Papst Leo nimmt Amtsverzicht von Bischof Heinrich Timmerevers an
Dresdner Bischof macht den Weg frei, die Leitung des Bistums in jüngere Hände zu legen
Dresden. Papst Leo XIV. hat am heutigen Mittwoch, 2. September, um 12 Uhr den Amtsverzicht von Bischof Heinrich Timmerevers (74) als 50. Bischof von Dresden-Meißen angenommen. „Ich spüre, dass die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben in dieser Verantwortung enorme Kraft gekostet haben“, erklärt Bischof Timmerevers. „Daher habe ich beschlossen, die Leitung unseres Bistums Dresden-Meißen, das mir in den zehn Jahren meiner Amtszeit sehr ans Herz gewachsen ist, in jüngere Hände zu übergeben. Ich hatte daher bereits vor einigen Monaten in Rom um Entpflichtung gebeten und habe dieses Ersuchen dem Heiligen Vater auch im persönlichen Gespräch bei einer Audienz erläutert.“
Papst Leo XIV. hat das Rücktrittsgesuch zum heutigen Datum angenommen. Der 2. September ist zugleich der 25. Weihetag Heinrich Timmerevers‘ zum Bischof und liegt ein knappes Jahr vor seinem 75. Geburtstag am 25. August 2027, einem Termin, zu dem Bischöfe normalerweise dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Seit dem 27. August 2016 hat Bischof Timmerevers die sächsisch-ostthüringische Diözese geleitet. Zuvor wirkte er als Weihbischof des Bistums Münster als Bischöflicher Offizial in Vechta.
Festgottesdienst zum Abschied
Mit einem feierlichen Gottesdienst am kommenden Samstag, 5. September, um 10.30 Uhr in der Dresdner Kathedrale und anschließendem Festakt im Haus der Kathedrale hatte sich das Bistum bislang auf das Silberne Bischofsweihe-Jubiläum Heinrich Timmerevers‘ vorbereitet. Nun wird das Jubiläumsfest überraschend zugleich die Verabschiedung des Bischofs von Dresden-Meißen aus dem aktiven Dienst sein. Die Predigt in der Heiligen Messe hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Heiner Wilmer SCJ. Als Ehrengäste werden zahlreiche weitere Bischöfe aus dem In- und Ausland erwartet, darunter Erzbischof Dr. Heiner Koch aus Berlin, der Erzbischof von Manaus Leonardo Ulrich Kardinal Steiner OFM sowie der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Tobias Bilz. Der Festgottesdienst wird im Livestream übertragen (https://www.14dd5266c70789bdc806364df4586335-gdprlock/live/Uf4mIA86OJo?si=J6p_ccp2bFmhhkuT). Die Gläubigen des Bistums sind zur Mitfeier herzlich eingeladen, eine Anmeldung wird erbeten: https://eveeno.com/bischofsweihetag.
„Ich habe intensiv im Gebet um diese Entscheidung gerungen, für die es keinen äußeren Anlass oder akute gesundheitliche Gründe gibt“, betont Bischof Timmerevers. „Dieses Bistum benötigt weiterhin eine Leitung mit uneingeschränkter Tatkraft. Ich spüre zugleich, dass das Alter und die zahlreichen Aufgaben auch bei mir ihre Spuren hinterlassen haben. Herzlich danke ich allen, mit denen ich in dieser Zeit gemeinsam wirken durfte.“ In einer Videobotschaft wendet sich Bischof Timmerevers persönlich an die Gläubigen und erläutert seine Beweggründe (https://youtu.be/-SyK8eOGEdw).
Seinem Bistum bleibt er allerdings auch in Zukunft treu. In einer Mietwohnung in Dresden will er künftig seinen Wohnsitz beziehen. „Hier in dieser Stadt bin ich inzwischen zuhause und stehe dem Bistum auch im Ruhestand als Seelsorger auf Wunsch weiterhin gerne zur Verfügung“, so der emeritierte Bischof.
Vielfältige Herausforderungen
Seit seinem Amtsantritt als Bischof von Dresden-Meißen war Heinrich Timmerevers intensiv damit befasst, die Katholische Kirche in Sachsen und Ostthüringen zukunftsfähig aufzustellen. Dafür galt es zunächst, die vorhandenen Strukturen neu anzupassen. Aus ursprünglich 97 Pfarreien wurden ab 2017 innerhalb von drei Jahren 37 Pfarreien als größere Einheiten gegründet, für deren Verwaltung hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt wurden.
