Dresdner Kapellknaben im Ostereinsatz
Neun Dienste innerhalb von zehn Tagen. Mit der Missa Sancta Nummer 1 von Carl Maria von Weber zum Ostersonntag.
Dresden. Es ist die aktivste und forderndste, zugleich aber auch die abwechslungsreichste und vielleicht auch aufregendste Zeit im Kapellknaben-Jahr: In keiner Woche des Jahres ist das Programm so dicht und so facettenreich wie in der Zeit von Gründonnerstag bis zum Ostermontag. Der Dauereinsatz beginnt eigentlich bereits mit der Pontikalvesper am Samstag vor dem Palmsonntag, in der traditionell die Heilige Woche in der Kathedrale mit den Kapellknaben eingeläutet wird.
Ebenso Tradition ist das Eingangslied bei der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag (20 Uhr). Seit Jahrzehnten schon erklingt die Motette "Wir aber müssen uns rühmen" des 1989 gestorbenen österreichischen Komponisten Josef Friedrich Doppelbauer. Am Ende des Gottesdienstes singen die Kapellknaben an der Kreuzkapelle, wo das Allerheiligste bis zur Osternacht aufbewahrt wird, "In monte oliveti" des ehemaligen Hofkapellmeisters Jan Dismas Zelenka. Dazwischen erklingen Stücke aus Taizé wie "Bleibet hier und wachet mit mir" und "Ubi caritas".
Bei der Karfreitagsliturgie (15 Uhr) steht mit Heinrich Schütz ebenfalls ein Komponist aus der reichen Geschichte der Hofkirchenmusik im Zentrum. Gesungen wird seine "Johannespassion". Daneben erklingt das "Miserere" von Gregorio Allegri, das bereits am Aschermittwoch und damit zu Beginn der Fastenzeit - in anderer Besetzung - zu hören war. Bei der Bach-Interpretation "Komm süßer Tod" von Knut Nystedt verteilen sich die Sänger im gesamten Kirchenraum.
Ganz andere Musik ist beim Fest-Gottesdienst am Ostersonntag (10.30 Uhr) zu hören. Die Missa Sancta Nummer 1 in Es-Dur von Carl Maria von Weber klingt festlich und feierlich. Weber, dessen Todestag sich 2026 zum 200. Mal jährt, komponierte sie 1817/18 für König Friedrich August I. Berühmt daraus ist vor allem das Offertorium "Gloria et honore". Neben den Kapellknaben sind der Kathedralchor und Musiker der Sächsischen Staatskapelle zu hören. Zum Abschluss wird der triumphale Sieg über den Tod auch akustisch gefeiert - mit dem berühmten "Halleluja" aus dem "Messiah" von Georg Friedrich Händel.
Am Ostermontag (10 Uhr) singt ein Vokalensemble der Kapellknaben, begleitet von Musikern der Staatskapelle, die "Missa in C" von Antonio Lotti, der von 1717 bis 1719 am sächsischen Hof wirkte. Übertragen wird der Gottesdienst von MDR Kultur und dem Deutschlandfunk.
Für die Männerstimmen der Kapellknaben war das noch nicht alles, für sie kommen weitere liturgische Aufgaben hinzu: Sie singen beim Gottesdienst zur Weihe der Heiligen Öle am Montag (10 Uhr), in den Trauermetten am Karfreitag und Karsamstag (jeweils 8 Uhr) und in der Osternacht am Karsamstag (21 Uhr). Dort erklingt eine Messe des französischen Komponisten Charles Gounod.
Zählt man alles zusammen, sind es neun Dienste innerhalb von zehn Tagen - danach sind die Osterferien wohlverdient.
dk