Wie wollen wir miteinander streiten?
Julia Reuschenbach eröffnet am Freitag, 4. September, die Bautzener Reden nach der Sommerpause
Bautzen. Wie viel Streit verträgt eine Demokratie? Wann wird aus einer kontroversen Debatte eine gesellschaftliche Spaltung – und warum fällt es immer schwerer, unterschiedliche Positionen auszuhalten? Am Freitag, 4. September 2026, ist die Politikwissenschaftlerin Dr. Julia Reuschenbach im Bautzener Dom St. Petri zu Gast. Ihr Thema lautet „Debattenkultur in Deutschland“. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Reuschenbach ist Politikwissenschaftlerin und beschäftigt sich unter anderem mit Parteien, Wahlen, Demokratie und politischer Kommunikation. Sie ist eine gefragte Gesprächspartnerin in öffentlichen Debatten und Medien. Seit Dezember 2025 lehrt sie als Senior Lecturer für Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg. Gemeinsam mit dem Deutschlandfunk-Journalisten Korbinian Frenzel hat sie das Buch „Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“ veröffentlicht. Die Wissenschaftlerin ist einem breiten Publikum aus politischen Fernsehformaten wie den „Tagesthemen“, „Maybrit Illner“ und „Hart aber fair“ bekannt, in denen sie aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen einordnet.
Das Thema von Julia Reuschenbach könnte kaum aktueller sein. Politische Diskussionen werden schärfer, soziale Medien beschleunigen Auseinandersetzungen und immer häufiger scheint die Frage wichtiger zu sein, wer recht hat, als was richtig ist. Gleichzeitig entsteht leicht der Eindruck einer Gesellschaft, die nur noch aus unversöhnlichen Lagern besteht.
Bautzener Reden als Plattform des überparteilichen Diskurses
Seit November 2022 bringen „Bautzen gemeinsam“ und der Ökumenische Domladen Bautzen e.V. mit den Bautzener Reden regelmäßig Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in den Dom St. Petri. Die Reihe ist überparteilich und versteht sich als Forum für gesellschaftlich-politische Orientierung, Austausch und Verständigung.
Der Ort ist dabei bewusst gewählt. Der Dom St. Petri steht wie kaum ein anderer Ort in Bautzen für das Zusammenleben unterschiedlicher Traditionen und Konfessionen. Protestanten und Katholiken teilen sich den Kirchenraum, Deutsche und Sorben prägen seit Jahrhunderten gemeinsam die Stadt. Die Bautzener Reden wollen an diese Tradition des Miteinanders anknüpfen: Nicht die Einigkeit in allen Fragen ist das Ziel, sondern der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Überzeugungen.
Mit Julia Reuschenbach findet nun die 35. Bautzener Rede statt. Am 9. Oktober 2026 folgt Thomas de Maizière, Bundesminister a. D. Sein Thema: "Was ist eigentlich los in Deutschland - wer sind wir in Ost und West?". Am 6. November 2026 ist Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, zur 37. Bautzener Rede zu Gast.