30 Jahre kirchlicher Dienst in der Polizei: Fachtag in Dresden widmet sich der Menschenwürde
Fachvorträge, Workshops und ökumenischer Gottesdienst am 29. Oktober
Dresden. Unter dem Leitwort „Die Würde des Menschen ist …“ stand am Donnerstag, 29. Oktober 2026, ein Fachtag zum 30-jährigen Bestehen des kirchlichen Dienstes in der sächsischen Polizei. Vor rund 30 Jahren wurden die Verträge über den kirchlichen Dienst in der Polizei zwischen dem Freistaat Sachsen und den Kirchen besiegelt. Der Fachtag würdigte diesen kirchlichen Dienstes in der Polizei, der Menschen im anspruchsvollen beruflichen Alltag seelsorglich begleitet und Raum für persönliche und ethische Reflexion eröffnet. Im Haus der Kirche an der Dreikönigskirche in Dresden kamen dazu rund hundert Polizistinnen und Polizisten, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Fachleute und weitere Interessierte zusammen, um über Menschenwürde, Künstliche Intelligenz, berufliche Herausforderungen und die Bedeutung von Spiritualität im Polizeialltag zu sprechen. Den Abschluss bildete ein ökumenischer Gottesdienst mit Landesbischof Tobias Bilz und Bischof emeritus Heinrich Timmerevers.
Sachsens Innenminister Armin Schuster würdigte in einer Videobotschaft die seit dreißig Jahren bestehende Arbeit der Polizeiseelsorge. Dabei sei "ein Miteinander gewachsen, das von Vertrauen geprägt ist." Der Innenminister erinnerte an die Bedeutung der Seelsorgetätigkeit. Es sei angesichts der hohen Belastungen und Herausforderungen im Polizeidienst "umso wichtiger, jemand zu haben, der zuhört und zur Seite steht."
Chancen und Grenzen der KI im Blick
Ein Schwerpunkt des Fachtags widmete sich der Frage, welche Möglichkeiten und Grenzen Künstliche Intelligenz für die Polizei eröffnet. Prof. Dr.-Ing. Ralf Otte von der Technischen Universität Ulm sprach zum Thema „Würde und KI: Ist KI der bessere Polizist und Mensch?“. Der ausgewiesene Experte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz beleuchtete die Chancen und Herausforderungen der Technologie und stellte sie in den Zusammenhang mit der Würde des Menschen Parallel zum Hauptvortrag wurden verschiedene Workshops angeboten. Pfarrer Dr. Dietrich Oettler zeigte unter dem Titel „Würde und die Erfahrung von Ohnmacht – spirituelle Übungen“ Möglichkeiten, wie Meditation und geistliche Übungen Menschen dabei helfen können, mit Situationen der Ohnmacht umzugehen.
Dr. Barbara Zeitler beschäftigte sich mit „Würde und Werte in Brüchen und Neuanfängen: Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen?!“. Im Mittelpunkt stand der Blick auf Rückschläge, Enttäuschungen und Krisen, aber auch neue Perspektiven und Hoffnungen. Gemeinsam wurde der Frage nachgegangen, wie ein würdevolles Miteinander auch in schwierigen beruflichen Situationen gelingen kann. Der Workshop „Würde im polizeilichen Alltag – Alltagsreflexionen“ mit Antonia Kirtzel bot Raum, Erfahrungen und Fragen aus dem Berufsalltag zu reflektieren. Themen waren beispielsweise das Miteinander im Kollegium, herausfordernde Dienstzeiten sowie Fragen nach Recht, Sinn und Moral.
Das Zuhören als hoher Wert
Nach einem Mittagsimbiss und anschließenden Grußworten wurde zum Abschluss gemeinsam ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Neben Landesbischof Tobias Bilz und Bischof em. Heinrich Timmerevers wirkten daran Polizeiseelsorgerinnen und Polizeiseelsorger der Kirchen mit. Für die musikalische Gestaltung sorgte der Polizeichor Dresden e. V. und das Polizeiorchester Sachsen. Bischof Timmerevers erinnerte in seiner Verkündigungsansprache daran, dass Polizistinnen und Polizisten die ganze Spannweite menschlichen Handelns in ihrem Dienst erlebten: "Was Menschen einander antun. Aber auch, was Menschen Gutes füreinander tun." Er dankte für den "anspruchsvollen, wertvollen Dienst", der staunen lasse. Mit Blick auf die Hilfe der Polizeiseelsorge sagte Bischof Timmerevers, manchmal sei bereits "viel gewonnen, wenn jemand zuhört. Wenn Menschen mit einer ungeklärten Situation nicht alleine bleiben."
Text/Fotos: Michael Baudisch