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Bistum Dresden Meissen
10. Juni 2026

72 Stunden. 5 Tage. 4 Nächte.

275 Stimmen machten die Kathedrale zum Ort der Begegnung

Dresden. Fünf Tage und vier Nächte lang wurde in der Dresdner Kathedrale die Bibel ohne Unterbrechung gelesen. Zum 275. Kirchweihjubiläum verliehen 275 Menschen dem Wort Gottes ihre Stimme. Was als Jubiläumsprojekt begann, wurde für viele Beteiligte und Besucher zu einer tiefen persönlichen und gemeinschaftlichen Erfahrung.

Das Projekt „275 Stimmen“ war eine gemeinsame Initiative der Dompfarrei Ss. Trinitatis Dresden, der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen und des Bistums Dresden-Meißen. Gemeinsam wollten die Veranstalter die Kathedrale als geistlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Begegnungsort erlebbar machen – offen für Menschen unterschiedlicher Generationen, Konfessionen und Lebenswege.

Vom ersten Wort am Donnerstagabend bis zum letzten Vers am Montagnachmittag entstand in der Kathedrale ein besonderer Raum: ein Ort des Zuhörens, der Begegnung und des gemeinsamen Glaubens. Menschen unterschiedlichster Herkunft kamen zusammen, um die Bibel hörbar werden zu lassen.

Gelesen wurde von Kindern, Jugendlichen und Senioren, von Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik, Kultur und Gesellschaft. Bibeltexte erklangen auf Deutsch, Sorbisch, Ukrainisch, Englisch und in weiteren Sprachen; auch Gebärdensprache hatte ihren Platz.

Für Dr. Ulrike Irrgang, Direktorin der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, zeigte sich gerade darin eine besondere Stärke des Projekts: Menschen verschiedener Generationen und Lebenswelten kamen über die Bibel miteinander in Berührung. Die Vielfalt der Stimmen und Sprachen machte erfahrbar, dass die biblischen Texte weit über einzelne Milieus hinaus Menschen verbinden und immer wieder neu zur Auseinandersetzung einladen.

Die Kathedrale selbst wurde während dieser Tage zu einem lebendigen Resonanzraum. Draußen wechselten sich strömender Regen und sommerliche Hitze ab, drinnen wurde gelesen, zugehört, gebetet und gesprochen. Zahlreiche Wasserflaschen halfen gegen trockene Kehlen, aufgeregte Vorlesende wurden beruhigt, spontane Helfer sprangen ein, wenn Unterstützung gebraucht wurde. Hinter den Kulissen sorgten Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam dafür, dass das Bibellesen rund um die Uhr reibungslos fortgesetzt werden konnte.

Besonders in den Nachtstunden entfaltete die illuminiert erleuchtete Kathedrale eine eindrucksvolle Atmosphäre. Wer spätabends oder frühmorgens den Kirchenraum betrat, erlebte eine besondere Ruhe und Konzentration. Viele Besucher blieben länger als geplant, lauschten den Lesungen oder kamen mit anderen Gästen ins Gespräch. Menschen, die sich zuvor nur flüchtig kannten, vertieften Begegnungen, neue Kontakte entstanden und auch interreligiöser Austausch wurde möglich.

Für Domzeremoniar Dr. Samuel-Kim Schwope wurde in diesen Tagen sichtbar, wie die Kathedrale zu einem lebendigen Ort werden kann: Die Lesungen, die Musik, die Gespräche und die stille Präsenz vieler Menschen schufen einen Resonanzraum, in dem Glauben, Kultur und persönliche Erfahrungen miteinander in Beziehung traten.

Viele Vorlesende berichteten von einer besonderen Erfahrung mit den ihnen zugelosten Bibelstellen. Einige fühlten sich unmittelbar angesprochen, andere wurden durch ungewohnte oder herausfordernde Texte zum Nachdenken angeregt. So zeigte sich die Bibel in ihrer ganzen Breite – als Buch voller Trost, Fragen, Geschichten, Widersprüche und Entdeckungen.

Auch die musikalischen Akzente prägten die Tage: Die Improvisationen an der Silbermannorgel durch Domorganist Sebastian Freitag und Prof. Thomas Lennartz sowie das Zusammenspiel von Harfe und Saxophon mit Sarah Christ und Timur Valitov ließen Wort und Musik in einen eindrucksvollen Dialog treten. Das Familienprogramm eröffnete Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kreative Zugänge zu biblischen Geschichten.

Die Resonanz auf das Projekt war überwältigend. Zahlreiche Rückmeldungen beschreiben die Tage als berührend, bereichernd und inspirierend. Eine Teilnehmerin schrieb: „Es war ein großes, wunderschönes und tiefes Projekt. Ich bin froh und glücklich, gemeinsam mit meiner Tochter daran teilgenommen zu haben. Es hat mich tief bewegt.“ Eine andere Besucherin, die an mehreren Tagen und sogar in den frühen Morgenstunden zum Bibellesen in die Kathedrale kam, berichtete: „Es waren so wunderbare Begegnungen und Gespräche und natürlich das Lesen, was sicherlich noch lange bei mir nachhallen wird.“

Für Dompfarrer Norbert Büchner liegt darin eine der wichtigsten Erfahrungen dieser Tage: Aus vielen einzelnen Stimmen entstand eine Gemeinschaft auf Zeit. Menschen kamen zum Lesen, Zuhören oder Helfen und machten die Kathedrale zu einem Ort echter Begegnung. Das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes verband Menschen, die sich zuvor oft nicht oder nur wenig kannten, und schenkte Erfahrungen, die weit über die eigentliche Veranstaltung hinausreichen.

So wurde „275 Stimmen“ weit mehr als eine Jubiläumsveranstaltung. Das Projekt zeigte, welche Kraft entsteht, wenn Menschen ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit und ihre Stimme für etwas Gemeinsames schenken. Es machte erfahrbar, dass die Bibel nicht nur ein Buch der Vergangenheit ist, sondern ein lebendiges Zeugnis, das Menschen heute bewegt, herausfordert, tröstet und miteinander ins Gespräch bringt.

Dank an alle Mitwirkenden

Ein besonderer Dank gilt allen Vorleserinnen und Vorlesern, den zahlreichen Ehrenamtlichen, den Musikerinnen und Musikern, den Helferinnen und Helfern im Hintergrund sowie allen Besucherinnen und Besuchern, die diese Tage mitgetragen haben.

Ohne dieses gemeinsame Engagement wäre „275 Stimmen“ nicht zu dem geworden, was viele erlebt haben: ein starkes Zeichen dafür, dass das Wort Gottes Menschen verbindet und Gemeinschaft wachsen lässt. Was in diesen Tagen gesät wurde, wird – so die Hoffnung – noch lange nachwirken.

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