Fronleichnamsfest der Leipziger Katholiken nach 55 Jahren wieder im Scheibenholz
Eine alte Tradition lebt am 4. Juni 2026 wieder auf
Leipzig. Der gemeinsame Fronleichnamsgottesdienst aller Leipziger Pfarreien wird zu Fronleichnam am Donnerstag, 4. Juni 2026, um 18 Uhr auf der Galopprennbahn im Scheibenholz gefeiert. Damit kehrt die Fronleichnamsfeier nach 55 Jahren an einen historischen Ort zurück. Der Gottesdienst wird auf der Rennbahntribüne gestaltet – musikalisch umrahmt vom Chor der St. Bonifatius-Gemeinde und der Jugendband „BoniBeatz“. Im Anschluss gibt es auf der Rennbahnterrasse Zeit für Austausch und Begegnung bei einem gemeinsamen Picknick. Alle Christen der Stadt und Interessierte sind herzlich willkommen.
Pfarrer Christoph Baumgarten aus der Pfarrei St. Bonifatius Leipzig-Süd weiß, dass das Fronleichnamsfest in der heutigen Zeit nicht einfach zu erklären ist: „Jesus Christus hat beim letzten Abendmahl Brot und Wein mit uns geteilt. Das Fest erinnert daran, das er für uns da ist. Dieses Bild vom 'Brot für alle' hilft, das Fest besser zu verstehen. Das bedeutet, uns Gottes Hilfe sicher zu sein, als Christ den Alltag zu gestalten und Solidarität zu leben.“ Diese Solidarität wird auch im Motto der Feier deutlich: Brot, das Leben verheißt. Brot, dass durch Teilen wächst.
„Deutschland gehört zu den Ländern mit der intensivsten Brottradition. Es gibt über 3.000 Brotsorten. Wir fragen uns: Wonach hungern Menschen in unserer Stadt? Wohin möchte das lebendige Brot, dass Jesus selbst ist, in unserer Stadt kommen? Was bedeutet es, wenn wir das Himmelsbrot empfangen?“ so Pfarrer Baumgarten. Nach dem Gottesdienst werden wortwörtlich Brote in Lebensbereiche und Orte der Stadt gebracht, wo Bedürftigen geholfen wird und das „tägliche Brot“ eben nicht selbstverständlich ist. Solche sozialen Projekte und Träger sind im Scheibenholz mit dabei und präsentieren sich mit Ihrer Arbeit.
Seit dem Jahr 2015 übernehmen die Leipziger Pfarreien im Wechsel die Organisation des Fronleichnamsfestes. In diesem Jahr hat sich die Pfarrei St. Bonifatius Leipzig-Süd für diesen geschichtsträchtigen Ort entschieden. Bereits nach dem zweiten Weltkrieg, in den Jahren von 1948 bis 1971, wurden zentrale Fronleichnamsgottesdienste im Scheibenholz gefeiert. Gottesdienstbesucherinnen und Prozessionsteilnehmer säumten damals die Rennbahn, Sonderstraßenbahnen fuhren aus den verschiedenen Stadtteilen.
Auch wenn die erwarteten Besucherzahlen nicht an die vergangenen Zeiten heranreichen, hoffen die Organisatorinnen und Organisatoren auf ein großes Interesse und viele Gäste aus dem gesamten Stadtgebiet. „Kirche in Leipzig ist lebendig. Es passiert so viel in den Gemeinden. Viele Ehrenamtliche engagieren sich und tun viel Gutes. Daher ist es mir wichtig, dass wir auch sichtbar sind. Im Scheibenholz kann uns das gelingen. Und Fronleichnam ist immer ein guter Anlass, sich zu begegnen und zu bestärken“, so Andreas Hahn, Pfarreiratsvorsitzender der Gemeinde. Nebenbei sind die Voraussetzungen ideal, so Hahn: „Wir sitzen auf der Tribüne, haben ein Dach über dem Kopf und einen einmaligen Blick in die Stadt.“ Und beim guten Draht nach oben wird das Wetter bestimmt mitspielen – da sind sich alle Beteiligten einig.