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Bistum Dresden Meissen

Forum Glaubensfragen

Den Glauben auf seine Relevanz für unser Leben befragen

Die Fragen des Menschen sind es, die seine besten Kräfte freisetzen. Fragen verlieren ihre drängende Kraft nicht dadurch, dass sie verdrängt werden. Wesentliches bleibt auf der Strecke, wenn ihnen nicht nachgegangen wird. In diesem Sinn kann der Weg in das Geheimnis Gottes hinein durch Fragen angebahnt werden.

Sie sind eingeladen, sich mit Ihrer Meinung zum aktuellen Thema einzubringen. Ihr Forumsbeitrag wird unterhalb des "Leitartikels" eingefügt. 
Und Sie können Vorschläge für Themen einreichen, die in diesem Forum aufgegriffen werden sollten. Ich bin gespannt und freue mich auf Ihre Beteiligung!
Sie erreichen mich unter der E-Mailadresse 
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Geistesgegenwart

Wie geht es Ihnen damit, wenn Sie hören oder lesen, dass Gott im Gespräch mit uns Menschen ist? 

In einem Liedtext fragt Huub Oosterhuis: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen? In einer Liedstrophe formuliert er: Du bist in allem ganz tief verborgen, was lebt und sich entfalten kann. Doch in den Menschen willst du wohnen, mit ganzer Kraft uns zugetan.

Wie wird diese Kraft erfahren? Wie können wir ihrer gewiss sein? Oder wie können wir wenigstens zunächst mal ein Gespür dafür bekommen?
Wenn wir diesen Fragen nachgehen wollen, kommen wir nicht umhin, ein im wahrsten Sinn des Wortes nicht fassbares Wort inhaltlich zu füllen.

Herbert Vorgrimler schreibt in seinem Buch Gott. Vater, Sohn und Heiliger Geist:

Das Wirken des Gottesgeistes ist keineswegs auf den Bereich der Kirche, auf die Annahme des verkündeten Evangeliums beschränkt. Der Geist, der weht, wo er will, ist in der Menschheit von Anfang an gegenwärtig, nicht nur in der Zeit und in den Grenzen der Kirche. Er lässt die Menschen das göttliche Geheimnis erahnen und öffnet sie dafür, auch wenn sie dem Geheimnis nicht den Namen „Gott“ geben. Er bewirkt, dass auch nichtglaubende Menschen und Ungetaufte, Menschen in anderen Religionen als der christlichen, Hunger und Durst nach dem Unendlichen spüren und zu dem Geheimnis, das in ihnen lebt, Ja sagen können. Er spricht mit leiser, werbender Stimme in ihnen und mahnt, das Gute zu tun, das Böse zu lassen. Der Heilige Geist ist die Stimme Gottes im Menschen, die mahnt, das Gewissen zur Richtschnur des ganzen Verhaltens zu nehmen.
Wenn Menschen sich im Austausch über ihre innersten Glaubensüberzeugungen in einem Konsens zusammenfinden, entstehen – nicht eigenmächtig, sondern auf Antrieb des Geistes! – Glaubensgemeinschaften. So entstand Israel, entstand die Kirche. In solchen Gemeinschaften sammeln sich die unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse, zu denen der Geist im Lauf der Jahrhunderte geführt hat. Sie werden aus Sorge um die Kontinuität der Überlieferung, um die Identität des Späteren mit dem Anfang, in Dogmen und Katechismen festgehalten. In ihnen ist aufbewahrt, was der Geist den Glaubenden in früheren Jahrhunderten eingab; daher ist ihr Rang ehrwürdig. Er ist aber sekundär, verglichen mit dem je heutigen „Katechismus des Herzens“, denn in diesem spricht Gott heute, für heutige Menschen, und auf diese aktuelle Stimme des Geistes lässt der Glaubende sich jeweils heute hörend-gehorchend ein.

 

Norbert Mothes

Ostern - den neuen Weg gehen

Aus dem Tritt gebracht waren die Anhänger Jesu nach seinem Tod am Kreuz. Die innere Begegnung mit dem Auferstanden brachte sie neu in Bewegung. Das, was er ihnen nahegebracht hatte, erlangte für sie vertiefte Geltung. Sie nahmen die Spur, die sie durch ihn kennengelernt hatten, von neuem auf. Beim Gehen zeigte sich der Weg und es dauerte nicht lange, bis die ersten Christen Anhänger des neuen Weges genannt wurden.

Anfangs konnte sie aus unmittelbarer Erfahrung heraus unterwegs sein. Ihre innere Lebendigkeit wurde als so ungewöhnlich erlebt, dass sie ihr Erleben auf das Wirken des guten Geistes Gottes zurückführten.

