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Bistum Dresden Meissen

Proviant für den Tag

Nahrung für die Seele

Die Seele wohnt dem Menschen inne, sie prägt seine Einmaligkeit. Ganz verschieden hören sich ihre Melodien an. Manchmal eher tragend, manchmal schwungvoll und energiegeladen. Manchmal ist nur ein leiser, fast stiller Klang zu vernehmen. Fast lässt sich dieser Klang überhören.


Spirituelle Impulse, Gebete und Meditationen können den Dialog mit der Seele anbahnen. In der Mitte seiner selbst berührt zu werden, ist nicht planbar, nicht machbar. Mögen sich die täglichen Impulse hin und wieder als gutes Weggeleit erweisen, durch das der Tisch des Inneren Menschen nahrhaft gedeckt wird.

 

 

Du kommst uns entgegen (Psalm 21)

Du, Herr kommst uns entgegen

aus dem Tod zum Leben.

Du bist bei uns alle Tage

und hilfst uns in allen Zeiten:

Ein Mensch den Menschen,

ein König den Herrschenden.

Ein Leidender den Kranken,

ein Träumer den Hoffenden.

Die Unmündigen berührst du

und sie tuen ihren Mund auf gegen den Tod.

Wir rufen, und du hilfst uns Tag und Nacht,

wir schreien und du lässt uns nicht im Stich.

Deine Linke trifft unsere Widersacher

und deine Rechte rückt die Gottlosen zurecht.

Steh auf, Herr, unter den Völkern,

Erhebe dich aus deiner Gottesdämmerung

und beweise deine Macht.

Du, Herr, kommst uns entgegen:

Ein Mensch den Menschen,

ein König den Herrschenden,

ein Leidender den Kranken,

ein Träumer den Hoffenden,

aus dem Tod zum Leben.

 

Hanns Dieter Hüsch in dem Buch Ich stehe unter Gottes Schutz Psalmen für Alletage

Auf der Spur von Jesus Christus gehen

Einen der Kernsätze für das Leben aus dem Glauben finden wir im Römerbrief. Paulus schreibt: Leben wir, dann leben wir für den Herrn, und sterben wir, dann sterben wir für den Herrn. Ganz gleich also, ob wir leben oder sterben: Wir gehören dem Herrn. Als Christen versuchen wir, das Leben und Sterben und die Auferstehung von Jesus Christus für unser eigenes Leben fruchtbar zu machen. Damit stehen wir in der Tradition der ersten Jünger. Sie bekannten: Er ist der Herr! Sie haben begriffen, dass er ganz von Gott her und ganz auf ihn lebte. Später haben sie diese Gottesbezogenheit mit den Worten beschrieben: Er ist Gottes Sohn. Nach wie vor beten seine Jünger mit den Worten, die Jesus Christus sie gelehrt hatte: Vater unser im Himmel… Im wahrsten Sinn des Wortes lassen sich Christen von der Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen begeistern. Dabei knüpfen sie an Glaubenserfahrungen des Volkes Israel an. Damals und heute ist die Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen von Gottes gutem Geist getragen und inspiriert. Jesus Christus hat ganz und gar aus Gottes heiligem Geist heraus gelebt. Auf seiner Spur sind wir auf gutem Weg, wenn wir uns auf die Liebesgeschichte Gottes mit uns einlassen.

Norbert Mothes

„Leitbild“

Dein Evangelium Jesus, ist nicht nur deshalb frohe Botschaft, weil es uns aus Zuständen befreit, in die wir uns zuvor gebracht haben, oder weil es uns von etwas heilt, woran wir zuvor krank geworden sind; oder weil es uns auf dem Weg des guten zurückruft, den wir zuvor durch persönliche oder gemeinsame Schuld verlassen haben … Das alles ist wahr. Aber dein Evangelium hat auch eine Bedeutung, die darüber hinausgeht: Es ruft uns nicht nur zur „Umkehr“, es ist eine Botschaft, die uns nach vorn weist, und zwar uns, die gesamte Menschheit. Es zeigt uns, wohin wir uns entwickeln können – und uns entwickeln müssen, um zu überleben. Durch dein Evangelium zeigst du uns Menschen, wer wir eigentlich sind – und wer wir werden können: zum Lieben fähige Wesen.
Für diese „Wesenseigenschaft“ die uns schon von frühen Evolutionsstufen an mitgegeben ist auf unserem Weg der Mensch-Werdung und uns förmlich in den Genen steckt, hast du uns die Augen geöffnet. Und damit sie sich entwickeln kann, hat Gott uns sogar ein richtungs- und zukunftsweisendes „Leitbild“ gegeben, ein lebendes Exemplar eines Menschen, der bereits so ist, wie wir werden können: dich.

