"Oma, weißt du…? Opa, kannst du…?"

Großeltern als Glaubensboten für ihre Enkel

Glaubensweitergabe durch Großeltern
Das Bild, das Simeon und Hanna mit dem Jesuskind zeigt (vgl. Lk 2,21-40), begleitete die Großeltern durch die abschließende Liturgie. Hier hatten sie auch die Möglichkeit, für ihre Enkel eine Kerze anzuzünden.

Dresden, 07.04.2016:„Wir sehen unsere Enkelkinder so selten, sie wohnen Hunderte von Kilometern von uns weg. Wie kann ich ihnen überhaupt etwas vom Glauben weitergeben?“ - „Meine Kinder haben sich schon länger von der Kirche verabschiedet und erziehen ihre Kinder auch nicht religiös. Wie kann ich denn so ein Interesse wecken – und darf ich das überhaupt?“ - „Wir gehen sonntags in die Kirche, aber das ist für unsere Enkel überhaupt kein Thema. Mit unseren Vorstellungen haben wir keine Chance!“ Mit solchen und ähnlichen Fragen und Themen setzte sich am vergangenen Samstag, 2. April, von 9.30 -15.30 Uhr in St. Petrus, Dresden-Strehlen, eine Gruppe von Großmüttern und Großvätern auseinander.

Bereits im ersten Austausch zeigten sich sehr spannend und lebendig die Vielfalt der Familienkonstellationen und die ganz unterschiedlichen Lebens- und Glaubenswege der eigenen Kinder und Enkelkinder. Offen und mit viel Elan wurden, ausgehend von den Erfahrungen mit den eigenen Großeltern, die Veränderungen in Gesellschaft, Familie und Kirche bis in unsere Zeit in den Blick genommen und darüber diskutiert: Als wichtig und hilfreich erwies sich dabei der Perspektivwechsel von „Früher war alles besser!“ hin zu „Heute ist manches anders!“ Diese Einstellung hilft, nach den Chancen Ausschau zu halten und nicht in Resignation zu verfallen.  Manche Wertevorstellungen und Erziehungsziele, auch im Zusammenhang mit Glaube und Kirche, haben sich im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen gewandelt. So ist es für Eltern heute z.B. ein hoher Wert, ihren Kindern Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu vermitteln, wohingegen „Anpassungsbereitschaft“ als Wert zurücktritt. Familien heute suchen ihren Weg im Spagat von häufig widersprüchlichen Anforderungen (u. a. „Nehmt Euch viel Zeit als Familie – engagiert Euch voll im Beruf!“) und dem eigenen Anspruch, eine „gute Familie“ zu sein.
Auf diesem Hintergrund wurde schließlich gemeinsam überlegt, wie Großeltern ihren Glauben im Kontakt mit den Enkelkindern auf eine gute Weise einbringen können. Deutlich wurde hier, dass es nicht primär um die Vermittlung von „theologischem Wissen und Normen“ geht, sondern vielmehr um das authentische Anteilgeben an den eigenen Glaubenserfahrungen, die sich als tragend und wertvoll im persönlichen Leben erwiesen haben.
Mit einer kleinen liturgischen Feier, bei der u. a. ein Bild und die biblische Textstelle von Simeon und Hanna (Lk 2,21-40) zu einem Austausch anregten und für alle Enkelkinder ein Licht entzündet wurde, schloss ein interessanter und anregender Tag ab.

Claudia Leide / Regina Schulze



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