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Bistum Dresden Meissen
Der Tabernakel der Pillnitzer Schlosskapelle. © Robert Zalesky
20. März 2021

Ein echter „Schatz“

Der Tabernakel in der Pillnitzer Schlosskapelle als kunsthandwerkliches Unikat

Der Tabernakel in der Pillnitzer Schlosskapelle als kunsthandwerkliches Unikat

Eine vielleicht ärgerliche Reparatur kann manchmal echte Schätze zutage befördern. So geschehen in den vergangenen Wochen in Dohna bzw. im Pillnitzer Schloss: Weil der Tabernakel in der Pillnitzer Schlosskapelle sich nicht mehr öffnen ließ, wandte sich die Gemeinde an den Holzrestaurator Robert Zalesky in Dohna, der vor sieben Jahren den neuen Zelebrationsaltar gebaut hatte und daher mit den Gegebenheiten der Schlosskapelle vertraut ist. Und dieser fand heraus, dass die künstlerische und technische Gestaltung dieses liturgischen „Gerätes“ ein Unikat im deutschsprachigen Raum zu sein scheint.

Der Tabernakel in der Schlosskapelle Pillnitz ist ein drehbarer Zylinder, umgeben von einem ebenfalls zylindrischen Korpus. Beides besteht aus Eichenholz. Nach der Angabe unter dem äußeren Zylinder wurde er im Jahr 1830 von „C. F. Pofs aus Copenhagen“ angefertigt, wobei der Nachname nicht eindeutig zu entziffern ist (s. Foto rechts).
Das Besondere an der Verarbeitung: es wurde ein damals so genanntes „Massefournier“ auf die Oberfläche aufgetragen. „Es handelt sich um eine Marmorimitationstechnik ähnlich dem bekannten Stuckmarmor“, erklärt Zalesky und ergänzt: „Allerdings wurde bei dieser Technik eine vorproduzierte 1-2 mm starke einlagige Schicht direkt auf das Trägermaterial, hier Eichenholz, appliziert.“ Besonderes Können sei für die Wölbung der Tabernakelteile nötig gewesen, so der Restaurator anerkennend. Nach Recherchen des Diplom-Restaurators Lucas Nierhaus, Berlin, den Zalesky diesbezüglich kontaktierte, ist das Furnier des Pillnitzer Tabernakels – außer einem Spiegelrahmen aus dem Berliner Kunsthandel – das erste im deutschsprachigen Raum aufgefundene Objekt mit dieser Technik.

Restaurator Zalesky hat nun gelöste, stark gefährdete Schollen mit einem speziellen Leim wieder befestigt, Risse im Korpus ausgespänt und verleimt, die Buchse neu zentriert und die Mechanik gereinigt, so dass der Tabernakel wieder seine Funktion erfüllen kann: das Allerheiligste aufbewahren.

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: Robert Zalesky (2), Elisabeth Meuser (1)

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