Reinhard Körner in seinem Buch Zu dir gesagt, Jesus

 

 

„Die Welt steht in Flammen!“ (3)

Es gibt nicht nur die Flammen der Zerstörung. Es gibt auch die Flamme der Liebe! Und auch sie hat ihren Herd in den Seelen - entzündet durch deinen Gott „von Mutterleib an“ in jedem Menschen. Diese Flamme mag sehr klein sein, sie mag vielleicht auch in früher Kindheit oder später durch verletzende Lebenserfahrungen kleingemacht worden sein, aber sie ist da: als die Flamme der Sehnsucht, geliebt zu werden und etwas wert zu sein; und als die Flamme der Sehnsucht, die eigene Liebesfähigkeit leben zu können. Mir jedenfalls ist noch kein einziger Mensch begegnet, in dem diese Sehnsucht, wenn ich mich einfühlen konnte, nicht wahrgenommen hätte. Allerdings habe ich nicht selten das Gefühl, dass sie bei vielen wie verkapselt ist; wie wenn sie „mit einem Gefäß zugedeckt ist“, würdest du sagen (vgl. Lk 8,16).
Diese Flamme der Liebe ist stärker als die Flammen der Zerstörung. Weil sie in der Menschenseele ursprünglicher da ist und weil sie ihren Ursprung im Schöpfer der Welt, in deinem Abba, dem Gott väterlich-mütterlicher Liebe, hat. Nur will sie genährt werden …

Reinhard Körner in seinem Buch Zu dir gesagt, Jesus

„Die Welt steht in Flammen!“ (2)

Du, Jesus, hast etwas getan: Du hast den Menschen bewusst gemacht, dass in ihren Seelen auch die Flamme der Liebe brennt!
Den Leuten, die dir zuhörten, hast du gesagt: „Das Reich Gottes ist nahe“ (Mk 1,15) – nahe nicht nur im zeitlichen, sondern geradezu im räumlichen Sinne. Laut Lukas hast du gesagt: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17,21c). Dass wir wie in Gott wohnen, hast du gesagt, und dass Gott in uns wohnt, in unseren Seelen – jetzt schon, nicht erst am Ziel des Menschenlebens; dass Gott, so hat es Johannes vom Kreuz dann ausgedrückt, „in jeglicher Menschenseele, auch in der Seele des größten Sünders der Welt, wesenhaft wohnt und gegenwärtig ist“. Gott, dem wir das Dasein verdanken, ist ein Gott, der uns liebt, noch vor jeder Leistung und trotz aller Schuld – das hast du den Leuten gesagt. Und du hast ihnen gesagt: Gott hat in jedem von uns, in jedem, ohne Ausnahme, die Fähigkeit zu lieben angelegt - eine Begabung, die in unseren Herzen steckt „von Mutterleib an“, wie es oft in der Bibel heißt. Dafür hast du den Leuten die Augen geöffnet, für die Flamme der Liebe in ihren Herzen: dass sie geliebt sind und dass sie zu lieben fähig sind.
Das, so habe ich dich verstanden, ist das Evangelium, sein Kern jedenfalls, das wir alle Menschen „lehren“ sollen.
Und so hast du ja nicht nur geredet, so warst du selbst und so hast du gehandelt. Jedem Menschen, dem du begegnet bist, hast du die Erfahrung schenken wollen, dass er für Gott wertvoll und liebenswert ist – ganz egal, was er selbst von sich denkt und was andere von ihm denken. Und jedem hast du zugetraut, dass er die Liebeskraft, die in ihm angelegt ist, einsetzen und entwickeln kann – keinen hast du darauf festgelegt, in seiner Seele immer nur allerlei Bösartigkeiten aushecken zu müssen.

