„Ich bin dankbar, dass mich die Wege Gottes ins Bistum Dresden-Meißen geführt haben“
Silbernes Bischofsweihe-Jubiläum und Verabschiedung von Bischof Heinrich Timmerevers - am 5. September in Dresden
Dresden. Mit einem feierlichen Pontifikalamt hat das Bistum Dresden-Meißen gemeinsam mit vielen weiteren Gästen aus dem In- und Ausland am heutigen Sonnabend, 5. September, Bischof Heinrich Timmerevers aus dem aktiven Amt in den Ruhestand verabschiedet. Der Gottesdienst in der Dresdner Kathedrale war zugleich eine Dankfeier zum 25. Jahrestag der Bischofsweihe von Heinrich Timmerevers am 2. September 2001.
Mit persönlichen Worten wandte sich der scheidende Bischof an die Festgäste und Gläubigen seines Bistums. Dabei blickte er auf eine Urlaubsreise zurück, die ihn während der Vakanz des Bischofsstuhls nach dem Weggang Heiner Kochs auf der Durchreise auch in die Dresdner Kathedrale geführt hatte. Dort habe er beim Besuch des Gotteshauses die Soutane auf der Kathedra liegen sehen – als Symbol des verwaisten Bischofsstuhls. Dass er selbst einmal hier der nächste Bischof werden würde, habe er damals nicht ahnen können, so Heinrich Timmerevers.
Von einem „wunderbaren Bistum“
Zugleich sagte er, er empfinde „große Dankbarkeit, dass mich die Wege Gottes ins Bistum Dresden-Meißen geführt haben“, das er als „wunderbares Bistum“ bezeichnete. „Nicht, weil hier schon alles paradiesisch wäre, aber weil Gott hier Wunder wirkt.“
Ausdrücklich dankte er allen Wegbegleitern seines Wirkens im Bistum und spannte dabei einen weiten Bogen von den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bis hin zu Ordensleuten. Besonders hob er die ehrenamtlich Engagierten hervor.
Als „roten Faden“ seiner Amtszeit bezeichnete er das „freundschaftliche Miteinander“ und die gemeinsame Zusammenarbeit in der Ökumene mit seinem evangelischen Amtsbruder, Landesbischof Tobias Bilz. Die Zeit sei reif „für ein reales, gemeinsames Haus“.
„Hier ist Gott am Werk“
Mit Blick auf die Zahl der Erwachsenentaufen im Bistum sagte Bischof Timmerevers wörtlich: „Hier ist Gott am Werk.“ Für eigene „menschliche Grenzen und Unzulänglichkeiten“ im Umgang mit Missbrauchsopfern und der Aufarbeitung ihres Leids wandte er sich unmittelbar an die Betroffenen und bat um Entschuldigung.
In seiner Predigt rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, die Christen in Ostdeutschland dazu auf, ihren Weg als Kirche auch angesichts einer Diasporasituation weiterzugehen. Wörtlich sagte er: „Hier, wo 1989 die Kirche Raum gegeben hat, dass sich Freiheit ihren Weg bahnen kann, rufe ich Ihnen zu: Habt Mut! Vertraut auf den Heiligen Geist!“ Minderheit bedeute nicht, bedeutungslos zu sein.
Er erinnerte zugleich an die politische Leistung, die der Osten vollbracht habe, und warnte vor sich aufbauenden Gegensätzen: „Wir brauchen kein verhärtetes Ost gegen West, kein Rechts gegen Links, kein Alt gegen Jung oder Christlich gegen Muslimisch. Es ist eure Freiheit, die Polarisierungen nicht weiterzutreiben, sondern Versöhnung zu stiften.“ Der Bischofskonferenz-Vorsitzende ermutigte die Kirche dazu, versöhnend zu wirken. „Wo Menschen, die versöhnen, überzeugen, werden sie Mehrheiten erhalten und die Pöbler von den Sitzen verdrängen.“
Als Konzelebranten nahmen neben Diözesanadministrator Andreas Kutschke zahlreiche Bischöfe aus dem In- und Ausland teil, darunter der Erzbischof von Manaus (Brasilien), Leonardo Ulrich Kardinal Steiner OFM, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ aus Münster als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Heiner Koch aus Berlin, Bischof Tomáš Holub aus Pilsen (Tschechien), Bischof Johannes Bahlmann OFM aus Óbidos (Brasilien) und Bischof em. Dr. Felix Genn aus Münster.
