Keine Eiszeit in der Ökumene im Sommer 2007

Generalvikar Michael Bautz in der Sächsischen Zeitung vom 12.07.07


Generalvikar Michael Bautz
"Eiszeit in der Ökumene? So wirken manche empörten Reaktionen auf die neuen Dokumente aus Rom zur katholischen Lehre über das Kirchenverständnis", schreibt Generalvikar Bautz in einem Beitrag für die Sächsische Zeitung.

Eiszeit in der Ökumene? So wirken manche empörten Reaktionen auf die neuen Dokumente aus Rom zur katholischen Lehre über das Kirchenverständnis. Aber: Was die Kongregation für die Glaubenslehre mit dem Segen des Papstes schreibt, ist nicht neu. Die katholische Lehrmeinung hält lediglich ihren Anspruch aufrecht, dass man in der katholischen Kirche die Kirche Jesu Christi findet. Wörtlich heißt es im Text, die Kirche Jesu Christi „ist verwirklicht in der katholischen Kirche.“ Ein Anspruch, der hart erscheinen kann. Dieser eigene Anspruch soll und wird aber nicht zur Überheblichkeit gegenüber anderen führen. Auch andere Kirchen werden im Text ausdrücklich als Kirchen geachtet.

Und wir katholischen Christen in Sachsen werden auch nach der Erklärung wie gewohnt von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, von der Evangelischen Kirche Deutschlands oder der Vereinigten evangelisch lutherischen Kirche Deutschlands sprechen. Der Text der Glaubenskongregation hat allerdings verdeutlicht, dass der Ausdruck „Kirche“ dabei nicht in einem gemeinsamen Sinn gebraucht wird.

Der Text greift Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils und spätere Vatikanische Erklärungen, etwa die Erläuterung „Dominus Jesus“ aus dem Jahr 2000 auf. Er fasst bestehende Positionen knapp zusammen und erläutert sie. Und sollte, wie ich meine, etwa auf evangelischer Seite keinen Grund darstellen, sich brüskiert zu fühlen. Im Dialog ist es wichtig, auch unterschiedliche Positionen klar herauszustellen. Die neue Erklärung des Vatikan hat ausgesprochen, was katholische und evangelische Christen im Kirchenverständnis leider immer noch trennt. Entscheidendes Merkmal nach katholischem Verständnis ist, dass diese Kirche in unmittelbarer Folge von den Nachfolgern des heiligen Petrus jeweils in Gemeinschaft mit den Bischöfen geleitet wird. Darin liegt kein fehlender Respekt gegenüber unseren Dialogpartnern. Für das ökumenische Gespräch sollte es sich aber positiv auswirken, wenn die Bedeutung bestimmter theologischer Begriffe aus der jeweiligen Sicht erläutert ist.

Die Faktenlage zum unterschiedlichen Kirchenverständnis ist nochmals ausgesprochen worden. Dass Unterschiede bestehen und auch benannt werden, sollte uns nicht hindern, die guten ökumenischen Beziehungen fortzusetzen. Als Bistum Dresden-Meißen möchten wir auch weiterhin mit unseren Mitchristen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens unsere positiven Gespräche und unsere fruchtbare Zusammenarbeit fortsetzen. Unsere gemeinsamen Schritte, unser gemeinsames Arbeiten und unser gemeinsames Gebet werden bleiben, auch nach dem Text aus Rom. Es gibt viele Früchte, die den Ertrag der ökumenischen Arbeit in Sachsen zeigen. Das Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre hat keine Änderungen, sondern im Abstand einiger Jahre die Bestätigung einer bestehenden Argumentation gebracht. Eine Eiszeit in der Ökumene wird im Sommer 2007 in Sachsen deswegen sicher nicht anbrechen.

Generalvikar Michael Bautz, Bistum Dresden-Meißen

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