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Bistum Dresden Meissen

Proviant für den Tag

Nahrung für die Seele

Die Seele wohnt dem Menschen inne, sie prägt seine Einmaligkeit. Ganz verschieden hören sich ihre Melodien an. Manchmal eher tragend, manchmal schwungvoll und energiegeladen. Manchmal ist nur ein leiser, fast stiller Klang zu vernehmen. Fast lässt sich dieser Klang überhören.


Spirituelle Impulse, Gebete und Meditationen können den Dialog mit der Seele anbahnen. In der Mitte seiner selbst berührt zu werden, ist nicht planbar, nicht machbar. Mögen sich die täglichen Impulse hin und wieder als gutes Weggeleit erweisen, durch das der Tisch des Inneren Menschen nahrhaft gedeckt wird.

 

 

Seinen Glauben an Jesus Christus festmachen

Was bedeutet Erlösung? Der Apostel Paulus sagt, dass wir durch Tod und Auferstehung Jesus Christi von Gott gerechtfertigt sind (Röm 3,21-26 und Gal 2,16; 5,5-6). Das heißt, dass wir keine Sorge darum haben müssen, wie wir vor Gott dastehen. Ich muss mich nicht vor ihm rechtfertigen, mich bei ihm nicht selbst beliebt machen, sondern bin von ihm aus Liebe gerechtfertigt, nicht durch Leistung. Ich habe Ansehen, weil es mich gibt, und nicht, weil ich gut und fromm bin: Gott sieht mich, wie er Christus sieht. Er hat mich befreit – von der Last der Religion, von der alten Angst, nicht zu genügen oder mir den Himmel selbst verdienen zu müssen.

Der religiöse Mensch will sich vor Gott irgendwie absichern, der gläubige vertraut darauf, dass ihm in Jesus Christus die letzte Sicherheit längst geschenkt ist, und zwar nicht, weil er es verdient hätte, sondern einfach so, aus Liebe. Ich muss also nichts dafür tun, dass Gott mich lieben kann, was wäre das auch für ein Gott. Aber wenn ich es begriffen habe, werde ich anders glauben, beten handeln. Wer seinen Glauben ganz und gar an Jesus Christus festmacht, der ist in diesem Sinne gläubig, erlöst und befreit. Christsein bedeutet, sich um Christi willen von Gott lieben zu lassen – nicht mehr und nicht weniger.

Stefan Jürgens in seinem Buch Fromme Gefühle sind nicht genug – Warum Glauben erwachsen werden muss

Der Geist, der lebendig macht

Wie oft hat er uns verlassen,

der Heilige Geist,

das heißt eigentlich,

wir haben ihn verlassen;

wie oft hat er es uns schwer gemacht,

das heißt, wir haben es ihm schwer gemacht,

und es gibt ja auch Tage bei uns,

wo wir ihn uns jedesmal aufs neue erfühlen müssen

und glücklich sind,

wenn das Schwere plötzlich in uns abfällt und der

Geist

hier in uns und bei uns ist und Probleme sich aus dem

Staub machen und die Menschen wieder

anfangen zu lächeln.

Gott ist leicht,

Gott ist nicht schwer,

Gott ist schwierig, ist kompliziert, ist hochdifferenziert,

aber nicht schwer.

Gott ist das Lachen, nicht das Gelächter,

Gott ist die Freude, nicht die Schadenfreude,

das Vertrauen, nicht das Mißtrauen,

er gab uns den Sohn um uns zu ertragen

und er schickt seit Jahrtausenden den Heiligen Geist in

die Welt

daß wir zuversichtlich sind

daß wir uns freuen

daß wir aufrecht gehen ohne Hochmut

daß wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken

und im Namen Gottes Kinder sind in allen Teilen der

Welt

eins und einig sind

und Phantasten des Herrn werden

von zartem Gemüt

von fassungsloser Großzügigkeit

und von leichtem Geist

 

Ich zum Beispiel möchte immer Virtuose sein

was den Heiligen Geist betrifft

so wahr mir Gott helfe.

