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Bistum Dresden Meissen

Aufarbeitung

Aufarbeitung soll vergangenes Unrecht aufdecken und anerkennen. Sie kann auf persönlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene stattfinden. Aufarbeitung kann eine juristische Aufklärung von Straftaten oder die individuelle Verarbeitung des Traumas in einer Therapie nicht ersetzen. Sie macht jedoch das Unrecht der Vergangenheit zum Thema der Gegenwart. 

Aufarbeitung will klären, welche Strukturen die sexualisierte Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen begünstigt haben und warum eine Aufdeckung verhindert wurde. Nicht zuletzt kann Aufarbeitung Empfehlungen zum Umgang mit dem Geschehenen erarbeiten und Konsequenzen für die Gegenwart ziehen. Weitere Informationen: UBSKM - Aufarbeitung

Die Aufarbeitung sexueller Gewalt im kirchlichen Kontext erstreckt sich auf viele Ebenen. Wir wollen hier aufzeigen, was der Stand innerhalb des Bistums ist.

Aufarbeitung im Bistum Dresden-Meißen 

Das Bistum Dresden-Meißen beteiligt sich an den Aufarbeitungsbemühungen der katholischen Kirche in Deutschland. 

  • 2003: Einrichtung eines Arbeitsstabes zur Umsetzung der „Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch“ der Deutschen Bischofskonferenz
  • 2008: Einsetzung einer Kommission für den Umgang mit sexuellem Missbrauch (heute: Beraterstab)
  • ab 2010: nach Missbrauchsskandal am Canisius-Kolleg Berlin vermehrte Meldungen von Betroffenen; Gespräche von Betroffenen mit dem Bischof von Dresden-Meißen; Anerkennungsverfahren und Zahlungen für Betroffene (bis 2018 ca. 100.000 Euro)
  • 2010: erstmals Benennung von unabhängigen Ansprechpersonen 
  • 2011: erstmals Benennung eines Präventionsbeauftragten
  • 2014 -2018: Beteiligung am Forschungsprojekt MHG-Studie: alle bis dahin bekannten Fälle wurden gemeldet; 345 Personalakten von Klerikern wurden durchgesehen
  • 2018: Vorstellung der Ergebnisse der MHG-Studie: 15 Täter und 28 Betroffene bis dahin bekannt; der Anteil von Tätern innerhalb der Priesterschaft im Bistum beträgt 3,2 %
  • 2018: Übergabe der Originalakten des Bistums an die Staatsanwaltschaft
  • 2020: Erlass der Ordnung zum Umgang mit sexuellem Missbrauch (Interventionsordnung)
  • 2021: Auftaktveranstaltung zur Aufarbeitung in der Ortsgemeinde Heidenau als Pilotprojekt des Bistums
  • 2021: Beginn der Bildung von Aufarbeitungskommission und Betroffenenbeirat

Vgl. Studie zum sexuellen Missbrauch: Bistum Dresden-Meißen veröffentlicht Informationen Hirtenwort von Bischof Heinrich aus Anlass der MHG-Studie vom 30. September 2018

Überdiözesane Aufarbeitungskommission

Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Vereinbarung mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM) in Bezug auf Aufarbeitung geschlossen. Demgemäß haben sich die Bistümer Görlitz und Dresden-Meißen, das Erzbistum Berlin und das Militärbischofsamt zusammengeschlossen, um gemeinsam wissenschaftliche Aufarbeitungsprozesse anzugehen. Hierzu ist eine gemeinsame Aufarbeitungskommission in Bildung begriffen. Die grundlegende Ordnung dazu wurde seitens der Bischöfe am 7. Februar 2022 erlassen Die Kommission wird 2022 ihre Arbeit aufnehmen. In der Kommission werden neun Personen arbeiten. Davon werden zwei vom Betroffenenbeirat, vier von den Bundesländern und drei durch die Kirche bestimmt. 

Näheres zu Zusammensetzung und Aufgaben der Aufarbeitungskommission finden Sie in der „Ordnung für die interdiözesane Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs“ im Downloadbereich.

Überdiözesaner Betroffenenbeirat

Die Bistümer Görlitz und Dresden-Meißen, das Erzbistum Berlin und das Militärbischofsamt haben im Frühjahr 2021 gemeinsam dazu aufgerufen, einen Betroffenenbeirat zu bilden. Das Auswahlverfahren dazu wurde im Dezember 2021 abgeschlossen. 

Die Besetzung des Beirats erfolgte gemäß der „Rahmenordnung zum Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren sowie zur Aufwandsentschädigung für die strukturelle Beteiligung von Betroffenen“. Das Auswahlgremium wurde mit Personen aus allen beteiligten Bistümern besetzt, von denen die Mehrheit nicht im kirchlichen Dienst beschäftigt ist. 

Dem Auswahlgremium gehörten zuletzt folgende Mitglieder, darunter ein/e Betroffenenvertreter/in, an: 

  • Michael Köst
  • Johannes Letzel
  • Andreas Oyen (im kirchlichen Dienst, Bistum Görlitz)
  • Sigrid Rogge (im kirchlichen Dienst, Erzbistum Berlin)
  • Wolfgang Schilk (Kath. Militärseelsorge)
  • Markus Schulte (Kath. Militärseelsorge)
  • Sophie zu Stolberg-Stolberg

Koordinator war Stephan von Spies (im kirchlichen Dienst, Bistum Dresden-Meißen).

