Sonntagsworte ...

2. Ostersonntag
am 28. April 2019

 

Kinder rechneten mir im Religionsunterricht vor:

“Zu Weihnachten gibt es große Geschenke, zu Ostern bloß einige Kleinigkeiten, und alle anderen kirchlichen Feste können wir vergessen.”

Das schreit nach Klärung.

Ich schlug die Bibel auf – das heutige Evangelium Joh 20,19-31 – und lud ein zum Ostereiersuchen auf der Wiese des Evangeliums. Wie entdeckten dort zusammen eine Menge prächtiger Ostergeschenke – schon im ersten Satz:

1. Geschenk: Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! (Joh 20,19)

Der erste Tag der Woche – der Sonntag, wird hier zum Begegnungstag mit dem Auferstandenen, was ja im Gottesdienst sehr deutlich wird und als Feiertag allen Menschen zur Verfügung steht – wohl die erste, weltweite soziale Errungenschaft der Menschheit. Am Sonntag findet man Zeit für seine Familie und seine Freude; man pflegt seine Hobbies, unternimmt miteinander, was eben Freude macht – das gilt nicht nur für Christen. Dieses Geschenk sollten wir uns nicht wegnehmen lassen – auch nicht von großen, einladenden Kaufhäusern.

In diesem ersten Satz finden wir noch weitere tolle „Ostereier“, die für uns bestimmt sind:

2. Geschenk: Angst und Unsicherheit werden überwunden durch den Auferstandenen. Er kam bei verschlossenen Türen zu seinen Jüngern und kann ihnen nun immer nahe sein. Wir brauchen uns nicht verstecken, müssen nichts fürchten, nicht einmal den Tod. – Christus ist der Stärkere. Dieses Vertrauen hat die Apostel stark gemacht, so dass sie ihre Ängste überwinden konnten wie Petrus und die Frohbotschaft in aller Welt ausrichten konnten.

3. Geschenk: Frieden wird möglich in unserer Welt. Jesus wünscht uns nicht nur den Frieden, er stellt ihn her durch seine Vergebungsbereitschaft. Er stellt sich vor dem Vater auf unsere Seite mit seinem totalen Gehorsam und rettet uns so vor jeder Verurteilung, die wir eigentlich verdient haben. Als Gerettete durch unseren gemeinsamen großen Bruder können wir uns nun auch viel besser miteinander vertragen – also Frieden finden.

4. Geschenk: Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen (Joh 20,20) – zweiter Satz.

Freude kommt auf, denn Gott kann alle von den Menschen verursachten Schäden heilen – sogar den von den Menschen ermordeten Jesus zum Leben erwecken. Dessen Wundmale bereiten keine Schmerzen mehr, sie sind jetzt Zeichen seiner Liebe zu uns und Siegeszeichen.

5. Geschenk: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch (Joh 20,21). Das Versagen der Jünger spielt keine Rolle mehr. Jesus sendet sie als seine Zeugen in die Welt. Er braucht sie trotz allem als seine Freunde.

Als solche braucht er auch uns…

6. Geschenk: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben (Joh 20,22f). - Gegen allen Ungeist schenkt der Auferstandene seinen Jüngern nun seinen göttlichen Geist, der eine ganz andere Lebensqualität ermöglicht und unsere schmerzlichen Begrenztheiten sprengt. Noch bevor die Apostel vor Jesus ihre Einsicht über ihr Versagen bekundet haben, verzeiht er ihnen und setzt sie als erste Beichtväter für alle Menschen ein. Jedem kann nun Schuld vergeben werden, der hinzu tritt und um Vergebung bittet – das ist doch wohl das größte Geschenk, das uns gegeben ist...

Ich war sehr froh, dass diese kritischen und cleveren Kinder zumindest ahnten, dass diese gefundenen „Ostereier“ wohl wertvoller sind als Schokoladenosterhasen.

 

Wir wären also sehr vernünftig, wenn wir diese göttlichen Geschenke annähmen, um österliche Menschen – Gotteskinder – sein zu können.

In der Begegnung mit dem Auferstandenen, der den Jüngern trotz ihres treulosen Verhaltens liebend nachgegangen war, ging ihnen eine ganz neue Welt auf - die Welt Gottes. Von diesem Augenblick änderte sich ihr Leben von Grund auf. "Das Kreuz machte schlichte Fischer zu Aposteln und Evangelisten ... Viele versuchten, den Namen des Gekreuzigten auszulöschen, doch dieser blühte auf und wuchs – inzwischen für die ganze Welt. Die Lebenden, die gegen den Toten kämpften, konnten nichts ausrichten ... Was die Gnade Gottes mit kleinen Leuten ausrichten konnte, das konnten Philosophen, Redner und Herrscher, ja die Weisen der ganzen Welt sich nicht einmal vorstellen ... Daran wird offenbar, dass die Verkündigung göttlichen Ursprungs sein muss. Denn wie kamen die zwölf einfachen Männer dazu, ein so großes Unternehmen anzufangen; sie, die auf Seen und Flüssen oder in Einöden gelebt hatten und vielleicht noch nicht einmal eine Stadt oder einen Markt gesehen hatten, wie kamen sie dazu, sich gegen eine ganze Welt zu stellen? Dass sie furchtsam und mutlos waren, zeigt sich daran, dass sie nach der Gefangennahme Christi trotz so vieler Wunder sich versteckten und dass der Erste von ihnen – Petrus – den Herrn verleugnet hat. Wenn sie nicht den Auferstandenen gesehen und den größten Beweis seiner Macht erhalten hätten, dann hätten sie sich nicht mit so hohem Einsatz bewährt." (Johannes Chrysostomos)

Die Jünger wussten, dass das durch den Auferstandenen geschenkte neue Leben durch den Tod nicht vernichtet werden kann. Deshalb schauten die ehemals Furchtsamen mit einer starken Hoffnung dem Tod furchtlos ins Auge. Ohne Christus konnten sie sich ihr Leben nun nicht mehr vorstellen.

Der Auferstandene nimmt uns die Angst, indem er uns sagt: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt! (Mt 28,20) Dieser Glaube schenkt tiefen Frieden. Er macht uns gütig, heiter und froh. Er befähigt uns, der Kraft jener Liebe zu vertrauen, die uns eine neue Welt erschließt. Sie ist die stärkste von allen Kräften und Mächten in dieser Welt.

Diese Liebe, die der Auferstandene uns schenkt, ist stärker als der Tod, denn in ihr ist der Auferstandene gegenwärtig. Die hier gemeinte Liebe wächst mit dem Glauben an den auferstandenen Herrn, mit der gläubigen Annahme seines österlichen Grußwortes:

"Fürchtet euch nicht; denn ich bin bei euch!"

Wir sollten das Abenteuer wagen, dieses Wort zu leben. Dann würde in uns die Gewissheit wachsen, dass Jesus, der auferstandene Herr, der einzige ist, auf den man sich vorbehaltlos verlassen kann.     Amen.

 

(Vgl. Rudolf Stertenbrink, In Bildern und Beispielen, Herder 1995, Bd. 3, Kap. 34)



RSS-Feed | Newsletter | Sitemap | Impressum | Datenschutz