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Bistum Dresden Meissen

Proviant für den Tag

Nahrung für die Seele

Die Seele wohnt dem Menschen inne, sie prägt seine Einmaligkeit. Ganz verschieden hören sich ihre Melodien an. Manchmal eher tragend, manchmal schwungvoll und energiegeladen. Manchmal ist nur ein leiser, fast stiller Klang zu vernehmen. Fast lässt sich dieser Klang überhören.


Spirituelle Impulse, Gebete und Meditationen können den Dialog mit der Seele anbahnen. In der Mitte seiner selbst berührt zu werden, ist nicht planbar, nicht machbar. Mögen sich die täglichen Impulse hin und wieder als gutes Weggeleit erweisen, durch das der Tisch des Inneren Menschen nahrhaft gedeckt wird.

 

 

Der Geist, der lebendig macht

Wie oft hat er uns verlassen,

 der Heilige Geist,

das heißt eigentlich,

wir haben ihn verlassen;

wie oft hat er es uns schwer gemacht,

das heißt, wir haben es ihm schwer gemacht,

und es gibt ja auch Tage bei uns,

wo wir ihn uns jedesmal aufs neue erfühlen müssen

und glücklich sind,

wenn das Schwere plötzlich in uns abfällt und der

Geist

hier in uns und bei uns ist und Probleme sich aus dem

Staub machen und die Menschen wieder

anfangen zu lächeln.

Gott ist leicht,

Gott ist nicht schwer,

Gott ist schwierig, ist kompliziert, ist hochdifferenziert,

aber nicht schwer.

Gott ist das Lachen, nicht das Gelächter,

Gott ist die Freude, nicht die Schadenfreude,

das Vertrauen, nicht das Mißtrauen,

er gab uns den Sohn um uns zu ertragen

und er schickt seit Jahrtausenden den Heiligen Geist in

die Welt

daß wir zuversichtlich sind

daß wir uns freuen

daß wir aufrecht gehen ohne Hochmut

daß wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken

und im Namen Gottes Kinder sind in allen Teilen der

Welt

eins und einig sind

und Phantasten des Herrn werden

von zartem Gemüt

von fassungsloser Großzügigkeit

und von leichtem Geist

Ich zum Beispiel möchte immer Virtuose sein

was den Heiligen Geist betrifft

so wahr mir Gott helfe.

Amen

 

Hanns Dieter Hüsch in seinem Buch Das Schwere leicht gesagt

Heiliger Geist

Reines Gottesgeschenk

Innewohnende Gegenwart

Erinnerer an das Geheimnis

Überwinder der Kluft

Göttliche DNA

 

Richard Rohr in dem Buch Der göttliche Tanz   Wie uns ein Leben im Einklang mit dem dreieinigen Gott zutiefst verändern kann

Der du unser Leben im Blick hast

Wende du das Schicksal der Beladenen und Verfolgten.

Verstöre du das Denken und Trachten der Selbstgerechten.

Erhelle du die Wege derer, die im Dunkel unterwegs sind.

Sei du der Trost derer, die ohne erkennbaren Ausweg sind.

Erhebe du, die Erniedrigten und Kleingemachten aus dem Staub.

Sei du die Orientierung für die durch die Wirrnisse des Lebens aus der Bahn Geworfenen.

 

Norbert Mothes

Zeige mir, Herr, deine Wege (Psalm 25)

Zeige mir, Herr, deine Wege, lehre mich deine Pfade!

Die Demütigen leitet er nach seinem Recht, die Gebeugten lehrt er seinen Weg.

Alle Pfade des Herrn sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Gebote bewahren.

Der Rat des Herrn steht denen offen, die ihn fürchten, er weiht sie ein in seinen Bund.

Meine Augen schauen stets auf den Herrn; denn er befreit meine Füße aus dem Netz.

Verse 4, 9, 10, 14 und 15

 

das Leben bewandern

das Leben ergreifen

sich vom Leben ergreifen lassen

das Leben bewandern

sich die Wege des Lebens zeigen lassen

den Text des Lebens lesen lernen

sich ins Leben einschreiben

sich vom Leben tragen lassen

dem Leben standhalten

 

Norbert Mothes

 

Ich erhebe meine Seele (Psalm 25)

Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich. Lass mich nicht zuschanden werden, lass meine Feinde nicht triumphieren! Es wird ja niemand, der auf dich hofft, zuschanden; zuschanden wird, wer dir schnöde die Treue bricht.

