Erinnerung an Paul Stern: Stolperstein für den früheren Freund des Leipziger Oratoriums verlegt
am 6. Oktober. Oratorianer Pfarrer Thomas Bohne übergibt historische Klaviernoten.
Leipzig. Am 6. Oktober 2026 ist in Leipzig ein Stolperstein für den Schriftsteller und Übersetzer Paul Stern (1888-1944) verlegt worden. An der Gedenkveranstaltung in der Gustav-Mahler-Straße 19 nahmen unter anderem ein Enkel von Paul Stern sowie der Leipziger Oratorianer Thomas Bohne CO teil. Aus dem Archiv des Leipziger Oratoriums übergab Pfarrer Bohne dabei historische Klaviernoten mit einem Autograph von Paul Stern.
Paul Stern wurde am 10. Dezember 1888 in Köln geboren. Er studierte an den Universitäten Bonn, Freiburg und Leipzig Klassische Archäologie und Philosophie. Anschließend lebte er in Leipzig als Schriftsteller und Übersetzer. Stern stammte aus einer jüdischen Familie und wandte sich im Laufe seines Lebens dem christlichen Glauben zu. 1921 konvertierte er zum evangelisch-lutherischen Glauben und wurde am 8. April desselben Jahres in der Leipziger Peterskirche getauft. Taufpate war sein Freund, der Archäologe Hans Nachod. Im Juni 1938 verließ Stern die evangelische Kirche und konvertierte zum katholischen Glauben.
Unterstützung durch die Leipziger Oratorianer
Zu dieser Zeit wohnte Paul Stern in der Grassistraße 26. Nach der Pogromnacht im November 1938 musste er im sogenannten "Judenhaus" in der Humboldtstraße 10 in Leipzig leben. Von den Leipziger Oratorianern erhielt er in dieser Lebensphase Unterstütztung. Die Verbindung zum Leipziger Oratorium ist auch durch die nun übergebenen historischen Klaviernoten dokumentiert. Das mit einem Autograph versehene Dokument gibt einen persönlichen Einblick in das Leben des Schriftstellers und Übersetzers und ist zugleich ein Zeugnis seiner Verbindung zur katholischen Gemeinde in Leipzig.
Am 13. Januar 1944 wurde Paul Stern von Leipzig in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 28. Oktober 1944 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Paul Stern war verheiratet und hatte eine Tochter und einen Sohn. Beide Kinder überlebten den Holocaust.
Klaviernoten mit besonderem Wert
Der Stolperstein in der Gustav-Mahler-Straße erinnert heute an Paul Stern und gibt seinem Namen einen sichtbaren Ort des Gedenkens. Die Übergabe der Klaviernoten durch das Leipziger Oratorium trägt dazu bei, neben seinem Schicksal auch die persönliche Geschichte und die Verbindung zu den Menschen lebendig zu halten, die ihm in den Jahren der Verfolgung beistanden.
Nach seiner Unterbringung im Judenhaus hielt sich Paul Stern tagsüber im Leipziger Oratorium auf, studierte hier und spielte auch auf einem Konzertflügel, der bis heute in der Karl-Heine-Straße 110 steht; sein eigenes Klavier hatten Schergen des NS-Regimes während der Novemberpogrome 1938 aus dem Fenster seiner Wohnung geworfen.
MB