Reinhard Körner in seinem Buch Zu dir gesagt, Jesus

 

„Die Welt steht in Flammen!“ (1)

- das schrieb schon im 16. Jahrhundert Teresa von Avila, in deren Orden du mich geführt hast. Mir kommt dieses Wort so oft in den Sinn, fast jedes Mal, wenn wir abends im Konvent gemeinsam die Nachrichtensendung sehen. Denn es ist doch heute nicht anders als damals! Die todbringenden Flammen fressen sich durch alle Regionen der Erde, kein Kontinent und kein Volk bleibt von ihnen verschont, und wo noch leben ist, da zündeln schon die, die mit dem Feuer spielen: die Nimmersatten, die für ihre Profit über Leichen gehen und Menschenleben und Umwelt zerstören; die Machtbesessenen und Möchtegernallmächtigen, die mit den Waffen klirren; die populistischen Verführer, die Hass schüren gegen Fremde und Andersdenkende; die Ellenbogentaktiker, die Egozentriker und die Narzissten, die menschenverachtenden Zyniker und all die mit krimineller Energie Aufgeladenen… Und das sind nicht nur die Leute im Fußvolk, sondern auch gewählte Regenten an der Spitze von Nationen, Leitende in den Finanz- und Wirtschaftskonzernen, hoch technisch Vernetzte in global agierenden Organisationen und Experten in führenden Bereichen von Forschung und Entwicklung!
Freilich, die Welt stand immer schon in Flammen, aber wohl noch nie in der Menschheitsgeschichte war sie so nah am Abgrund völliger Zerstörung wie heute. Nicht irgendetwas, nein, die Menschheit und unser ganzes Haus, die Erde, die wir bewohnen, sind von der Zerstörung bedroht! Allein schon die Ungewissheit, wohin dieser bedrohliche Flächenbrand noch führen wird, treibt immer mehr Menschen in die Hoffnungslosigkeit. Pessimistische Lebenseinstellungen und Ängste machen sich breit, selbst in einem Land wie unserem, in dem wir uns lange, im Westen wie im Osten, relativ sicher glaubten.
Und was im Großen Realität ist, das ist auch Realität im Kleinen. Manchmal denke ich, die Welt ist voller kaputter Existenzen. So viele Menschen, die verletzt sind und wieder verletzen, so viele, die unglücklich umherlaufen und andere unglücklich machen, so viel krankes Denken, so viel krankes Verhalten …
Warum ist das so? Haben diese Flammen der Zerstörung, auch wo sie politisch, sozial und wirtschaftlich längst strukturell und zum System geworden sind, nicht ihren Ursprung in den Menschen selbst, in ihren Seelen? „Von innen, aus dem Herzen der Menschen“, so hast du selbst gesagt, „kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft“ (Mk 7,21-22). Heute wird das durch Psychologie, Evolutionsbiologie und Hirnforschung überzeugend und eindrucksvoll bestätigt. Und wenn dem so ist, muss dann nicht Veränderung in den Seelen beginnen? Muss dann nicht genau dort, in den Seelen der Menschen, am Brandherd allen Unheils und aller Zerstörung, etwas getan werden? – Aber was?


Reinhard Körner in seinem Buch Zu dir gesagt, Jesus

 

Gott, nimm Wohnung in meinem weiten Herzen (Psalm 98)

Mein Herz, Gott, ich singe –

und ich mache singend mein Herz weit,

damit frischer Wind hereinkommt

und den Trauerstaub fortbläst,

damit Licht hereinfällt

und die dunkle Mutlosigkeit vertreibt.

Weit, ganz weit mache ich mein Herz

und meine Seele und meine Sinne,

damit ich dich singen höre,

damit ich fühle,

wie du schwingst und tanzt in mir.

Gott, nimm Wohnung in meinem weiten Herzen,

richte dich ein

und breite dich aus,

und mach es dir gemütlich in meinem Herzen

und mach mich hell und frei.

 

Thomas Weiss
in dem Buch von Georg Schwikart du hörst mich Die Psalmen in neuen Worten

Sie sind eingeladen, den Tisch des inneren Menschen mit zu decken. Reichen Sie Ihre Beiträge bitte über meine E-Mailadresse ein.

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