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Bistum Dresden Meissen
Clemens Ulbricht entzündet die Osterkerze. © Michael Baudisch
15. Juni 2026

Das Wesentliche nicht aus dem Blick verlieren

Im Interview: Clemens Ulbricht vor der Diakonenweihe am 27. Juni

Dresden. Am Sonnabend, 27. Juni 2026, empfängt Clemens Ulbricht durch Bischof Heinrich Timmerevers die Diakonenweihe. Die Weiheliturgie beginnt um 10.30 Uhr in der Dresdner Kathedrale, wo Kaplan Michael H. Kreher bereits ab 10.15 eine geistliche Einstimmung gestalten wird. Wir haben mit ihm im Vorfeld gesprochen.

Herr Ulbricht, sie sind auf dem Weg, Priester werden zu wollen und empfangen in Kürze die Diakonenweihe. Wann hatten Sie den Gedanken dazu?


Clemens Ulbricht: Also ich bin im Dresdner St. Josephstift geboren, meine Eltern und Großeltern sind katholisch, ich wurde in der Pfarrei St. Petrus in Dresden-Strehlen kirchlich sozialisiert und habe dort alle möglichen Stufen durchlaufen, angefangen mit Taufe, Erstkommunion, Ministranten, Jugend, Vorjugend, alles was es da gab. So ist man da natürlich gut reingewachsen, hat die Leute und die Kirche kennengelernt und den Glauben einfach auch noch mal für sich selber neu entdeckt.


Haben Sie schon in der Schule gespürt, Priester werden zu wollen?


Ich bin schon mal von meinem Pfarrer gefragt worden, ob das was für mich wäre, aber selber konnte ich mir das eigentlich überhaupt nicht vorstellen. 

Und ich habe vor dem Theologiestudium, das ich dann in Erfurt absolviert habe, auch erst mal Jura studiert. Dabei habe ich aber gemerkt: Halt, das ist nicht das Richtige. Das macht zwar Spaß, aber das erfüllt mich nicht, das möchte ich nicht mein ganzes Leben lang machen. Und so habe ich mich für die Theologie entschieden.


Wenn man sich heute auf so den Weg zum Priesterberuf macht: Wie sind die Reaktionen, wenn Sie mit anderen Menschen ins Gespräch dazu kommen?


Das ist natürlich ein sehr spannendes Thema, das unmittelbar zu Diskussionen führt, positiv wie negativ. Es kommt schon die Frage: Warum wollen Sie Priester werden? Aber das ist eigentlich ein schöner Start, weil man direkt mit den Leuten ins Gespräch kommt und sich darüber austauschen kann. Und das öffnet ganz viele Türen, weil man sich selber mit seinen eigenen Ideen, seinem eigenen Glauben widerspiegeln kann.

Allerdings muss ich sagen: Das ging ja schon in der Schule los. In unserer Diasporasituation, wenn man nur zu zweit oder zu dritt als Katholiken in der Klasse ist – vielleicht noch ein paar evangelische Mitchristen – maximal fünf Leute: Da lernt man ganz schnell und ganz stark, sich selbst und seinen Glauben zu hinterfragen. Sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und ihn immer neu für sich zu entdecken. Das ist kein einmaliger Prozess, sondern geht immer weiter. Das hilft mir jetzt schon.


Was waren die Punkte, die für Sie in ihr auf ihrem Glaubensweg prägend waren?


Als Kind waren es einfach die Gebete in der Familie: Vor den Mahlzeiten; das gemeinsame Abendgebet. Was außerdem schön war: Wenn meine Mutti uns verabschiedet hat – ich habe vier Geschwister – hat sie jedem von uns am Morgen ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet und „Gott segne dich“ gesagt. Das war eine Bestärkung in den Tag hinein, unter Gottes Schutz zu stehen. Das war unbewusst, aber ich merke, das hat mir ganz viel gegeben. Auch meine Großeltern waren sehr im Glauben verwurzelt und haben viel von ihrem Glauben erzählt.

Die Religiöse Kinderwoche ist ein weiterer großer Punkt. Wir haben eine sehr aktive Ministrantenarbeit gehabt bei uns in Strehlen. Später, als ich mich weiter mit dem Glauben auseinandergesetzt habe, waren es vor allem die Weltjugendtage oder die Ministrantenwallfahrten, bei denen man über den Tellerrand hinausgeblickt hat und aus seiner lokalen Bubble rauskam.


Jetzt steht die Diakonenweihe an. Sie werden immer mehr selbst zu einem Vertreter dieser Kirche. Denken Sie, das ist heutzutage schwieriger?


Natürlich kriegt man auch Kirchenkritik direkt mit. Ich finde es interessant, sich damit auseinanderzusetzen. Ich identifiziere mich mit Kirche, sonst würde ich das nicht machen. Aber natürlich habe ich auch selber Anfragen, die mich im Glauben bewegen.

Ich glaube, es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass man sich nicht verschließt, sondern aktiv darüber spricht, was vielleicht nicht gut läuft in der Kirche, was sich verbessern muss. Und wir dürfen einfach nicht aufhören, darüber zu sprechen. Aber trotzdem dürfen wir nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren, nämlich die Verkündigung des Evangeliums und der Freude was dieses uns bieten kann: Ein Leben aus der Freude und Hoffnung des Evangeliums!


Interview: Michael Baudisch


Mit Menschen ins Gespräch über Gott und den Glauben kommen