Gedenkgottesdienst zum 490. Jahrestag der Aufhebung des Klosters Grünhain im Erzgebirge
Wo Glaube Wurzeln schlug – am 5. Juli 2026
Grünhain. Am Sonntag, 5. Juli 2026, versammelten sich Christinnen und Christen aus der Region im beschaulichen Grünhain mitten im Erzgebirge auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters. Anlass war der 490. Jahrestag der Aufhebung des Klosters Grünhain. Zu Beginn des Gottesdienstes erläuterte Pfarrer Przemek Kostorz die besondere Bedeutung dieses Tages: „Wenn wir nur die Gründung des Klosters feiern würden, die in vier Jahren ein rundes Jubiläum haben wird, dann würden wir aus menschlicher Sicht ein Projekt feiern, das gescheitert ist – denn das Kloster existiert heute nicht mehr. Aus der Sicht des Glaubens ist der heutige Tag jedoch viel bedeutender. Unser Dasein hier bezeugt, dass die christlichen Wurzeln damals so tief geschlagen haben, dass sie bis heute – auch ohne das Kloster – lebendig geblieben sind.“
Trotz anhaltenden Regens wurde der Gottesdienst in einem festlichen Rahmen gefeiert. Hauptzelebrant und Prediger war Pater Prior Bruno Robeck OCist, Prior des Zisterzienserklosters Langwaden und Präses der Zisterzienserkongregation von der heiligen Gertrud der Großen. In seiner Predigt griff er ein Wort des österreichischen Psychiaters und Holocaust-Überlebenden Viktor E. Frankl auf, das viele der Anwesenden besonders bewegte: „Wie oft sind es erst die Ruinen, die den Blick freigeben auf den Himmel.“ Dieses Zitat verlieh dem Gedenken an die Geschichte des Klosters eine besondere Tiefe. Es machte deutlich, dass Gottes Wirken auch dort sichtbar wird, wo Menschen zunächst nur Verlust und Vergänglichkeit wahrnehmen.
Auch Gäste aus den beiden sächsischen Zisterzienserinnenklöstern waren der Einladung gefolgt. Unter den Mitfeiernden waren Altäbtissin Petra Articus, Administratorin der Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal, Äbtissin Gabriela Hesse, Äbtissin der Zisterzienserinnenabtei St. Marienstern, sowie weitere Schwestern beider Gemeinschaften. Schwester Mariae Laetitia Klut aus dem Kloster St. Marienstern bot im Anschluss Produkte aus dem Klosterladen an.
Nach dem Gottesdienst klarte der Himmel auf, und die Sonne lud zu einem gemeinsamen Picknick auf dem Klostergelände ein. In froher Gemeinschaft blieb Zeit für Begegnungen und Gespräche. Für alle, die die Geschichte des ehemaligen Klosters näher kennenlernen wollten, wurde außerdem eine Führung über das historische Klostergelände angeboten.
Der Festtag machte deutlich: Auch wenn die Klostergebäude seit Jahrhunderten verschwunden sind, lebt das geistliche Erbe der Zisterzienser in den christlichen Gemeinden weiter.