Kräuter sind wertvoll, Kräuter heilen, Kräuter verzaubern

Eindrücke vom 14. Kräutersonntag in St. Marienstern


Msgr. Georg Austen feierte die ökumenische Andacht mit.
Im Kloster St. Marienstern fand am 17. August 2008 bereits zum 14. Mal der Kräutersonntag statt. Zu der ökumen. Andacht, die ein internationaler Kinderchor mitgestaltete, waren Msgr. Georg Austen, Paderborn, und Pfarrer Friedrich Prüfer, Elstra, gekommen.

Panschwitz-Kuckau, 21.08.2008: Im Ernährungs- und Kräuterzentrum des Christlich-Sozialen Bildungswerkes Sachsen e.V. (CSB) im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau fand am 17. August 2008 bereits zum 14. Mal der Kräutersonntag statt. Dazu konnten wieder rund 2.000 Gäste begrüßt werden – ein Beweis dafür, dass diese Veranstaltung zu einer schönen Tradition geworden ist.

Die ökumenische Andacht hielten in diesem Jahr Monsignore Georg Austen aus Paderborn, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, und Pfarrer Friedrich Prüfer aus Elstra. Traditionell gestalteten die Schwestern des Konvents die Andacht mit. Für weitere musikalische Umrahmung sorgten die Mädchen und Jungen, die an der 1. Internationalen Kinderchorwoche der Diaspora teilnahmen. Nach der Predigt von Pfarrer Friedrich Prüfer segnete Monsignore Georg Austen die Kräuter. Mit ihren Kräften, ihrer heilsamen Wirkung auf Menschen und auch auf Tiere, sind sie etwas ganz Besonderes in Gottes wunderbarer Schöpfung. Dies wurde in der ökumenischen Andacht mit den Gedanken zu den Kräutern, Gebeten, Gesänge und Fürbitten besonders deutlich.

Für ihre Verdienste bei der Unterstützung des Klosters St. Marienstern und des Ernährungs- und Kräuterzentrums mit Umwelt- und Lehrgarten wurden an drei Personen handgemalte Aquarelle mit dem Kloster als Motiv als Anerkennung und Auszeichnung überreicht. Gemalt hat die Bilder Petra Walter aus Wittichenau. Jedes ist ein Unikat. Eins bekam Katrin Kleeberg vom Hintergrundmagazin Sachsen für ihre Berichterstattung und Veröffentlichungen über das Kloster und das Zentrum. Ein weiteres Bild ging an Christian Hoose, seit 1. Januar 2007 Leiter des Pressereferats des Deutschen Bundestages. Davor war er für die Intendanz des Mitteldeutschen Rundfunks tätig. Das dritte erhielt Dr. Rolf Jähnichen, Mitglied des Sächsischen Landtages, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft a.D. und CSB-Vorstandsvorsitzender.

Nach der Andacht waren die Mädchen und Jungen der 1. Internationalen Kinderchorwoche der Diaspora noch einmal zu erleben. Untergebracht waren die über 70 jungen Sängerinnen und Sänger aus Lettland, Schweden, Tschechien und Sachsen während dieser Woche im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz bei Bautzen. Dort hatten sie Lieder in verschiedenen Sprachen einstudiert, die sie zum Kräutersonntag vortrugen. Weiter für Unterhaltung sorgte das Trio „HörBar“ aus Dresden, die mit Akkordeon, Geige und Tuba musizierten.

Zu der allgemeinen guten Stimmung an diesem Nachmittag trug auch der Kräutermarkt mit 20 Anbietern und Unternehmen aus ganz Sachsen bei. Die vielfältigsten Kräuter-, Natur- und Bioprodukte wurden angeboten, diese von den Gästen gut und gern angenommen. Kinder konnten am Bastelstand ihrer Kreativität freien Lauf lassen. In der kleinen Galerie eröffneten Dr. Rolf Jähnichen zusammen mit Veronika Tillich, Ehefrau des Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, der Vorsitzender des Vereins Freundeskreis der Abtei St. Marienstern e.V. ist, die Fotoausstellung „Momente der Zeit“ von Thomas Scholze aus Räckelwitz. Thomas Scholze war mit vor Ort, freute sich über die Möglichkeit des Ausstellens und sprach mit den Besuchern über seine Bilder, die er im russischen Murmansk mit dem Blick für Details aufgenommen hatte.


Interview mit Monsignore Georg Austen

Sehr geehrter Herr Monsignore Austen, was war der Grund beziehungsweise der Anlass für Ihren Besuch in der Lausitz?

