Austausch über Praxis und Zukunft des katholischen Religionsunterrichts
Benno-Empfang rückte am 17. Juni die Arbeit von Religionslehrkräften in den Mittelpunkt
Dresden. Beim traditionellen Benno-Empfang des Bistums standen in diesem Jahr am 17. Juni (einen Tag nach dem Patronatsfest) die Religionslehrerinnen und -lehrer im Mittelpunkt. Rund 65 Lehrkräfte waren der Einladung zum Abendlob in der Kathedrale mit anschließendem Empfang im Haus der Kathedrale gefolgt und kamen über die Zukunftsperspektiven des Religionsunterrichts mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik, Bildungssektor und Schule ins Gespräch.
Das Vespergebet in der Kathedrale wurde von Bischof Heinrich Timmerevers geleitet und durch die Dresdner Kapellknaben mit ihrem Chordirektor Christian Bonath musikalisch gestaltet. Dabei dankte der Bischof den Fachlehrern für ihren Dienst und zog Parallelen zwischen dem Wirken des Heiligen Benno und den Aufgaben der Pädagogen. So gelte es „glaubwürdig Zeugin und Zeuge zu sein“ und Menschen, die nach Orientierung suchten, zu unterstützen.
Kleine Lerngruppen, weite Wege
Zum Abendempfang erinnerte er zudem an die besonderen Bedingungen dieses Faches. „Kleine Lerngruppen, jahrgangsübergreifender Unterricht, Randstunden, weite Wege, organisatorische Unsicherheiten und immer wieder die Frage, warum es Religionsunterricht überhaupt braucht. Dieses Fach steht nicht selten unter Legitimationsdruck.“ Dennoch stellten sich die Pädagogen Woche für Woche vor ihre Schülerinnen und Schüler und eröffneten Räume für Fragen, Gespräche, Wissen, Orientierung und persönliche Entwicklung.
In seinem Grußwort erinnerte auch Staatsminister Conrad Clemens an die Qualität des Religionsunterrichts zur „Wertevermittlung“. Zugleich würdigte er die Innovationskraft dieses Fachs, das in Sachsen auch in hybrider Form oder als konfessionell-kooperativer Unterricht angeboten werde. Zugleich erneuerte er die Zusage der Staatsregierung für den Erhalt Freier Schulen.
Zukunft des Religionsunterrichts
Im Mittelpunkt des Abends stand zunächst ein konkreter Einblick in die Arbeit von Religionslehrerinnen und -lehrern. Unter anderem schilderte Lutz Kinmayer, langjähriger Gemeindereferent des Bistums Dresden-Meißen, seine Aufgaben auf diesem Feld, die er seit 30 Jahren wahrnimmt. Sein Credo, um den Unterricht lebendig zu halten: „Vor der eigenen Haustür anfangen“ und nach Bezugspunkten suchen. So sei ein Highlight seiner Tätigkeit während der Beschäftigung mit jüdischem Leben in Borna letztendlich der Kontakt zu einem Holocaust-Überlebenden jener Zeit in Kanada gewesen. Mit Blick auf die anwesende Grünen-Landtagsabgeordnete Franziska Schubert begrüßte er zudem schmunzelnd eine ehemalige Schülerin.
Einen Impulsvortrag hielt Veronika Wenner, Hauptabteilung Schule im Bistum Erfurt zum Thema „Zukunftsperspektiven für den katholischen Religionsunterricht in Ostdeutschland“ und stellte dabei auch ökumenische Kooperationsmöglichkeiten auf diesem Gebiet vor. In der anschließenden Podiumsdiskussion kam sie dazu mit der emeritierten Professorin Dr. Monika Scheidler von der Technischen Universität Dresden und Professor Dr. Frank Lütze von der Universität Leipzig ins Gespräch. Die Moderation übernahm die Leiterin des Katholischen Büros Sachsen, Dr. Daniela Pscheida-Überreiter.
Bei einem Abendimbiss gab es schließlich im Innenhof des Hauses der Kathedrale Gelegenheit zu Begegnung und persönlichem Austausch. Für kurzweilige Unterhaltung sorgte Zauberkünstlers Pascal Dalchau.
Text/Fotos: Michael Baudisch