Der Beirat selbst hat sich im Mai 2022 konstituiert. 

Zusammensetzung und Aufgaben des Betroffenenbeirates

Der Betroffenenbeirat besteht aus sechs bis acht Personen, die von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche betroffen sind. Der Beirat bringt die Perspektive der Betroffenen in die Aufarbeitungsprozesse der beteiligten Bistümer ein. Er unterstützt aktiv bei der Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen der sexualisierten Gewalt. Die Themen, mit denen sich der Betroffenenbeirat beschäftigt, ergeben sich sowohl aus den Anliegen der Betroffenen als auch aus den Fragestellungen der beteiligten Bistümer. Der Beirat ist auch Impulsgeber. Er wird gehört im Vorfeld geplanter Maßnahmen und gibt dazu Hinweise und Vorschläge. Er setzt sich kritisch mit den bereits vorliegenden Konzepten zum Umgang mit Fragen der sexualisierten Gewalt auseinander und steht im Austausch mit den Beraterstäben der genannten Bistümer. Der Betroffenenbeirat hat jederzeit die Möglichkeit, (schriftliche) Stellungnahmen zu Fragen, die die Interessen und Rechte der Betroffenen betreffen, gegenüber den berufenden Institutionen abzugeben. Aus dem Betroffenenbeirat werden Vertreterinnen und Vertreter in die Aufarbeitungskommission entsandt. Der Beirat begleitet die Aktivitäten der Kommission.

Genaueres kann der Beirat in einer Geschäftsordnung regeln. Die Mitarbeit im Betroffenenbeirat ist ehrenamtlich, eine Aufwandsentschädigung wird gezahlt. Die Berufung der Mitglieder erfolgt für drei Jahre. Die beteiligten Bistümer tragen zwar die Kosten des Beirates, im Übrigen regelt dieser aber seine Angelegenheiten selbständig.

Aufarbeitung in Gemeinden des Bistums Dresden-Meißen

Durch Fälle sexualisierter Gewalt kommt es zu konkreten Irritationen oder auch Zerwürfnissen in Gemeinden. Während Betroffene unter dem Missbrauch manchmal seit Jahrzehnten leiden, gibt es andere Gemeindemitglieder, die von dem Missbrauch nichts wissen (wollen) oder von einem möglichen Täter nur Gutes erfahren haben. Diese extrem unterschiedlichen Erfahrungen innerhalb einer Gemeinde gilt es so aufzuarbeiten, dass die Gemeinde mit diesen Vorkommnissen umgehen kann.

Entsprechende Aufarbeitung auf Ortsebene ist in einzelnen Gemeinden angelaufen bzw. geplant. Dazu gehören z.B. Heidenau, Hainichen, Dippoldiswalde.

Neben der Aufarbeitung ist die wichtigste Konsequenz, die für die Gegenwart und für die Zukunft aus Missbrauchsfällen gezogen werden muss, die größtmögliche Prävention vor weiteren Fällen. Durch Erarbeitung von konkreten Umgangsregeln muss sichergestellt werden, dass soweit nur irgend möglich sexualisierte Gewalt an Kindern, Jugendlichen und schutz-oder hilfebedürftigen Erwachsenen verhindert wird. Hierzu sind die vergangenen Fälle genau zu analysieren und Fälle aus anderen Gemeinden auf die konkrete Gemeinde zu übertragen. Entsprechende Präventionskonzepte sind regelmäßig zu überprüfen. Alle in einer Gemeinde mitarbeitenden Personen, gleich ob haupt- oder ehrenamtlich, sind darin zu schulen und sind zur Mitarbeit in Achtsamkeit aufgerufen. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Unterseite ‚Prävention‘

Statistik der Fälle sexualisierter Gewalt im Bistum Dresden-Meißen

Alle Fälle bzw. Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt in unserem Bistum werden anonym in einer Gesamtaufstellung erfasst. Diese können Sie im Downloadbereich einsehen. Sie wird regelmäßig aktualisiert. 

Weiterführende Links

Ansprechpersonen für Verdachtsfälle und Meldungen sexuellen Missbrauchs

Ursula Hämmerer, Chemnitz
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
0173 5365222
ansprechperson.haemmerer@
bddmei.de

Dr. Michael Hebeis, Dresden
Rechtsanwalt
0172 3431067
ansprechperson.hebeis@
bddmei.de

Manuela Hufnagl, Leipzig
Psychologin
0162 1762761
ansprechperson.hufnagl@
bddmei.de

 

Betroffenenbeirat Region Ost

Marie-Catherine von Heereman
Ehrenamtliche Prozessbegleiterin (nicht im kirchlichen Dienst)

Adresse:
Geschäftsstelle Betroffenenbeirat
c/o Bischöfliches Ordinariat des Erzbistums Berlin
Niederwallstraße 8-9
10117 Berlin

Michael Köst 
Mitglied des Betroffenenbeirats
Ansprechpartner für an der Mitarbeit interessierte Betroffene

 

Überdiözesanes Auswahlgremium Betroffenenbeirat

Stephan von Spies
Koordinator
0351 31563-228
0351 31563-229

Adresse:
Überdiözesanes Auswahlgremium Betroffenenbeirat
c/o Bischöfliches Ordinariat
Stephan v. Spies
Käthe-Kollwitz-Ufer 84
01309 Dresden