Amen

 

Hanns Dieter Hüsch in seinem Buch Das Schwere leicht gesagt

Zum Herrn gehörig

Es kommt darauf an, ob Menschen in der Beziehung zu Jesus Christus einen Halt finden, der sie trägt und den sie gemeinsam mit anderen bekennen und leben. Dies soll mit einem Bild aus der Geschichte der Evolution verdeutlicht werden. Im Lauf der Entwicklung haben sich verschiedene Strategien herausgebildet, mit denen sich Lebewesen tragende Strukturen geben. So haben sich beispielsweise Schalentiere wie Schnecken oder Muscheln entwickelt, die sich mit einem harten Panzer umhüllen. Dieser schützt das weiche Innere, aber er macht die Tiere auch schwerfällig. Eine völlig andere Strategie findet sich bei den Wirbeltieren. Sie haben die stützende Struktur in ihr Inneres gelegt. Das Skelett gibt ihnen innerlich Halt – und erlaubt ihnen zugleich große Beweglichkeit.

Diese Strategien können zum Bild für die Kirche werden: Wenn der äußere Rahmen keinen Halt mehr bietet, muss dann nicht auf den Aufbau eines Skelettes, eines inneren Haltes geachtet werden? Die traditionellen, kulturellen und gesellschaftlich vergebenen Bindungen an die Kirche zerfallen. Die einzige Verbindlichkeit, die Bestand haben wird, ist die innere Bindung, nämlich das Rückgrat der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus.

Andreas Knapp in seinem Buch Vom Segen der Zerbrechlichkeit – Grundworte der Eucharistie

Der Gegenwart Gottes auf die Spur kommen

Das Mitsein Gottes auf unseren Lebenswegen gibt sich zu erkennen als innerer Impuls, als einleuchtende Deutung des Alltäglichen, als Erfahrung des Getröstet- und Getragenseins im Alltag…

Die Wolkensäule bzw. die Feuersäule sind Symbolbilder, die für das Mitsein Gottes auf unseren Lebenswegen stehen:
Die erfahrene Führung durch Gott wird in der Erzählung vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten durch zwei besondere Erscheinungen verbalisiert: Tag und Nacht weisen eine Wolkensäule und eine Feuersäule den Weg. Letztlich wird zur Sprache gebracht, dass sich die Gruppe derer, die in der Wüste unterwegs ist, als von Gott geführt, beschützt und begleitet erfährt.

Jahwe zog vor ihnen her, um ihnen den Weg zu zeigen. Tagsüber führte er sie in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht weiterziehen. Tagsüber sahen sie die Wolkensäule vor sich, nachts die Feuersäule.
Gen 13,21-22

 

Norbert Mothes

„Heilig, heilig, heilig …“

Zu bekunden, dass Gott Vater ist, dass Gott der Heilige ist, gehört zu den wesentlichen Aufgaben einer christlichen Gemeinschaft.

Die Kirche singt in der Liturgie: „Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.“ Gott ist der Heilige, das neue Sein, der ganz Andere, uns nahe gekommen, damit wir anders, damit wir „neu“ werden.

Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit …“: Nicht zu zählen sind die Zeichen Gottes für den, der offene Augen hat. Dieser Gott ist sich nicht zu schade, hinabzusteigen und uns in den unscheinbarsten Dingen zu begegnen, und das lässt unsere Sehnsucht nach ihm umso stärker werden.

Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“: Gepriesen sei er, weil er zu uns kommt und bei uns anklopft. Sein Name ist „Befreier“, „Tröster“. Er allein vermag, was die Erde aus sich nicht hervorbringt: die Heiligung der Menschen, die Heiligung des Alls.

Die erste Vaterunser-Bitte, Geheiligt werde dein Name!, stellt uns das Bild eines ganz nahen und zugleich fernen Gottes vor Augen, der so ganz anders ist als wir und doch ganz bei uns ist.

Wenn wir einstimmen in diese Bitte, geben wir einer tiefen Sehnsucht eine Stimme: der Sehnsucht nach Transparenz, nach Klarheit, nach Heiligkeit, nach Befreiung, nach Beziehung. Als ungeduldig Suchende sprechen wir diese Bitte aus, als Menschen, die nie aufhören, nach dem NAMEN dieses Vaters zu suchen. Wir sprechen sie aus als Menschen, die ihrerseits wenigstens wie ein kleiner Funke von ihm, dem Befreiergott, sein möchten, um zumindest ein kleines Fragment seiner Heiligkeit in die Welt zu tragen.

Vater, du bist heilig als der ganz Andere.
Schaffe du in uns und um uns eine Situation,
in der deine Heiligkeit aufscheint,
deine befreiende Nähe, die Beziehung schafft:
eine schöpferische Nähe
im Zeichen der Freiheit und des Bundes.