In den Fürbitten fanden neben Gebetsanliegen in deutscher Sprache auch Fürbitten auf Sorbisch, Polnisch und Englisch Raum. Damit sollte das Anliegen verdeutlicht werden, dass das Bistum Dresden-Meißen von Christinnen und Christen unterschiedlicher Herkunft und Sprache geprägt ist.
Festliche Musik und zahlreiche Ehrengäste
Musikalisch festlich gestaltet wurde die Messfeier von den Dresdner Kapellknaben, dem Kathedralchor Dresden und dem Kinderchor der Kathedrale unter der musikalischen Gesamtleitung von Domkapellmeister Christian J. Bonath sowie Moritz Kube als Leiter der Nachwuchschöre. Die Silbermannorgel spielte Domorganist Sebastian Freitag.
Zu den Ehrengästen zählten zahlreiche prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft, darunter Sachsens Landtagspräsident Alexander Dierks.
Als Erzbischof der Metropolie Berlin blickte Dr. Heiner Koch auf das Wirken mit Bischof Timmerevers in der gemeinsamen Kirchenprovinz zurück. Man habe auch „Unruhe erlebt“, so der Metropolit, der unter anderem an Abstimmungen zu Fragen nach Strukturen, Personal und Finanzen sowie der Prävention und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs erinnerte.
Mit Blick auf den nunmehr dritten emeritierten Diözesanbischof mit Wohnsitz in Dresden neben Joachim Reinelt und Dr. Konrad Zdarsa sprach der aus Köln stammende Heiner Koch schmunzelnd von einem „Ruhestands-Dreigestirn“. Darauf reagierte Bischof Timmerevers humorvoll und meinte: „Um uns zu einem Karnevals-Dreigestirn zu machen, braucht es mehr als ein Wunder. Aber der Sachse kann auch außerhalb des Karnevals fröhlich sein.“
Landesbischof Tobias Bilz erinnerte in einem Grußwort für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens daran, wie viel durch das gemeinsame Teilen von Leben und Glauben gewachsen sei. „Wir sind davor bewahrt geblieben, in Konkurrenz zueinander zu treten“, so der Landesbischof. „Wir waren ehrlich miteinander, haben auch Schmerzhaftes miteinander geteilt und auch eigene Grenzen benannt.“ Auf dieser Einheit habe „Segen gelegen“.
Für die Sächsische Staatsregierung überbrachte Staatsministerin Barbara Klepsch Grüße zum Abschied. Sie rückte „Neugier, Offenheit und Tatkraft“ des scheidenden Bischofs in den Blickpunkt, mit denen er sich den Aufgaben gestellt habe.
Empfang im Haus der Kathedrale
Im Anschluss an den Gottesdienst fand im nahegelegenen Haus der Kathedrale ein Empfang statt. Stellvertretend für viele Themen und Menschen, die Bischof Timmerevers in den vergangenen Jahren begleitet haben, sprachen dabei die Vorsitzende des Katholikenrats, Martina Breyer, über das Thema „Synodalität“, Yvonne Proft über „Malteser“, Peter Tascharndte mit Ehefrau über „Neugetaufte“, Jugendliche der Familie Hahn über „Ministranten und Junge Generation“, der Chemnitzer Propst Benno Schäffel über die Region Sachsen und die neuen Bundesländer sowie Claudia Leide über die Papstenzyklika „Amoris laetitia“ und Regina Klaus als ehemaliges Mitglied des Vermögensverwaltungsrats über den „Strategieprozess“.
Regina Klaus erinnerte sich mit Blick auf die Frage an eine Gruppe von Jungen und Mädchen im Religionsunterricht, welche Merkmale einen Bischof kennzeichneten, an die Aussage eines Kindes: „Ein Bischof muss groß sein, damit er alle Menschen sieht.“ Und zu Heinrich Timmerevers gewandt, meinte Regina Klaus: „Sie waren groß.“
Michael Baudisch
Der Festgottesdienst kann als Aufzeichnung auf dem YouTube-Kanal des Bistums angesehen werden:
https://www.youtube.com/live/Uf4mIA86OJo?si=J6p_ccp2bFmhhkuT