Ökumenische Gedenkfeier erinnert an 1941 hingerichteten polnischen Zwangsarbeiter Adolf Kalwak
am Sonnabend, 8. August 2026, um 13 Uhr nahe Rabenau
Rabenau/Possendorf/Freital. Zur Erinnerung an die Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters vor 85 Jahren wird am Sonnabend, 8. August 2026, um 13 Uhr zu einer Ökumenische Gedenkfeier für Adolf Kalwak an seinen Gedenkstein nahe Rabenau zwischen Possendorf und Freital eingeladen.
Adolf Kalwak wurde am 27.07.1919 in Zurawie geboren, einem Ortsteil der heutigen Gemeinde Rudniki in der südpolnischen Wojewodschaft Opole (Landkreis Oppeln). Der Katholik musste seit Mai 1940 als Zwangsarbeiter bei der deutschen Bauernfamilie Berger/Lohse in Possendorf arbeiten, heute ein Ortsteil der Gemeinde Bannewitz südlich von Dresden. Er fand dort wohlwollende Aufnahme in der Familie, der Umgang mit ihm war freundschaftlich und respektvoll. Diese Nähe widersprach jedoch den sogenannten Polen-Erlassen vom 8. März 1940, in denen durch die deutsche Reichsregierung auf Grundlage der Rassenideologie jeglicher vertraute Umgang mit als minderwertig angesehenen Polen verboten war.
Hinrichtung mit 22 Jahren
Das gute Verhältnis der Familie Berger, besonders der Bäuerin Ella Berger zu Adolf Kalwak, missfiel einem oder einigen Menschen im Dorf: Ella Berger und Adolf Kalwak wurden denunziert und ihnen ein intimes Verhältnis unterstellt. Bedingt durch die Sondergerichtsbarkeit für derartige „Delikte“ ermittelte die Gestapo Dresden.
Am 12. August 1941 wurde der 22-jährige Adolf Kalwak von Possendorf aus vor den Augen der deutschen Einwohner durch die Straßen in den Poisenwald geführt und vor den Augen von angeblich über 200 Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern gehenkt. Ella Berger wurde zu einer „Aussprache“ zur Gestapo nach Dresden geladen, von der sie nicht zurückkehrte. Sie wurde ins Konzentrationslager Ravensbrück (heute Teil der Stadt Fürstenberg/Havel im Norden Brandenburgs) deportiert.
Auch das Leben von Ella Berger zerbrach
„An Leib und Seele gebrochen“, soll sie nach einer unbekannten Zeitspanne nach Possendorf zurückgekehrt sein. Ihre Ehe zu ihrem im Feld stehenden Mann war zwischenzeitlich zwangsgeschieden worden, ihr Mann gefallen und sie hatte alle Anrechte auf ihren Hof verloren. Auf dem Rittergutshof Possendorf fand sie Beschäftigung. Am 10. Januar 1945 wurde sie wiederum ins KZ Ravensbrück eingeliefert. Dies ist das letzte Lebenszeichen von ihr. Sie kehrte nach Kriegsende nicht mehr zurück.
Da sich die Hinrichtung Adolf Kalwaks am 12. August 2026 zum 85. Male jährt, werden katholischen Verwandte von Adolf Kalwak sowie Gemeindevertreter aus Polen sowie den angrenzenden Ortschaften, Freunde und Bekannte zu der Gedenkfeier anreisen.
Route zum Gedenkstein
Vom Netto-Supermarkt in Possendorf talwärts Richtung Freital, 1. Straße links (Ferdinand-von-Schill-Straße) Richtung Börnchen, danach 1. Straße rechts (Adolf-Kalwac-Straße) bis auf die Höhe der Obernaundorfer Flur, dann auf Waldparkplatz links, neben Parkplatz in Schneise. Ca. 150 bis 200 m rechts davon befindet sich der Gedenkstein von Adolf Kalwak.
Matthias Schildbach (Historiker/Bannewitz)m Pfarrer Franz Scharfenberg (Goppeln), Michael Laske (Diakonatshelfer/Kreischa)