Verse 1-3

 

Die „Seele“ verstand man als Quelle des Lebens in einem Menschen, von der Leben und Lebendigkeit ausgehen. „Die Seele erheben“ bringt all das vor Gott, was einem Menschen Leben spendet, was das eigene Dasein belebt und Lebendigkeit fördert.

Gregory Polan in seinem Buch Die Psalmen  Impulse zu den ältesten Gebet der Bibel

 

Mit der Seele auf Du und Du

Sie wohnt dem Menschen inne, sie prägt seine Einmaligkeit, jedoch zu greifen ist sie nicht. Wenn sie im Menschen tanzt, fühlt er sich lebendig. Diese Lebendigkeit fühlt sich recht unterschiedlich an. Ihr Tanzen kann in einem Menschen Begeisterung wecken. Ihr Tanz kann ihn pures Glück spüren lassen. Lebendig ist die Seele auch, wenn sie singt. Ganz verschieden hören sich ihre Melodien an. Manchmal eher tragend, manchmal schwungvoll und energiegeladen. Manchmal ist nur ein leiser, fast stiller Klang zu vernehmen. Fast lässt sich dieser Klang überhören. Weil die Seele weder greifbar noch sichtbar ist, gerät sie nicht selten ins Hintertreffen. Es scheint, als wäre sie dann eher der passive Beobachter. Wohl fühlt sie sich nicht in dieser Rolle. Lieber wäre sie auf Du und Du mit dem Menschen, der sie in sich trägt. Dabei möchte sie uns hineinführen mitten in das Leben und das, was es umfängt.

Norbert Mothes

Zur Freude berufen

Freude

eine Lebenswirklichkeit

bedingungsloses Geschenk

heilende und aufbauende Kraft

Freude

durchdringt auch dunkle Wolkenschichten

durchbricht Trauer

und gedrückte Stimmung

Freude

dehnt sich aus

manchmal ganz unvermutet

wie ein Blitz

ein Lichtstrahl

Freude

ist Wachstum

macht weit

wirkt ansteckend

will sich verschenken

fließt hin zum Nächsten

kommt zu mir zurück

befreit von Isolation

Freude

lehrt das Leben lieben

es als beschwingt zu erfahren

vielleicht sind es nur Augenblicke

Minuten

kleinste Spuren

ich will versuchen

den Glanz auf allen Dingen zu erkennen

die Freude wahrzunehmen

denn

Du

Herr

hast uns zur Freude berufen.

 

Cornelia Napierski

 

Vom Wie und vom Was (2)

Wie Christus, wie im Himmel, wie der Vater. Dieses Wie entfacht das Feuer und führt uns zu innersten Kern. Beten heißt, dieses Feuer in allem wiederfinden. Es lässt uns mit seinen Augen sehen, mit seiner Liebe handeln. Es öffnet unseren kleinen Horizont und bricht die Mauern auf, damit etwas von seinem Licht auf diese Welt fällt.

Das Wie bestimmt das Leben: welchen Lebensstil ich pflege, mit welcher Leidenschaft ich lebe, mit welcher Tiefe, mit welcher Freude, mit wie viel Himmel!

Das Leben liegt nicht in dem, was wir tun, sondern in dem, wie wir es tun. Und daran hängt auch unser Beten: Wahr und echt ist es, wenn wir „in ihm bleiben“ und am Himmel Maß nehmen fürs Leben auf Erden: „Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch einen Lebenswandel führen, wie er ihn geführt hat.“

Das Wie ist wichtiger als das Was. Es kommt nichtdarauf an, wie viel wir arbeiten und leisten, sondern wie wir es tun. Es zählt nicht, welchen Beruf wir ausüben, auch nicht die jeweilige Berufung: ob jemand Lehrer/in ist oder Koch bzw. Köchin, ob er als Ordenschrist in einem Kloster lebt oder Angestellter in einem Büro ist. Was wir tun oder machen, ist nicht entscheidend, sondern das Wie.

 

Ermes Ronchi in seinem Buch Beten ist menschlich  Variationen über ein Grundbedürfnis

Sie sind eingeladen, den Tisch des inneren Menschen mit zu decken. Reichen Sie Ihre Beiträge bitte über meine E-Mailadresse ein.

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