Das, was sie von der Lebenspraxis und der Verkündigung Jesu markant in Erinnerung hatten, wurde zum Bezugsrahmen für eine neue Religion.

Die ersten Schriften, die den Glauben der Anhänger des neuen Weges zum Ausdruck bringen, sind die Basis des christlichen Glaubens durch die Zeiten hindurch. Genau hier setzen wir an, wenn wir uns bemühen, auf der Spur Jesu zu gehen.

 

Norbert Mothes

Auf der Spur von Jesus Christus gehen

Einen der Kernsätze für das Leben aus dem Glauben finden wir im Römerbrief. Paulus schreibt: Leben wir, dann leben wir für den Herrn, und sterben wir, dann sterben wir für den Herrn. Ganz gleich also, ob wir leben oder sterben: Wir gehören dem Herrn. Als Christen versuchen wir, das Leben und Sterben und die Auferstehung von Jesus Christus für unser eigenes Leben fruchtbar zu machen. Damit stehen wir in der Tradition der ersten Jünger. Sie bekannten: Er ist der Herr! Sie haben begriffen, dass er ganz von Gott her und ganz auf ihn lebte. Später haben sie diese Gottesbezogenheit mit den Worten beschrieben: Er ist Gottes Sohn. Nach wie vor beten seine Jünger mit den Worten, die Jesus Christus sie gelehrt hatte: Vater unser im Himmel… Im wahrsten Sinn des Wortes lassen sich Christen von der Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen begeistern. Dabei knüpfen sie an Glaubenserfahrungen des Volkes Israel an. Damals und heute ist die Liebesgeschichte Gottes mit uns Menschen von Gottes gutem Geist getragen und inspiriert. Jesus Christus hat ganz und gar aus Gottes heiligem Geist heraus gelebt. Auf seiner Spur sind wir auf gutem Weg, wenn wir uns auf die Liebesgeschichte Gottes mit uns einlassen.

Norbert Mothes

Welche Wirklichkeit?

Jesus der Christus hat die Wirklichkeit als Reich Gottes ausgelegt. Seine Verkündigung und sein Umgang mit den Menschen hatten ihren Wurzelgrund in seinem Gottesverhältnis. Seine Gottesbeziehung und seine Gotteserfahrungen waren tiefes existentielles Erleben. Mit immer neuen Anläufen hat er den Menschen um ihn herum erklärt, was es mit dem uns von Gott her zugedachten Leben auf sich hat. Mit innerer Gewissheit ging er davon aus, dass die Welt sich nicht aufteilen lässt in ein Diesseits und ein Jenseits. In alltäglichen Lebenszusammenhängen verhalf er Menschen zu der Erfahrung, dass die Grenze zwischen dem Offensichtlichen und einer zumeist nicht auf den ersten Blick wahrnehmbaren Wirklichkeit fließend ist. Der gewaltsame Tod ihres Herrn am Kreuz wurde für die Jüngerinnen und Jünger zur Schlüsselerfahrung: Die Liebe, aus der heraus Jesus der Christus gelebt hat und an der er Anteil geben will, ist stärker als der Tod. 

Seinerzeit fanden und durch die Zeiten hindurch finden Menschen zu einem Verständnis der Wirklichkeit, welches unfassbar über das Menschendenkbare hinausreicht.

Norbert Mothes

Gott ankommen lassen

Gibt es Kennzeichen des Christlichen? Wäre es für Sie leicht, spontan fünf bis zehn Attribute, die unseren Glauben kennzeichnen anzuführen? Welche Worte würden Ihnen einfallen, um die Nähe Gottes zu uns Menschen zu beschreiben? Sind die Worte, die Sie gebrauchen durch Ihre eigene Lebens- und Glaubenserfahrung gedeckt?

Nur gut, dass es mit Verstand und Herz begabte Zeitgenossen gibt, denen es gelingt, Kennzeichen des Christlichen auf den Punkt zu bringen. In seinem Buch Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom schreibt Ulrich Lüke: Wer Gott nur im Zeitlichen, Endlichen, Bedingten, Materiellen sucht, ist auf dem einen Auge blind. Wer Gott nur im Ewigen, Unendlichen, Unbedingten und Geistigen sucht, ist auf dem anderen Auge blind.
Gott muss uns in Raum und Zeit hinein die Hand reichen, in Raum und Zeit hinein sprechen, damit wir Erdlinge in Raum und Zeit überhaupt etwas von ihm vernehmen, etwas von ihm wahrnehmen und Bedenken können. Er muss also, wenn er bei uns ankommen will, ein Erden-Kind werden.
Zugleich aber kann er nicht aufgehen und untergehen in dem, was wir denken. Er ist mit dem winzigen und dazu löchrigen Netz unserer menschlich-allzumenschlichen Hirngespinste nicht zu fangen. Eher kann man mit einem Schmetterlingsnetz die Sonne und ihre Planeten einfangen. Er ist und bleibt für alle Philosophie, Theologie und sonstige Wissenschaft der absolute und unfassbare Logos. Wir haben ihn nicht als beweisbares Ereignis unseres Denkens, sondern nur als erkennbares Geschenk seiner Gnade.