Ein neues Pfarreiverwaltungsgesetz beteiligt seit 2021 einen Kirchenvorstand aus Ehrenamtlichen als Vertretungsorgan der Pfarreien bei Entscheidungen über wirtschaftliche und rechtliche Fragen. Ebenfalls seit 2021 durchläuft das Bistum einen sogenannten „Strategieprozess“, mit dessen Hilfe es gelingen soll, langfristig einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen, um mit einem ausgeglichenen Haushalt als Kirche in Sachsen und Ostthüringen wirken zu können. In diesem Rahmen mussten auch schmerzliche Entscheidungen getroffen werden; so wurde zuletzt etwa die Aufgabe des Bildungsguts Schmochtitz St. Benno bekanntgegeben.
Zugleich stellte der Bischof mit Blick auf die Bausubstanz des Bistums Weichen für die Zukunft: Die seit 1955 bestehende Jugendbildungsstätte Winfriedhaus im Osterzgebirge wurde bis 2021 modernisiert und erweitert. Das Haus der Kathedrale in Dresden wurde als zentrales kirchliches Haus saniert und neu strukturiert. Nach ausführlichen Prüfungs- und Beratungsverfahren entstand mit dem Propst-Beier-Haus auf der Schweriner Straße im Dresdner Innenstadtbereich ein weiteres kirchliches Gebäude, in dem seit Herbst letzten Jahres die Bischöfliche Verwaltung ihren Sitz gefunden hat und in dem rund 40 Prozent der Gebäudeflächen zudem als Büro- und Wohnflächen vermietet werden können.
Für die weitere Aufarbeitung der Missbrauchs-Thematik im Bistum engagierte sich der Bischof ebenfalls, stieß dabei allerdings bisweilen auch auf heftigen Widerstand von Kritikern. Viel Beachtung fand hingegen sein Engagement für eine intensiv gelebte Ökumene, etwa durch die Planung einer gemeinsamen Akademie mit der Evangelischen Landeskirche Sachsens. Heinrich Timmerevers trat für die Stärkung synodaler Strukturen ein, förderte das Engagement von Laien in der Gestaltung von Gottesdiensten und im Gemeindeleben und unterstützte die stärkere Einbindung und Wertschätzung von Menschen mit Lebens- und Beziehungsbrüchen sowie queerer Menschen in der Kirche.
Sedisvakanz und nächste Schritte
Mit der Annahme seines Amtsverzichts ist die sogenannte „Sedisvakanz“ eingetreten, nach der der Bischofsstuhl der Dresdner Kathedrale im wörtlichen Sinn unbesetzt ist. Die Leitung des Bistums geht nun auf das Domkapitel St. Petri über, das innerhalb von acht Tagen einen Diözesanadministrator wählen muss. Dieser erhält viele Rechte und Pflichten eines Diözesanbischofs; er darf allerdings keine prägenden Entscheidungen fällen, die das Bistum grundlegend verändern würden.
Zeitgleich beginnt die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Nachfolge auf dem Bischofsstuhl. Ein Prozess, der erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern kann. Das Domkapitel hat in dem Zusammenhang bereits beraten, in wie weit dabei der Handlungstext des Synodalen Wegs 'Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs' Berücksichtigung finden kann. Für das Bistum Dresden-Meißen gilt das sogenannte „Badische Konkordat“: In Rom werden dazu die jährlich eingereichten Empfehlungen des bisherigen Bischofs sowie die Vorschläge des Domkapitels gesichtet. Im Zuge dieser Vorschläge des Kapitels sind Beratungen mit Laienvertretern im Rahmen des geltenden Kirchenrechts bzw. Konkordats vorgesehen. Unter Würdigung dieser Listen erstellt der Heilige Stuhl einen Dreiervorschlag, der zumindest einen Kandidaten aus dem Bistum Dresden-Meißen enthalten muss. Aus dieser „Terna“ wählt das Domkapitel in freier und geheimer Wahl den neuen Bischof von Dresden-Meißen, der dann durch den Heiligen Vater ins Amt berufen wird.