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Bistum Dresden Meissen
Dresdner Kapellknaben/Johannes Hoffmann
08. Februar 2026

Gedenkkonzert: Musik, die unter die Haut geht

81 Jahre nach der Zerstörung Dresdens wühlen die Kapellknaben ihre Zuhörer auf, ...

... berühren sie mit Musik, die tiefe Emotionen auslöst. Nicht nur der Altbischof ist begeistert.

Es herrscht Stille. Minutenlang. Als der letzte Ton des Requiems von Gabriel Fauré verklungen ist, sind alle berührt, ergriffen, nachdenklich. Die knapp anderthalb Stunden haben Spuren hinterlassen - bei den Kapellknaben, den Musikern der Sächsischen Staatskapelle und vor allem den Besuchern in der Dresdner Kathedrale. Die Stille beendet der Chor durch seinen Abgang - und damit einen beeindruckenden Abend. 

Knapp eine Woche vor dem Gedenktag an die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 hatte Domkapellmeister Christian J. Bonath ein Programm mit Kompositionen aus mehreren Jahrhunderten und Faurés Requiem als Mittel- und Schlusspunkt zusammengestellt, dass sich dem Thema Trauer und Trost auf sehr verschiedene Weise näherte und sich doch sehr harmonisch zusammenfügte. 

“Die Kapellknaben haben mit ihrem Gesang diesem Abend Tiefe, Würde und eine große emotionale Kraft verliehen. Viele Menschen waren sichtbar berührt", lobte Bonath die jungen Sänger, für die es der letzte Auftritt vor den Winterferien war. Den Beginn des Konzertes markierte ein Lamento, das Bonath extra für diesen Abend komponiert hatte. "Ich stand da vor der Frage: Was korrespondiert mit Faurés Requiem, das ja sehr reduziert besetzt ist mit den großen Streichern, der Solo-Geige und der Harfe?” 

Nach dem Prolog interpretierte Bass-Solist Jörg Hempel, nur von einer Truhen-Orgel begleitet,  Klagelieder von Jan Dismas Zelenka, der als Musiker und Komponist an der Dresdner Hofkirche gearbeitet hatte. Bei der Motette "Hör mein Bitten" von Felix Mendelsohn Bartholdy übernahm der Kapellknaben-Solist Jakob Klein die Sopran-Partie. Im selten aufgeführten Requiem von Fauré wiederum überzeugte Knabensopran Konstantin Eule beim eindrücklichen "Pie Jesu". 

Für Joachim Reinelt, Altbischof des Bistums Dresden-Meißen, war der Abend auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. "Ich habe als damals Achtjähriger Dresden aus einer Entfernung von etwa 80 Kilometern brennen sehen. Ich dachte, die ganze Welt brennt", erzählte Reinelt, der beim Hören "der wunderbaren Musik nicht nur an die Dresdner vor 81 Jahren" denken musste, "sondern auch an die Menschen heute in der Ukraine, die leiden und frieren. Das ging schon sehr tief."   

Beeindruckt zeigte sich der 89-Jährige von den Kapellknaben, deren Chef er als Bischof viele Jahre lang war. "Dass es in diesem Alter schon gelingt, solch eine wunderbare Kunst zu schenken ...", staunte er.  "So herrliche Stimmen, solch ein begeisternder Chor." 

Eingeschoben ins Programm wurden verlesene Erinnerungen von Konrad Wagner, Bonaths Vorvorgänger im Amt des Domkapellmeisters. Er hatte die Bombenangriffe auf Dresden als 15-Jähriger im Luftschutzbunker erlebt und schrieb von den "größten Ängsten seines Lebens". Getroffen wurde von den Bomben auch die Hofkirche, die heutige Kathedrale. 

Der Abend gab aber nicht nur der Trauer um die Toten Raum, sondern schenkte auch Hoffnung. Im abschließenden "In paradisum" lässt Fauré sein Requiem in luftig-strahlenden Tönen enden - eine Interpretation, die dem Altbischof gefällt: "Wir dürfen dieses Vertrauen haben, dass es mit dem Tod nicht endet." 

Vielleicht ist es dieser Gedanke, den die Zuhörer an diesem Samstagabend mit nach Hause tragen. 

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