit ehrlichem Herzen und offenem Geist von ihr führen und beseelen, damit wir durch sie den Sohn Gottes besser erkennen und ihm konkreter folgen können.

 

Das Evangelium sagt: Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach (Lk 2,19), was ein sehr guter Rat auch für uns ist, denn so begegnen auch wir den unterschiedlichen und ständig sich verändernden Situationen auf unserem Lebensweg durch diese Welt offener und gefasster. Im Licht des Wortes Gottes sehen unsere Welt und die Anforderungen des Lebens an uns viel verheißungsvoller und leichter aus.

 

Auch an anderer Stelle im Lukas-Evangelium wird auf Marias besondere Aufmerksamkeit hingewiesen: als Jesus zum Volk redete, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen (Lk 11,27f). Die Frau preist die Mutter des genialen Predigers Jesus selig – wohl ohne sie zu kennen, und Jesus liefert indirekt eine wunderbare Aussage über seine Mutter, die er uns allen als Vorbild empfiehlt: sie hört und das Gehörte – eine treffliche Kurzformel für ein wahrhaft gläubiges Leben.

 

Maria hört die Botschaft Gottes an sie durch den Erzengel Gabriel und befolgt sie mit ihrem bedingungslosen Ja, zu dem sie in ihrem ganzen Leben steht – auch unter dem Kreuz, an dem ihr Sohn qualvoll stirbt. Aber ihr konsequentes Hören und Befolgen wurde zum großen Segen für die gesamte Menschheit.

Ihr wurde ein Zeichen gegeben: Siehe, Elisabet, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat für sie, die als unfruchtbar gilt (s. Lk 1,36).

Maria besucht in der ihr eigenen Aufmerksamkeit Elisabet, um das Zeichen zu schauen, das ihr gegeben wurde – im Gegensatz zu König Ahas, der nur den eigenen Plänen traute und durch kein Gotteszeichen „verunsichert“ werden wollte (s. Jes 7,10-14) – zu ihrem großen, Gott lobpreisenden Gesang: dem Magnifikat: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter (Lk 1,46f).

Maria staunt und freut sich ähnlich wie Hanna (s. 1 sam 2,1) über ihre Erwählung: Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter (Lk 1,48).

Nun spricht Maria für ganz Israel:

Der mächtige hat großes an mir getan, sein Name ist heilig (Lk 1,49),

worauf schon Mose eindringlich hingewiesen hatte (s. Dtn 10,21).

Maria preist Gottes Macht, die sich für die Freiheit der Menschen engagiert: was auch viele Psalmen betonen.

In besonderer Weise lobt Maria das Erbarmen Gottes, das er immer wieder für sein Volk aufbringt:

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig (Lk 1,50.53ff), was viele Propheten wie auch Psalmen bestätigen (s. Ps 34,11/ 1 Sam 2,5/ Jes 41,8f / Ps 98,3).

Sie erkennt das heilsame Wirken Gottes im gesamten NT und wird dadurch

Zum fruchtbaren Boden des NT.

 

Mit einer solchen Sicht und Haltung inmitten unserer Welt, einer solchen Aufmerksamkeit des Herzens und der offenen Bereitschaft zum Hören und Befolgen des Willens Gottes kann man vor diesem Gott wohl nicht scheitern.

Ein solcher Glaubensweg kann nicht anders als in der Herrlichkeit Gottes seine Vollendung finden.

 

So lasst uns in Freude und Dankbarkeit das "Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel" feiern. Wir dürfen sicher sein: Wenn wir nicht nachlassen, den Willen Gottes zu suchen und zu tun, wenn wir nicht der Versuchung der Mutlosigkeit und des Zweifels nachgeben, werden auch wir unsere Vollendung in Gott finden.                 Amen.





20. Sonntag im Jahreskreis

am 18. August 2019

 

Wenn wir aus gegebenem Anlass in unserem Leben zurück blicken,

erinnern wir uns hoffentlich an glückliche Zeiten, aber wohl auch an Bedrängnisse, die uns sehr bitter mitgespielt haben, obwohl wir versucht haben, als gute Christen zu leben, und wir wunderten uns wohl auch darüber, warum Gott das zugelassen hat.

In der heutigen ersten Lesung erfahren wir von den Bedrängnissen aus dem Leben des Propheten Jeremias.  Wir erfuhren: Sie ergriffen Jeremia und warfen ihn in die Zisterne … im Wachhof. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm, in den Jeremia sank (Jer 38,6). Doch er resigniert nicht. Er bleibt trotz aller Bedrohungen und Ängste der Prophet Jahwes, auf den er vertraute.

Wie kommt Jeremias zu dieser Kraft?

Dazu noch ein Beispiel:

Alfred Delp schreibt als von der Gestapo Verurteilter in seiner Todeszelle:

“Unsere Stunde ist die Stunde der Wüste. Noch fleht unser Herz die Urbitten der Kreatur. Das gilt für uns alle und gilt für mich persönlich. Es ist eine Situation, in der die Wüste ihre tröstliche Vertraulichkeit weglegt und uns mit dem Gesicht der gefährlichen Bedrängnis anschaut. Das sind keine Bilder, das sind Zustände und Tatsachen...

Aber diese Wüste ist Bewährung zur großen Freiheit, nicht endgültiges Schicksal. Die Wüsten müssen bestanden werden. Und ich weiß dies: Ich bin nicht allein. Das Gesetz der Gnade gilt. Und ich weiß dies: Ich bin nicht allein. Das Gesetz der Treue und der Liebe und des betenden Opfers gilt. Und ich weiß dies: Der Stern wird über der Wüste stehen. Und ich muss den Strom des Heils einströmen lassen. Und die Wasser unserer Bitternis werden gewandelt sein in den Wein der göttlichen Segnung.”[1]

Die Worte und die Haltung auch dieses Mannes lassen uns die obige Frage wiederum stellen: Woher kommt diese Kraft?