 

Ermes Ronchi in seinem Buch Vater unser im Himmel – Neue Zugänge

Neue Lieder (Psalm 33)

Neue Lieder sollen wir singen,

feiern das Fest der Befreiung.

Gute Worte sollen wir finden,

feiern das Fest der Erlösung.

Gelöste Tänze sollen wir tanzen,

feiern das Fest der Errettung.

Der Herr, unser Gott,

hat an seinen Kindern Gefallen gefunden;

denn sie stehen auf der Seite der Unterdrückten.

Der Herr, unser Gott,

hat an euch Gefallen gefunden,

denn ihr sorgt für eine menschlichere Zukunft.

Lobt den Herrn von den Enden der Erde,

lobt ihn aus eurer Einsamkeit,

lobt ihn aus eurer Ohnmacht,

lobt ihn aus eurer Freude.

Lobt ihn aus eurer überschwänglichen Liebe,

lobt Gott, den Herrn,

von der Erde bis in den Himmel,

denn er ist ein Mensch geworden

und zu uns hinabgestiegen,

heruntergekommen zu uns,

damit die Finsternis hell werde.

Lobt Gott in der Dunkelheit

mit euren kleinen und großen Lichtern

in der Welt.

Lobt ihn mit den alten Klängen

und neuen Tönen,

lobt ihn, mit allem, was ihr seid.

 

Hanns Dieter Hüsch in dem Buch Ich stehe unter Gottes Schutz – Psalmen für Alletage

 

Geliebt lieben (3)

Aber so von Gott geliebt sein, ist alles andere als ein Ruhekissen. Erst recht ist Gottes Liebe kein Freibrief, tun und lassen zu können, was einem gerade passt. Wer das denkt – oder es gar als Argument gegen die heute wiedererwachte Sicht vom „vorleistungsfrei“ liebenden Gott ins Feld führt - , weiß wohl nicht, was Liebe ist.

Liebe will beantwortet sein. Mehr noch: Liebe, so sie angenommen wird und wirklich „angekommen“ ist, drängt den Geliebten dazu, auch selbst zu lieben. Sich als geliebt erfahren, weckt die eigene Liebesfähigkeit auf! „Liebe Brüder, liebe Schwestern“, schreibt der Autor des Ersten Johannesbriefes, „wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.“ (1 Jo 4,11)

Das ist auch einem Theologen wie Eugen Biser (1918-2014), der das Gottes- und Menschenbild Jesu entschieden wie kaum ein anderer herausgearbeitet und unserer Zeit wieder in Erinnerung gebracht hat, ganz und gar bewusst. Dem verbreiteten Geschwätz, ein solches Gottesbild sei einseitig und führe zum Leben mit einem „Kuschelgott“, hält er entgegen: „Das Herz Gottes ist Liebe – und nichts außer dem. Das aber ist kein Gott, der alles hinnimmt und auf sich beruhen lässt, sondern der Gott der denkbar größten Herausforderung, der vom Menschen erwartet, was er ihm gibt: Liebe aus ganzem Herzen, ganzem Gemüt, ganzer Geistes- und Wesenskraft.“

Gott die Liebe glauben, die er zu mir hat, mich geliebt wissen von Gott, das ist das eine. Und lieben, die Liebesfähigkeit aktivieren, die er in mich hineingelegt hat, das ist das andere. Beides gehört zusammen. Und das eine bedingt das andere nicht: Weder müssen wir lieben, um von Gott geliebt zu werden, noch werden wir von ihm geliebt, um lieben zu müssen. Die Botschaft Jesu stellt weder Bedingungen, noch ist sie ein moralisierender oder gar mit Sanktionen drohender Imperativ. Sie ist vielmehr Offenbarung: Sie öffnet uns die Augen für die Wirklichkeit. Sie zeigt uns, wer der Mensch – jeder Mensch – in Wahrheit ist: ein von Gott Geliebter, der zu lieben fähig ist.

Geliebt lieben: das ist, auf den Punkt gebracht, der Kern der christlichen Art. das Leben zu leben. Es ist der Kern der christlichen Art, Mensch zu sein – und es immer mehr zu werden.

Reinhard Körner in seinem Buch Christ sein auf den Punkt gebracht

Sie sind eingeladen, den Tisch des inneren Menschen mit zu decken. Reichen Sie Ihre Beiträge bitte über meine E-Mailadresse ein.

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