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Bistum Dresden Meissen
29. Oktober 2020

Bischof Feige hofft auf unerwarteten Ökumene-Durchbruch

Im Akademie-Podcast: Magdeburger Bischof blickt auf die Zukunft der Ökumene

Dresden/Magdeburg. In der neuen Folge des Podcasts „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen ist Dr. Gerhard Feige, Bischof des Bistums Magdeburg und Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, im Gespräch mit der Journalistin Dr. Karin Wollschläger (KNA). Die Episode „Einsam am Tisch des Herrn?“ im Vorfeld des diesjährigen Reformationstages fragt angesichts letzter Differenzen in dem Miteinander christlicher Kirchen nach den Herausforderungen und der Zukunft der Ökumene.

Im Gespräch nimmt der Bischof von Magdeburg Stellung zum Dokument Gemeinsam am Tisch des Herrn des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) und den daraus erwachsenden Kontroversen. Die zuletzt veröffentlichte Fachstudie votiert für eine wechselseitige Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an Abendmahl und Eucharistie der je anderen Konfession.

Der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) fordert von der Handlungsempfehlung ausgehend nicht „irgendeine ökumenische Einheitsliturgie“ zu entwickeln, „sondern die Vielfalt der liturgischen Traditionen“ als berechtigt anzusehen. Feige wünscht sich eine breite Diskussion des Dokuments „in der wissenschaftlichen Welt“, schließlich treffe die Studie „einen Nerv“. Zugleich habe er aber auch „Anfragen an das Votum des Ökumenischen Arbeitskreises“. Ein gewisser Druck sei angesichts des Ökumenischen Kirchentages 2021 in Frankfurt/Main nicht von der Hand zu weisen. Darüber hinaus beschreibe die ÖAK-Studie „eine schöne Wirklichkeit“, die in „die evangelische wie katholische Theorie und Praxis bislang nur wenig“ eingedrungen sei und „offiziell auch noch keine Rezeption erfahren“ habe.

Gewissensentscheidungen würdigen

Mit Blick auf das negative Votum der römischen Glaubenskongregation vom September 2020 fragt der Magdeburger Bischof, was die Intention dieser „Gegenbehauptung“ sei: „Welche Maßstäbe werden an die Beurteilung angelegt? Geschieht das im Stil früherer Apologetik und konfessionalistischer Kontroverstheologie oder sucht man ökumenisch sensibel nach dem Verbindenden und erkennt das dankbar an? Oder schwingt vielleicht immer noch ein exklusivistisches Kirchenbild mit und die Vorstellung, dass der einzige Weg zu einer Einheit der Christen letztlich nur die Rückkehr zur Römisch-Katholischen Kirche sein kann?“ Feige kritisiert, dass die Glaubenskongregation letztlich nur aufzeige, „was angeblich nicht den katholischen Wahrheiten entspricht“. Aus Sicht von Feige fehlt es in der Entgegnung an „Selbstkritik“ katholischerseits ebenso wie an Anerkennung für „die Überlegungen des ÖAK“.

Für Bischof Feige ist letztlich die Erkenntnis wichtig, dass es „der Herr selbst“ sei, der in der Eucharistie da ist. Er habe den Eindruck, mit dieser Form von Papieren würden dogmatische und rechtliche Mauern höher gezogen. Letztendlich dürfe die Ökumene aber nicht „zum folgenlosen Glasperlenspiel“ verkommen. Feige würdigt deswegen Spielräume hinsichtlich der Gewissensentscheidungen der einzelnen Christinnen und Christen, die „eine persönliche Antwort“ für sich finden müssten.

Insgesamt hofft er in der gegenwärtigen Debatte mit den „sehr unterschiedlichen Haltungen“ auf „mehr Sachlichkeit, Sensibilität und Wohlwollen“. Schließlich sei es – gerade für eng verbundene ökumenische Kreise und konfessionsübergreifende Ehen „äußerst schmerzlich“, nicht die Möglichkeit einer wechselseitigen Teilnahme an Abendmahl oder Eucharistie zu haben.

Bischof Feige bekennt, dass es „schon Zeiten“ gegeben habe, in denen er „optimistischer“ gewesen sei, was eine Mahlgemeinschaft anbelangt. Dennoch gebe er die Hoffnung nicht auf: „Vielleicht führen die kleinen Schritte ja einmal zu einem unerwarteten Durchbruch wie es der Fall der Berliner Mauer war.“

 

Das ganze Gespräch zum Nachhören finden Sie hier: https://lebendig-akademisch.podigee.io/38-oekumene-bischof-feige

 

Podcast „Mit Herz und Haltung“

Im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen nehmen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen Stellung zu den wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Fragestellungen. Neue Folgen erscheinen in regelmäßigen Abständen auf Spotify, Deezer, Apple Podcasts, YouTube sowie auf den Websites der Akademie (www.lebendig-akademisch.de) und des Bistums (www.bistum-dresden-meissen.de).

Bislang sind 36 Folgen erschienen.

 

Kurzbiografie

Bischof Dr. Gerhard Feige (Jg. 1951) studierte Theologie in Erfurt. Im Jahr 1978 empfing er in Magdeburg die Priesterweihe. Feige wirkte zunächst als Seelsorger in Salzwedel und Magdeburg und arbeitete ab 1982 als wissenschaftlicher Assistent am Philosophisch-Theologischen Studium Erfurt. 1988 promovierte er sich. Seit 1989 ist Feige Dozent für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Ökumenische Theologie in Erfurt und lehrt seit 1994 dort als Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Ostkirchenkunde. Im Jahr 1999 empfing er die Bischofsweihe und war zunächst Weihbischof. 2005 wurde Feige als Bischof von Magdeburg eingeführt. In der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist er Vorsitzender der Ökumenekommission. Außerdem gehört Feige verschiedenen Gremien des Dialogs mit der Orthodoxen Kirche auf nationaler wie internationaler Ebene sowie mit der evangelischen Kirche in Deutschland an. Von Papst Franziskus wurde Bischof Feige 2014 in den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen berufen.