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Auf dem WISMUT-Gelände nahe Zwickau kamen Christinnen und Christen zum "Tag der Schöpfung" zusammen. © Michael Baudisch
06. September 2026

„Zurück ins Paradies?“ – Zwickauer Kirchen feierten Tag der Schöpfung auf WISMUT-Gelände

am Sonntag, 6. September, in ökumenischer Gemeinschaft

Zwickau-Hartmannsdorf. Ein Sonntagvormittag, weit außerhalb des Stadtzentrums von Zwickau. Die Sonne scheint, es sind angenehme 17 Grad an diesem Vormittag. Stefan und Barbara Siegel von der evangelischen Stadtkirchgemeinde steigen von ihren Fahrrädern. Ringsum wellt sich das Land sanft unter grünen Wiesen und Wäldern. Ein paar kleine Seen spiegeln den Wolkenhimmel. Doch nebenan liegt eine große Industrie-Anlage, die auf den ersten Blick fehl am Platz zu sein scheint. Doch das Gelände hat eine besondere Geschichte. Und das Ehepaar Siegel ist heute hier, um am „Ökumenischen Tag der Schöpfung“ der christlichen Kirchen der Stadt Zwickau teilzunehmen.

Vor Jahrzehnten stand an dieser Stelle das Dorf Helmsdorf im damaligen Kreis Zwickau-Land. 1958 wurde der Ort zwangsausgesiedelt, anschließend fast vollständig abgerissen. Die WISMUT errichtete stattdessen ein Becken für Rückstände aus der Uranproduktion. Es entstanden die industriellen Absetzanlagen (IAA) Helmsdorf und Dänkritz. Ein Gebiet, das die Verantwortungsträger seinerzeit gerne vor allzu neugierigen Blicken abschirmen wollten. „Wenn Sie vor 40 Jahren hier fotografiert hätten, wäre die Polizei noch vor Ihnen zuhause bei Ihnen gewesen“, meint Stefan Siegel zu dem Reporter an diesem Tag. 

Ein Ort mit besonderer Geschichte

Auf der Bühne lässt der Zwickauer Pfarrer Gregor bei der Dialogpredigt mit seiner evangelischen Amtskollegin den Blick ebenfalls ins Umland schweifen. „Toll sieht es hier aus“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „nahezu blühende Landschaften.“ Doch der erste Blick trüge. „Die Abfälle sind immer noch da. Professionell gesichert. Aber eben immer noch da.“

Doch die Zeiten haben sich geändert. Seit vielen Jahren wird der Ort aufwendig saniert wird. Etliche der gravierenden Eingriffe konnten durch eine seit Jahrzehnten andauernde Sanierung und Renaturierung behoben werden. Sie haben die Landschaft verändert und neue Lebensräume entstehen lassen. Und bieten an diesem Tag den außergewöhnlichen Rahmen für den Gottesdienst unter dem Motto „Zurück ins Paradies?“. Gemeinsam wollen die Christen der Region vor Ort darüber nachdenken, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt gelingen kann und welche Schritte wir als Gesellschaft und als Einzelne gehen können.

Bei den Verantwortlichen der WISMUT stießen die Organisatoren dabei auf offene Türen, berichtet Silvia Fialova, die als „Projektmitarbeiterin Engagemententwicklung“ der Pfarrei Zwickau den Tag mit vorbereitet hat. Bereitwillig stellte die WISMUT das Gelände für den Gottesdienst und weitere Rahmenbedingungen bereit und brachte sich auch in das Programm aktiv ein.

Gottesdienst, Podium und Mitmachangebote

Der „Ökumenische Tag der Schöpfung“ wird in Deutschland jährlich am ersten Freitag im September begangen. Nachdem das Stadtfest Zwickau und damit auch der traditionelle gemeinsame Gottesdienst zu diesem Anlass in diesem Jahr ins Wasser gefallen war, verlegten die christlichen Partner vor Ort die Feier kurzerhand auf diesen Termin. Und gestalteten gemeinsam ein vielfältiges Programm rund um Renaturierung, Nachhaltigkeit und Verantwortung, mit Führungen über das Gelände, Diskussionsrunden über Umwelt- und Naturschutz, Renaturierung und nachhaltige Entwicklung. Rund 500 Gäste sind gekommen.

Den Auftakt des Tages bildete ein Gottesdienst unter freiem Himmel, dazu groovte eine Band; parallel fand ein Kindergottesdienst statt. Im weiteren Verlauf des Tages erwarteten die Gäste Podiumsgespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Kirche und Industrie. Auch die Zwickauer Oberbürgermeisterin Constance Arndt sitzt heute mit auf dem Podium. Informations- und Mitmachstände bieten derweil Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Aspekten des Umwelt- und Naturschutzes auseinanderzusetzen. Bei Exkursionen über das Gelände können die Besucherinnen und Besucher die Besonderheiten des ehemaligen Bergbauareals und die Entwicklung der Landschaft unmittelbar erleben. Und auch für die Kinder gibt es Angebote zum Entdecken, Ausprobieren und Mitmachen, während Verpflegungsstände den Rahmen für das leibliche Wohl und Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch bieten.

Und auch der katholische Geistliche und seine evangelische Amtskollegin belassen es bei ihrer Predigt nicht beim Theologisch-Theoretischen. Der Versuchung, mit Blick auf den Umweltschutz einfach zu sagen, „ich kann da doch nichts machen“, halten die beiden die biblische Zusage entgegen: „Lass dich nicht entmutigen.“ Und laden die Gottesdienst-Gäste gleich zum konkreten Austausch ein: In jedem Programmheft ist eine unterschiedliche Aufgabe für das kommende Jahr abgedruckt. Die Bandbreite reicht dabei von „Benutze Mehrwegflaschen“ über „Lasse kaputte Geräte reparieren statt wegzuschmeißen“ bis hin zu „Senke die Temperatur Deiner Wohnung im Winter um 1-2 Grad“.

Der „Tag der Schöpfung“ in Zwickau – eine Gelegenheit, geistliche Impulse, ökumenische Gemeinschaft und konkrete Fragen des Umwelt- und Naturschutzes einmal miteinander zu verbinden.

Die Mitwirkenden des Tages im Einzelnen:

  • Predigt: Pfarrer Gregor Giele (Röm.-Kath. Pfarrei Heilige Familie) und Pfarrerin Insa Lautzas (Ev.-Luth. Stadtkirchgemeinde Zwickau)
  • Liturgie: Stefanie Hallmann (Ev.-meth. Kirche), Michael Schünke (Ev.-Luth. Versöhnungskirchgemeinde Planitz), Thomas Eichin (Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde – Baptisten – in Zwickau-Planitz)
  • Musik: Chor und Band unter der Leitung von Andreas Bayer (Röm.-Kath. Pfarrei Heilige Familie)

 


Text/Fotos: Michael Baudisch

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