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Bistum Dresden Meissen
Bischof Heinrich Timmerevers (4.v.l.) mit der Delegation der Deutschen Bischofskonferenz unterwegs in Paris. © Christiane Kolfenbach / DBK
19. Juni 2026

Die Suche nach Sinn führt viele Menschen zur Taufe

Bei einer Reise nach Frankreich erlebte Bischof Heinrich Timmerevers eine Kirche, die wachsende Zahlen von Erwachsenentaufen verzeichnet – und dabei auch für Deutschland interessante Perspektiven eröffnet

Paris/Dresden. Vom 8. bis 12. Juni 2026 war eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz in Frankreich zu Gast. Im Mittelpunkt der Reise: Der Blick auf deutlich gestiegene Zahlen von Katechumenen und Neugetauften sowie die Auswirkungen dieser Entwicklung auf das kirchliche Leben in Frankreich. Unter den Teilnehmenden war auch Bischof Heinrich Timmerevers aus Dresden. Wir haben mit ihm über seine Eindrücke gesprochen.

 

Herr Bischof Timmerevers, in Frankreich werden steigende Zahlen an Erwachsenentaufen beobachtet. Menschen scheinen sich dort zunehmend neu für den Glauben zu interessieren. Hat Frankreich uns etwas voraus?

Bischof Heinrich Timmerevers: Wenn wir auf die Zahlen schauen, könnte man zunächst zu diesem Schluss kommen. Uns alle haben diese Entwicklungen in den vergangenen Jahren sehr beeindruckt. Es ist tatsächlich ein Phänomen, das wir in diesem Ausmaß in unseren deutschen Diözesen nicht kennen.

Gleichzeitig möchte ich sagen: Auch in unserem Bistum und in den ostdeutschen Bistümern insgesamt nimmt die Zahl der Erwachsenentaufen zu.

Haben Sie Erklärungen dafür gefunden, warum die Zahlen dort so stark steigen?

Natürlich haben wir uns gefragt, woran das liegen könnte. In Frankreich gab es schon vor 2022 eine gewisse Zahl an Erwachsenentaufen. Seit 2022 sind die Zahlen jedoch sprunghaft angestiegen.

Auch die französischen Bischöfe sagen, dass sie die Ursachen nicht vollständig erklären können. Es gibt verschiedene Hinweise. Eine Rolle spielt sicherlich die allgemeine Verunsicherung vieler Menschen. Hinzu kommt, dass Kirche und Staat in Frankreich sehr strikt voneinander getrennt sind. Viele Menschen hatten deshalb kaum oder gar keinen Kontakt zur Kirche oder zum christlichen Glauben.

Offensichtlich erleben wir aber eine Zeit, in der die Frage nach Sinn und Transzendenz wieder stärker wird: Muss es nicht mehr geben als das, was ich in meinem Alltag sehe und erlebe? Diese Frage bewegt viele Menschen.

Besonders bemerkenswert ist, dass die größte Gruppe derjenigen, die um die Taufe bitten, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren sind.

Was hat Sie bei Ihrem Besuch beeindruckt?

Was mich besonders zum Nachdenken angeregt hat, ist die Art der Vorbereitung auf die Taufe. Die Katechumenen durchlaufen einen Prozess von mehr als zwei Jahren. Jede Taufbewerberin und jeder Taufbewerber erhält mit dem Eintritt in das Katechumenat eine Begleitperson aus der jeweiligen Gemeinde.

Niemand geht diesen Weg allein. Jeder hat einen erfahrenen und glaubwürdigen Christenmenschen an seiner Seite, der ihn auf dem Weg zur Taufe begleitet, Gesprächspartner ist und hilft, den Glauben konkret im Alltag zu leben. Es geht also nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um eine Einübung in das Leben als Christin oder Christ. Das finde ich sehr beeindruckend.

Gibt es darüber hinaus Aspekte, die für die Kirche in Deutschland interessant sein könnten?

Ja, durchaus. Für uns deutsche Christen ist bemerkenswert, wie diese Begleitung organisiert wird. In den Bistümern gibt es jeweils Verantwortliche für die Erwachsenentaufen und die Begleitung der Katechumenen – wenn auch manchmal nur mit einer halben Stelle. In jeder Pfarrei gibt es darüber hinaus Teams, die die Taufbewerberinnen und Taufbewerber begleiten und auf die Taufe vorbereiten.

Das Erstaunliche dabei: All dies geschieht weitgehend auf ehrenamtlicher Basis. Angesichts der begrenzten finanziellen Ressourcen der französischen Kirche ist das sehr beeindruckend und stimmt uns auch nachdenklich.

Wir werden unsere Erfahrungen nun intensiv auswerten. Natürlich kann man das französische Modell nicht einfach auf Deutschland übertragen. Letztlich stehen wir vor einem erfreulichen und ermutigenden Ereignis: Menschen melden sich und bitten um die Taufe.

Für mich ist das nicht allein Menschenwerk. Aus meiner Glaubensüberzeugung heraus ist das auch Gottes Wirken, das Werk des Heiligen Geistes. Deshalb haben wir diese Entwicklung mit großer Freude, Dankbarkeit und auch mit Staunen wahrgenommen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Interview: Michael Baudisch

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