Bistums-Caritasverband unterstützt weitere Verlegung und Pflege von "Stolpersteinen"
Heidenauer Entscheidung sei nicht nachvollziehbar
Heidenau/Dresden. Der Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen stellt sich entschieden gegen jede Form von Antisemitismus und bekräftigt seine Unterstützung für die weitere Verlegung und Pflege von „Stolpersteinen“. Sie erinnern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, deportiert und ermordet wurden und machen sichtbar, dass die Opfer nicht nur an weit entfernten Orten, sondern mitten in den Städten und Gemeinden lebten. Politische Entscheidungen wie zuletzt im sächsischen Heidenau, keine Stolpersteine mehr zu verlegen, seien deshalb nicht nachzuvollziehen.
Stolpersteine gehören zu den bekanntesten Formen dezentraler Erinnerungskultur in Deutschland und Europa. Sie erinnern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, deportiert und ermordet wurden und machen sichtbar, dass die Opfer nicht nur an weit entfernten Orten, sondern mitten in den Städten und Gemeinden lebten.
"Antisemitismus ist kein Problem der Vergangenheit. Er zeigt sich heute in unterschiedlichen Formen - in Beleidigungen, Verschwörungserzählungen, Hass im Internet, Angriffen auf jüdische Einrichtungen und dem Versuch, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen zu relativieren oder zu verdrängen", erklärt Caritas-Abteilungsleiterin Sozialpolitik Mechthild Gatter, die gleichzeitig Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Dresden-Meißen ist. "Als Wohlfahrtsverband tragen wir eine besondere Verantwortung. Unsere Arbeit steht für Menschenwürde, Solidarität und den Schutz derjenigen, die Ausgrenzung erfahren. Dazu gehört unmissverständlich auch der Kampf gegen Antisemitismus."
Stolpersteine geben den Opfern ihre Namen zurück
Stolpersteine werden vor den letzten freiwillig gewählten Wohnorten von Menschen verlegt, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Auf den Messingplatten stehen unter anderem die Namen, Geburtsdaten, Deportationsorte und - soweit bekannt - das Datum ihrer Ermordung oder ihres Todes. Die Caritas sieht darin eine wichtige Verbindung zwischen historischer Aufarbeitung und heutiger Zivilgesellschaft. Mechthild Gatter: "Sie erinnern nicht abstrakt an Millionen Menschen, sondern an konkrete Personen mit individuellen Lebensgeschichten: an Kinder, Eltern, Nachbarinnen und Nachbarn, Berufstätige, Schülerinnen und Schüler sowie an Menschen, die Teil ihrer jeweiligen Gemeinden waren."
"Wir akzeptieren nicht, dass jüdisches Leben erneut bedroht oder zum Gegenstand von Hass und Hetze wird", betont Mechthild Gatter. "Antisemitische Äußerungen sind keine bloßen Meinungen, wenn sie Menschen aufgrund ihrer jüdischen Identität abwerten." Die Caritas ruft auch die Bevölkerung dazu auf, Stolpersteine nicht nur als Teil des Straßenbildes wahrzunehmen, sondern als Orte des Gedenkens zu respektieren. Bürgerinnen und Bürger seien zudem eingeladen, sich an Gedenkveranstaltungen und lokalen Bildungsprojekten zu beteiligen. Kommunen und Land fordert der Verband auf, die Verlegung von Stolpersteinen zu erleichtern und Mittel für Erinnerungskultur und Antisemitismusprävention bereitzustellen.
as