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Bistum Dresden Meissen

Sonntagsworte

14. Sonntag im Jahreskreis

am 5. Juli 2020

 

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt (Mt 11,28).

In der heutigen 1. Lesung – Sach 9,9f – sieht der Prophet den Messias als Vertreter der Armen und Bedrückten, der eine friedliche, sozial gerechte Herrschaft aufrichten will. Darum ruft der Prophet Sacharja in unserer Lesung: Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem!
Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft;
er ist demütig und reitet auf einem Esel (Sach 9,9).

Jesus will als der Messias diese Verheißung erfüllen und setzt dafür in Jerusalem ein Zeichen. Darauf warteten die Jünger schon lange und gestalten dieses prophetische Zeichen, zu dem Sacharja anregt, mit. Davon hören wir jedes Jahr am Palmsonntag. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und ER setzte sich darauf (Mt 21,7).

Begeisterung ergreift die Leute, die dieses Zeichen recht gut verstanden.

Eine große Hoffnung wurde in den Menschen lebendig, die sich bei Jesu Einzug in Jerusalem bei den Jüngern und beim Volk Bahn brach…

Ein solcher Mann wurde zu allen Zeiten erwartet – auch heute.

Noch immer herrschen in unserer Welt für die meisten Menschen Armut und soziale Ungerechtigkeit, die einen wahren Frieden nicht zulassen.
Davon hören wir täglich in den Medien.

Doch Jesus von Nazareth ist viel mehr als ein Sozialreformer mit günstigen Lösungen. Er will das Reich Gottes unter uns errichten und erfahrbar machen, wobei wir mitwirken sollen.

Im heutigen Evangelium bekennt sich Jesus zu diesem Programm:

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

Ja, Vater, so hat es dir gefallen (Mt 11,25f).

Jesus versteht das Handeln des Vaters und verweist auf seine geheimnisvolle Nähe zu ihm:

Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will (Mt 11,27).

Nun lädt Jesus – ganz in der Nähe Gottes – die Geplagten zu sich ein, um nach Gottes Willen an ihnen zu handeln:

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen (Mt 11,28).

Er will die Verheißungen der Propheten erfüllen.

Schon Jeremias verkündete im Namen Jahwes: Ja, ich labe den Ermatteten und sättige den Verschmachtenden (Jer 31,25).

Bei diesen Heilungsprozessen soll der Mensch in seiner Freiheit mitwirken:

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele (Mt 11,29).        

Die Menschen aber verweigern sich, wenn es ungemütlich wird. Zu denen gehören wir alle ja wohl auch. Diese Verweigerung hat schon Jesaia beklagt:

Er hatte verkündet: So findet ihr Ruhe; gönnt doch den Müden die Rast,
hier ist der Ort der Erholung. Sie aber wollten nicht hören
(Jes 28,12).

Jesus will es uns leichter machen. Er nimmt alle Schuld auf sich und macht uns Mut: Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht (Mt 11,30) – und das ist nicht nur eine hilflose Redeweise. Er nahm das Schwerste – unsere Sündenlast – auf sich.

Wir sollten uns öffnen – mitgehen und mittragen an diesem Heilsprozess, den Jesus für uns in Gang setzt und auf sich nimmt.

Er fordert uns auf: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Mt 16,24).

Folgen wir ihm – trotz Frustration und feigem Versagen, trotz Angst und Verrat, trotz Ablehnung und Hass, Kreuz und Tod – bis zur Auferstehung, denn: Er ist für uns der Weg geworden aus allem heraus, was uns gefangen nimmt, was uns bedrängt, was uns hindert zu reifen und zu werden, was wir sein könnten. Er ist unser Ausweg, er ist die Tür zum ewigen Leben – die Unruhe, die dafür sorgt, dass unsere Uhren richtig gehen. Er ist das lebendige Brot für unser Leben, der kostbare Wein gegen allen Essig, der uns ja immer wieder gereicht wird.

Ja, um seinetwillen preisen wir dich, verborgener Gott,
um seinetwillen glauben wir an dich gegen alle Zweifel, die uns kommen,
weil er dich bis aufs Blut glaubhaft verkündete – nicht mit halbem Herzen und leeren Worten, sondern mit Worten, die Fleisch und Blut annahmen,
mit Worten, die Hand und Fuß haben,
mit Worten, die zu Brot wurden,
mit Worten, die unsere Welt verwandeln können.                          

Amen.

 

Vgl. Wilhelm Willms, Der geerdete Himmel, Butzon & Bercker 1981, 2/4

Pfarrer Joachim Scholz

Pfarrer Joachim Scholz; 
Foto: Bistum Dresden-Meißen Pfarrer Joachim Scholz; Foto: Bistum Dresden-Meißen

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