Ich war aus drei Gründen hier. Am 3. März diesen Jahres habe ich als neuer Generalsekretär die Geschäftsführung des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken mit Hauptsitz in Paderborn übernommen. Deshalb befand ich mich zu Antrittsbesuchen in einigen deutschen Bistümern, um mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen und mich über die Projekte des Bonifatiuswerkes zu informieren. Der zweite Grund war die 1. Internationale Kinderchorwoche der Diaspora im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz, die vom Bonifatiuswerk gefördert wurde. Dort war ich unter anderem beim Gottesdienst dabei. Der dritte Grund war der Kräutersonntag im Kloster. St. Marienstern, wo ich die Andacht mit feierte und die Kräuter segnete.

Welche Aufgaben hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken?

Nöte, die für jeden offensichtlich sind, sind zum Beispiel Hunger, Armut, Krieg und Krankheit. An ihnen kann niemand vorbeisehen. Sie rufen spontan unser Mitgefühl hervor. Die Not, auf die das Bonifatiuswerk aufmerksam macht, ist anderer Natur. Sie heißt: Allein sein mit seinem Glauben, allein sein unter Menschen, die sich vom Glauben mehr und mehr abwenden. Wer inmitten Anders-Gläubiger und Nicht-Gläubiger lebt, fühlt sich außen vor. Er sehnt sich nach Menschen mit ähnlicher Einstellung in wesentlichen Lebensfragen. Wo katholische Christen eine absolute Minderheit darstellen, also ein bis fünf Prozent der Bevölkerung, wo sie verstreut über weite geografische Gebiete leben, wo sie durch große Entfernungen voneinander getrennt sind, da stellt sich das Bonifatiuswerk helfend an ihre Seite. Wir sind von der Deutschen Bischofskonferenz mit der Förderung der Diaspora-Seelsorge beauftragt. Diese Aufgabe nimmt das von Laien gegründete Hilfswerk seit 1849 wahr, also seit fast 160 Jahren. Förderung der Diaspora-Seelsorge bedeutet Gläubige zu befähigen, den eigenen Glauben in einer glaubensfremden, zunehmend ungläubigen Umgebung zu leben und weiterzugeben. Als „Werk der Solidarität“ sammelt das Bonifatiuswerk Spenden und stellt diese den Diaspora-Gemeinden als „Hilfe zur Selbsthilfe“ objekt- und projektgebunden zur Verfügung, zum Beispiel für den Bau von Kirchen und Gemeindezentren, Jugend- und Bildungshäusern, katholischen Schulen und Kindergärten, für die Kinder- und Jugendseelsorge, für die Ausbildung von Priestern in der Gemeindearbeit sowie für die Motorisierung von Pfarreien.

Ausgenommen in der Region im Freistaat Sachsen, wo die Sorben leben, und im katholischen Eichsfeld im Freistaat Thüringen sind die Christen, im Besonderen die katholischen, nur eine kleine Minderheit, wenige Prozent der Bevölkerung, also eine typische Diaspora-Situation. Wie hat das Bonifatiuswerk hier geholfen und wie hilft es hier?

Im Jahr 2008 werden 74 Bauprojekte in den Diaspora-Gebieten von Deutschland, Nordeuropa, also Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island, und dem nördlichen Baltikum, genauer Estland und Lettland, mit über 4,5 Millionen Euro gefördert. In dem extremen Diaspora-Gebiet zwischen Elbe und Oder ist das Werk seit seiner Gründung helfend zur Stelle. Hier liegt der eine Schwerpunkt der Arbeit. In diesem Jahr unterstützt das Bonifatiuswerk 49 Renovierungs- und Bauprojekte in zwölf deutschen Diaspora-Bistümern mit über 3 Millionen Euro. Allein in die flächenmäßig oft sehr großen Pfarreien der neuen Bundesländer gingen seit 1990 an die 300 Kleinbusse der Diaspora-MIVA.

Welche Eindrücke nehmen Sie aus der Lausitz und vom Kräutersonntag mit?

Zum einem fand ich die Internationale Kinderchorwoche der Diaspora in Schmochtitz beeindruckend. Es war eine Woche der Gemeinschaft, obwohl die Kinder verschiedene Sprachen sprechen, ein Baustein für Frieden und Völkerverständigung. Das Engagement der Betreuer hat mich ebenfalls beeindruckt. Tief bewegt hat mich auch das Zusammentreffen mit ehemaligen KZ-Häftlingen aus der Ukraine, die Schlimmes erleben mussten. Sie weilten dank der Unterstützung durch die Maximilian-Kolbe-Stiftung in Schmochtitz. Beeindruckt war ich von der gesamten Klosteranlage St. Marienstern. Den Kräutersonntag habe ich als Veranstaltung kennen gelernt, in der der christliche Glaube eine Sinnstiftung erfährt, Menschen zusammenführt und Achtung vor der Schöpfung vermittelt. Es hat mich gefreut, dass ich die ökumenische Andacht mit feiern und die Kräuter segnen konnte. Leider konnte ich nur einen Tag in der Lausitz bleiben. Aber ich möchte gern wieder herkommen, mit mehr Zeit, denn die Menschen und die Landschaft hier haben mich neugierig gemacht.

Dirk Raffe


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