Treffen ehemaliger Kapellknaben: "Freundschaften, die fürs Leben halten"
Mehr als 100 Sänger reisen aus ganz Deutschland nach Dresden und feiern ein Wiedersehen - teilweise nach Jahrzehnten
Dresden. Alt-Bischöfe treffen auf Alt-Kapellknaben: Die emeritierten Bischöfe Heinrich Timmerevers und Joachim Reinelt feierten gemeinsam mit rund 100 ehemaligen Dresdner Kapellknaben am Samstag in der Kathedrale ein außergewöhnliches Abendlob. Der Ehemaligen-Chor sorgte gemeinsam mit dem aktuellen Konzertchor für einen Klang, wie man ihn nur sehr selten hören kann. "Es war überwältigend", sagte anschließend Domkapellmeister Christian J. Bonath, der dieses Amt vor vier Jahren angetreten hatte und zum ersten Mal bei einem Ehemaligentreffen dirigierte. "Vor Auftritten sind wir Musiker oft gar nicht mehr so aufgeregt, weil man ja weiß, was kommt. Das war heute anders. Es hat mich sehr berührt."
Die ehemaligen Kapellknaben hatten vorher nur kurz für diesen Auftritt geprobt, mehr war nicht nötig. Auch viele Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Knabenchor saßen Töne und Tempo. Nach der Vesper wurde auf dem Gelände des Kapellknabeninstitutes (KKI) in der Wittenberger Straße, in das der Chor vor 70 Jahren gezogen war, weiter gefeiert. Bei Rundgängen durch das Haus sahen viele ihre einstigen Internatszimmer zum ersten Mal wieder. Zudem wurde am Samstag eine kleine Ausstellung im KKI eröffnet, die einen Streifzug durch die mehr als 300-jährige Geschichte des Chores bietet.
Bischof Heinrich, dessen Rücktrittswunsch Papst Leo erst vor wenigen Wochen nachgekommen war, wurde im Rahmen des Ehemaligentreffens zum Ehren-Kapellknaben ernannt. Chorleiter Bonath würdigte die Verdienste des Bischofs, er habe sich immer für die Kapellknaben eingesetzt. Der sichtlich gerührte Altbischof erinnerte daran, "was für ein Diamant und was für ein Geschenk die Kapellknaben für uns alle sind".
Der Domkapellmeister unterstrich, dass die gemeinsame Freude am Musizieren und Singen die Basis sei für "Freundschaften, die fürs Leben halten. Kapellknabe sein, bedeutet, zu einer großen Gemeinschaft zu gehören. Ich habe heute ein wenig von dem gespürt, was die Geschichte dieses Chores ausmacht. Und diese Geschichte tragen wir weiter."