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Bistum Dresden Meissen
Im Trubel der Papstbegeisterung: Jakob Hirschmann aus Dresden war beim Besuch des Heiligen Vaters in Frankreich dabei. © Jakob Hirschmann
09. Oktober 2026

Eine Kirche, die sich etwas zutraut: Meine Erlebnissen beim Papstbesuch in Paris

Der gebürtiger Dresdner Jakob Hirschmann erlebte den Besuch von Papst Leo in Frankreich aus nächster Nähe mit

Paris/Dresden. "Papst-Mania": So beschrieb ein deutscher Fernsehsender den Papstbesuch am letzten Septemberwochenende in Paris auf seinem Instagramkanal. 700.000 Menschen hatten sich entlang der Champs Élysées versammelt und dem vorbeifahrenden Papst zugejubelt. Am Abend zuvor hatten sich nördlich von Paris 80.000 Jugendliche im größten Stadion Frankreichs zum Gebet und zur Begegnung mit dem Heiligen Vater getroffen. Und ich, bei beidem, mittendrin. Was ich dort erlebt habe, möchte ich gerne hier schildern.

80.000 Jugendliche feiern ihren Glauben

Mein Name ist Jakob Hirschmann aus Dresden, Priesteramtskandidat des Bistums Dresden-Meißen, im fünften Semester des Magisters Theologie in Erfurt und studiere aktuell für zwei Semester (dank des neu aufgebauten Erasmus-Austauschs) am Institut catholique in Paris. Dass ich gleichzeitig mit diesem Weltereignis in Paris sein würde, hatte ich so nicht auf dem Schirm. Deshalb bin ich umso dankbarer, all das am eigenen Leib miterlebt zu haben. Am meisten begeistert hat es mich, die Menschen in ihrer Freude und in ihrem lebendig gelebten Glauben erleben zu dürfen. Es war schieres Glück, dass ich dabei sein konnte. Durch Zufall war ich an die sehr gut nachgefragten Tickets gekommen.

Am Freitagmorgen, dem Tag der Anreise, war die ganze Stadt für den Besuch gerüstet, mit Flatterband umspannt und Absperrungen zugestellt. Es gab kein vorbei an diesem Ereignis. Am Nachmittag fuhr der Papst mit dem Papamobil quer durch die Stadt. Bereits hierfür waren die Straßen vollkommen überfüllt, große Teile der Innenstadt waren abgeriegelt. Es gab kein Durchkommen.

Mehr als nur Jubel für den Papst

Am Abend machte ich mich dann auf den Weg zum Stade de France. Der Fußweg vom Zug zum Stadion war von der guten Stimmung der Jugendlichen geprägt. Im Stadion hatte ich einen Platz weit oben hinter der Bühne. Schon während des Vorprogramms war ich von der Atmosphäre begeistert. Voller Inbrunst schmetterte die ganze Schar in Liedern ihr Lob an Gott und wartete auf die Ankunft des Heiligen Vaters. Als er hereingefahren kam, brach Jubel aus.

„Leo“- Chöre wurden mehrmals angestimmt. Er saß und stand vorne, sichtlich berührt von dem Anblick, der sich vor ihm eröffnete. Eine Papst-Mania? Das Programm der Vigilfeier war liebevoll, theatralisch und vor allem sehr authentisch gestaltet. Neben mehreren Glaubenszeugnissen und den Ansprachen des Heiligen Vaters auf Französisch haben mich die Nacherzählung der Glaubensgeschichte Frankreichs mit verschiedenen Heiligenportraits sowie Feuerwerk als Finale und die gemeinsame Zeit des Gebets besonders bewegt. Der Abend ist mir in Gedanken geblieben. Dort habe ich gemerkt: Hier geht es um mehr, als nur darum, einem Mann in Weiß zuzuwinken; keineswegs um eine Papst-Mania.

Momente, die bleiben

Drei Momente bleiben für mich besonders prägnant in Erinnerung: 1. Die Art und Weise wie plötzlich alle aufschrien als Johanna von Orleans (Jeanne d’Arc), ihre Heilige, erwähnt wurde, machte mir deutlich, wie sehr den Jugendlichen an der Fürsprache der Heiligen zu liegen scheint. 2. Der Jubel der Menge, als sich ein Jugendlicher vorstellte. Er berichtete davon an welchen Orten er sich ins Leben der Kirche einbringt und wurde dabei von den Rufen der Jugendlichen unterstützt. Besonders sind mir aber seine Worte hängengeblieben: „Wir wollen uns engagieren! Wie können wir erkennen, WO der Herr auf uns wartet? Darauf, dass wir (ihm) dienen und (ihm) unser Leben schenken?“ 3. Das gemeinsame Gebet. Die Kraft mit der die Jugendlichen gemeinsam singend und sprechend gebetet haben sowie die Zeiten der absoluten Stille gemeinsam mit 80.000 Jugendlichen.