Solschenizyn ist der tiefen Überzeugung, dass es in jedem Menschen bei aller Not und bei allem Elend dennoch etwas Unzerstörbares und Ewiges, ein Stück göttlichen Seins gibt. Diese Überzeugung drückt Solschenizyn  in seinem Roman “Die Krebsstation” überzeugend aus. So sagt der krebskranke Schulubin vor seiner Operation: "Manchmal fühle ich es ganz deutlich, dass in mir mehr ist als mein bloßes Ich. Etwas Unzerstörbares, Erhabenes!"  Wenn dieses Stück göttlichen Seins auch vielen unbewusst bleibt, so ist es doch da. Das Ewige und Unzerstörbare wird in uns in dem Ausmaß lebendig, wie wir auf die urmenschliche Frage, wovon der Mensch eigentlich lebe, eine Antwort finden, die über das Irdisch-Greifbare hinaus reicht, hinein in das Überirdisch - Unbegreifbare. Von ihm wissen wir uns als gläubige Menschen in allen Tagen unseres Lebens umgriffen. Es ist der lebendige Glaube, der das Letzte und Ewige in uns weckt und uns seinem göttlichen Ursprung entgegen trägt. Das drückt Paulus, wie die Apg erzählt, den heidnischen Athenern gegenüber so aus: In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir (Apg 17,28).

Weil es in uns dieses durch den Glauben geweckte Ewige und Unzerstörbare gibt, gewinnt der Gläubige Sicherheit. Daraus ergibt sich eine unzerstörbare Hoffnung - die Hoffnung nämlich, dass alles Schwere, das uns trifft wie Krankheit, Leiden, Sterben und Tod, sich positiv auswirken wird, wenn wir es annehmen. Das fordert Christus von uns mit seinem Ruf der Nachfolge. Auch er ging in seinem irdischen Leben durch schwere Bedrängnisse – durch den Tod am Kreuz, aber bis hinein in seine Auferstehung über aller Bedrängnis.

Diese Hoffnung - auch für uns - verharmlost und verschleiert weder Schmerzen noch erlittenes Unrecht, aber sie schenkt die Kraft, solches vertrauensvoll durchstehen zu können.

Von Oleg Kostoglotow heißt es in obigem Roman: "Die Welt war von neuem erschaffen, um Oleg wieder geschenkt zu werden.” Er begann ein neues Leben. Er kehrte nach Hause zurück, zwar besorgt um die weitere Entwicklung seiner Krankheit, aber mit Hoffnung im Herzen.

Der hoffnungsvolle Mensch hat ein Licht, das ihm entgegen leuchtet. Dieses Licht zu sehen, gibt ihm Lebenskraft. Weil es ohne Licht kein Leben gibt, ist das Leben des Hoffnungslosen, dem alle Lichter erloschen sind, allerdings zu Ende.

Diese beiden Sichtweisen schließen einander aus und können keinen gemeinsamen Frieden finden. Somit wird das schwierige Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium verständlicher: Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei (Lk 12,51f).

Wir leben, solange wir Hoffnung haben. Das gilt in erhöhtem Maß hinsichtlich der vom Glauben getragenen Hoffnung, die selbst der Tod nicht zerstören kann. Der gläubig Sterbende kehrt heim, vielleicht nicht völlig beruhigt, aber mit Hoffnung im Herzen. Die gläubige Hoffnung bewirkt im Menschen eine neue Einstellung zu allem, was geschieht. Sie lässt uns alles im Licht sehen. So kann man sagen: Die Welt ist sehr dunkel, aber wir haben glücklicherweise ein Licht, das uns leuchtet.

Einer, der sich an dem freut, was vorhanden ist und nicht hadert, ist ein wahrer Optimist. Ein Pessimist ist einer, der sagt: Überall ist es herrlich, überall ist es besser, nur wir haben Pech. Er leidet ständig unter seinem Schicksal, auch dann, wenn er Glück gehabt hat.

Echter Optimismus verwandelt den kranken Menschen zu einem liebenswürdigen Patienten, der die Dienste der ihn Pflegenden nicht als eine Selbstverständlichkeit, sondern in dankbarer Aufmerksamkeit hin nimmt. Solches Verhalten leuchtet an Scharaf  Sibgatow auf. Von ihm sagt Solschenizyn in seinem Roman: "Trotz dreier Jahre ununterbrochenen Leidens war dieser junge Tartar der sanfteste und freundlichste Mensch in der ganzen Klinik. Er lächelte oft, als wolle er sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die man seinetwegen hatte."

Eine solche Bewährung in der Bedrängnis erfordert einen lebendigen Glauben an dieses Ewige und Unzerstörbare in uns selbst, eine unerschütterliche Hoffnung, dass sich alles negativ Empfundene als etwas Positives erweisen wird. Damit wächst ein Vertrauen, das uns zu liebenswürdigen Menschen machen kann.[2]

Folgen auch wir dem Rat der zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief, der uns zur Quelle dieser Lebenskraft führen will: Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens... Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren (Hebr 12,1ff).                                                    Amen.



[1]  P. Otto Ogiermann: Alfred Delp, Kein Tod kann uns töten,  S. 346, St. Benno-Verlag Leipzig 1982

[2] Vgl. R. Stertenbrink, In Bildern und Beispielen, Herder-Verlag 1995 Bd 1, Kap 46.       



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