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Bistum Dresden Meissen
Blick in die Chemnitzer Propsteikirche. © J. Köst
08. September 2026

75 Jahre an der Orgel – der Chemnitzer Organist Konrad Walter (89) blickt zurück

Als Anerkennung erhielt er am 6. September die Ehrennadel des Allgemeinen Cäcilienverbands für Deutschland

Chemitz. 1951 saß Konrad Walter – mit 14 Jahren – zum ersten Mal während eines Gottesdienstes an der Orgel von St. Antonius. 75 Jahre später blickt er auf ein außergewöhnliches Jubiläum zurück – und feiert im Oktober 90. Geburtstag. 

Dass Konrad Walter einmal Organist werden würde, lag vielleicht ein wenig in der Familie. Sein Vater war bereits seit 1929 Organist in St. Antonius. Konrads Interesse entstand bei Reparaturen an der Orgel: Während der Pfarrer nach Fehlern suchte, musste er einzelne Töne und Oktaven spielen.

Sein Vater zeigte ihm vieles. Zunächst erhielt Konrad Klavierunterricht, doch mit Beginn seiner Lehre fehlte dafür die Zeit. Die Familie wohnte im Pfarrhaus, sodass er nach der Arbeit einfach in der Kirche Orgel üben konnte. Später lernte er an der Kirchenmusikschule in Schirgiswalde.

Mit 14 Jahren zum ersten Mal an der Orgel

Am 17. September 1951 begleitete Konrad Walter erstmals selbst einen Gottesdienst. Ein wenig aufgeregt sei er gewesen. Doch sein Vater stand neben ihm – und schnell wich die Aufregung der Freude am Orgelspiel.

Nach dem Krieg waren viele Menschen nach Chemnitz gekommen, und junge Leute sollten stärker in die Gottesdienstgestaltung einbezogen werden. Noch wurde die Liturgie auf Latein gefeiert. Auch der Kirchenchor von St. Antonius wurde wieder aufgebaut und von Konrads Vater, gelegentlich auch von Konrad selbst, geleitet.

Sonntage zwischen mehreren Kirchen

Bei St. Antonius allein blieb es nicht. Als der Organist der Propsteigemeinde St. Johannes Nepomuk aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, half Konrad Walter aus. Ab 1958 spielte er zehn Jahre lang sowohl in St. Antonius als auch in der Propstei. Sonntags bedeutete das einen regelrechten Pendelverkehr zwischen mehreren Gottesdiensten. Da er kein Auto hatte, wurde teilweise ein Fahrdienst organisiert.

Auch die damaligen Außenstationen in Burkhardtsdorf, Jahnsdorf und Neukirchen mussten musikalisch versorgt werden. So spielte Konrad Walter im Laufe der Jahre an vielen Orten und Instrumenten – auch in Tschechien, in der päpstlichen Nuntiatur in Berlin und im Kloster Helfta.

Dass ein solcher Einsatz über Jahrzehnte möglich war, verdankt er nicht zuletzt seiner Frau. Sie habe immer hinter ihm gestanden und vieles mitgetragen. Dafür ist er ihr bis heute dankbar.

Vom schlafenden Gottesdienstbesucher

75 Jahre Orgeldienst bringen auch heitere Erinnerungen mit sich: An einem Himmelfahrtstag kam ein Mann auf die Empore, der offensichtlich schon ausgiebig gefeiert hatte, setzte sich neben die Orgel – und schlief ein. Als der Küster mit dem Kollektenkorb kam, wachte er auf, spendete und schlief friedlich weiter.

Auch Konrads Vater erlebte eine Überraschung: Als er sich während des Besprengens mit Weihwasser nach dem Pfarrer umsah, bekam er eine kräftige Ladung hinter die Brille.

Auch schwere Zeiten gehören dazu

In den 1950er-Jahren gerieten kirchlich engagierte junge Menschen in der DDR ins Visier der Staatssicherheit. Auch Konrad Walter wurde beschattet und verhaftet. Seinen 18. Geburtstag verbrachte er in Haft. Nach rund sechs Monaten wurde die Anklage auf „neofaschistische Propaganda“ wegen „Geringfügigkeit“ fallengelassen. Über diese Zeit möchte er heute nicht mehr sprechen.

Wenn Konrad Walter heute zurückblickt, dann sind das unzählige Gottesdienste, viele Orgeln und große Veränderungen in Kirche und Gesellschaft. Vor allem aber sind es 75 Jahre, in denen Musik und Glaube miteinander verbunden waren. Aus dem 14-jährigen Jungen auf der Orgelbank wurde ein Organist, dessen Musik das Gemeindeleben über Generationen begleitet hat.

Beim Patronatsfest am 6. September wurde Konrad Walter für seinen außergewöhnlichen Einsatz auch überregional gewürdigt: Als Dank und Anerkennung für 75 Jahre im Dienst der Musica Sacra erhielt er die Ehrennadel des Allgemeinen Cäcilienverbands für Deutschland.

75 Jahre an der Orgel – dafür sagt die Pfarrei Heilige Mutter Teresa Chemitz von Herzen: Danke!

Aus dem Pfarrbrief der Pfarrei Heilige Mutter Teresa Chemnitz