Besonders gerne denke ich dabei zurück an die Allerheiligenlitanei und das Salve Regina. Eine solche intensive Kraft, wie ich sie dort in dem Stadion erlabt habe, ist mir noch nie begegnet. Für Samstag stand die Messe um 15 Uhr auf der Champs Élysées an. Die Ankunft für spätestens 11 Uhr war dringend empfohlen worden. Als ich kurz nach 11 aus der Metrostation herausquoll, bot sich ein beeindruckender Anblick: Menschen, so weit das Auge reichte. Nach über einer Stunde des Anstehens hatte ich es gegen 12.30 Uhr die 50 Meter durch alle Kontrollen auf die Champs Elysée geschafft.

700.000 Menschen auf den Champs Élysées

Meine Hoffnung, möglichst nah an die Altarinsel auf dem Place de la Concorde zu gelangen, endete an einer aufgestellten Barriere, etwa 800 Meter von der Altarinsel auf dem Place de la Concorde entfernt. Trotzdem: Die Stimmung war ausgelassen. In Wellen brach Jubel aus, aus manchen Ecken hörte man dann und wann ein Lied. Auch für mich mit meiner Körpergröße (1,95m) wurde es zunehmend schwierig, außer Hinterköpfen etwas von meinem Umfeld zu sehen. Gegen 14 Uhr kam dann der Papst. Alles schrie und jubelte. Der Papst fuhr winkend und segnend vorbei, die Begeisterung ebbte ab und die Spannung fiel.

Das, aber auch nur das, was ich hier in den letzten 20 Minuten erlebt hatte: Das war die Papst Mania. Nachdem er vorbeigefahren war, gingen einige Besucher. Nun war es nicht mehr brechend voll, sondern „nur noch“ sehr voll. Entlang der gesamten Champs Elysée, 2 km lang, standen jetzt nur noch jene Menschen, die tatsächlich mit dem Papst Messe feiern wollten. Die sehr große, freudige und lebendige Gemeinschaft der Menschen, denen diese Messe scheinbar wichtig genug war, um unter diesen, objektiv betrachtet, unschönen Bedingungen (keine Sitzgelegenheit, eng, kein Schatten, kein Blickkontakt zum Altar) mehrere Stunden zu warten, hat auch mich durch diese Feier getragen.

„Aujourd’hui est jour de fête !“ – „Heute ist (ein) Festtag!“, das Eingangslied bringt die vorherrschende Stimmung gut zum Ausdruck. Dass der Heimweg nochmal abenteuerlich würde, war bei der Anzahl an Menschen zu erwarten. Am Ende habe ich es aber geschafft und kann jetzt glücklich und zufrieden auf dieses Papst-Wochenende zurückblicken. Was ist es also, das für mich hängen bleibt? Es ist die Frage, wie wir es in Deutschland schaffen, eine Kirche zu sein, die so lebendig, leichtfüßig, frei und fröhlich ist und dabei Gott verkündet und im Blick behält, in Worten wie in Werken.

Was Deutschland von Frankreich lernen kann

Die Kirche, die ich hier erlebt habe, schafft genau das: Ohne viele Privilegien und ohne viel Geld Christus zu verkünden, in Worten wie in Werken. Aber: Sie gönnt sich auch etwas. Sie gönnt sich Zeiten des gemeinsamen Gebetes. Sie weist auf ihre eigene Bedeutung und ihren eigenen Wert hin, ohne sich dabei abhängig zu machen davon, ob ihr diese Bedeutung oder dieser Wert zugesprochen wird, ob der Präsident da ist oder zu Hause bleibt. Und sie ist bereit zu investieren. Nicht bloß Geld. Aufwand, Zeit, Gedanken, Gebete. Dass die französische Hauptstadt zwei Tage lang außer Betrieb genommen wird für den Besuch des Papstes, halte ich für ein starkes Zeichen, dass der Glaube und die Verbundenheit miteinander einen Wert haben, auch wenn sicher nicht alle über diesen Besuch gejubelt haben. Dennoch glaube ich: Papst-Mania ist nicht die passende Beschreibung.

Ein Beitrag von Jakob Hirschmann

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