Norbert Mothes

Ikone des lebendigen Gottes

Das Menschenbild in der jüdisch/christlichen Tradition ist grundlegend davon bestimmt, dass der Mensch als Ebenbild Gottes gedacht, gewollt und geschaffen ist. Aus diesem Verständnis des Menschen ergibt sich, dass Menschen von Gott her und auf ihn hin beziehungsfähig sind. 

Seit es Menschen gibt, gibt es eine gewisse Widerständigkeit gegen das Projekt Gottes. Offensichtlich stellt so vieles dieses Projekt in Frage. Offensichtlich tendieren wir Menschen immer wieder zu einer Bezogenheit auf uns selbst.

In immer neuen Anläufen versucht Gott, uns Menschen in seine Liebesgeschichte mit uns hineinfinden zu lassen. Aus christlicher Sicht geschah dies auf unüberbietbare Weise durch die Menschwerdung seines Sohnes. Von Jesus Christus können wir als Sohn Gottes sprechen, weil er ganz und gar von Gott her und auf ihn lebte. Sein eigenes Selbstverständnis findet sich in der Anrede Gottes wieder: mein Vater und euer Vater. Die innige Beziehung zwischen Vater und Sohn führte dazu, dass sich Gott durch Jesus aus Nazaret so zeigen konnte, wie er für uns dasein möchte, wie er mit uns unterwegs sein will. Jesus Christus wurde zum Bild, zur Ikone des lebendigen Gottes.

Norbert Mothes

Ankommen

Wenn wir so etwas wie einen roten Faden in der jüdisch-christlichen Glaubenstradition finden möchten, ließe sich dieser in dem Motiv des Ankommenwollens Gottes bei den Menschen erkennen. Was es heißt, dass Gott mitten im Leben gegenwärtig ist, wird exemplarisch an den großen Gestalten des Alten Testaments wie beispielsweise Abraham, Moses oder Noah ausgeführt.  

Besonders in den Psalmen kommt zum Ausdruck, wie Menschen mit ihrem Glauben an Gott ringen. Aber auch die anderen Bücher des ersten Teils der Bibel erzählen von den Auf und Abs der Geschichte Gottes mit den Menschen. Am deutlichsten und greifbarsten teilt sich Gott uns Menschen in Jesus Christus mit. In ihm zeigt Gott uns sein menschliches Antlitz.
Wie soll man sich das vorstellen: „Gottes menschliches Antlitz sehen können?“ Gefragt ist hier eine Sehfähigkeit des inneren Menschen. Es geht mehr um ein Gewahrwerden als um Sehen. Aber mit dem Wort sehen kommt man auch schon ziemlich nah dran an das Gemeinte: Saint-Exupéry legt dem kleinen Prinzen in den Mund: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Karl Rahner formuliert in einer seiner Adventsmeditationen: „Gott hat die Welt und Ihre Zeit schon an sein Herz genommen.“
Wie spüre ich, dass Gott in mir immer wieder neu und immer wieder anders ankommt? Am ehesten lässt sich das mit dem inneren Hören einer Melodie beschreiben. Es kommt dabei nicht wirklich auf das Wahrnehmen irgendeines Klanges an, sondern darauf, dass Musik oft mehr als Worte auszudrücken vermag.
Melodie und Wort ergänzen sich. Das Judentum, der Islam und das Christentum gehen von der gemeinsamen Grundüberzeugung aus, dass Gott sein Wort in unsere Welt hineinspricht. Das Menschenbild aller drei Religionen wird demzufolge wesentlich auch dadurch gekennzeichnet, dass sich der Mensch durch eine Hörfähigkeit des inneren Menschen auszeichnet. Dieses Hören hat nur indirekt etwas mit dem Hörsinn zu tun. Es geht vielmehr darum, dass sich dem Menschen etwas Wesentliches erschließt.
Wie zeigt sich in mir die Ahnung, dass Gott in meinem Leben gegenwärtig ist? Es wird eine innere Melodie sein, die sich hoffentlich recht oft als stimmig, immer wieder mal verstörend, gelegentlich unmittelbar, öfters als fernab vernehmen lässt.

Norbert Mothes

Ich bin für Sie da

Norbert Mothes
Pfarrer i.R.
0351 4260755