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Bistum Dresden Meissen

Forum Glaubensfragen

Den Glauben auf seine Relevanz für unser Leben befragen

Die Fragen des Menschen sind es, die seine besten Kräfte freisetzen. Fragen verlieren ihre drängende Kraft nicht dadurch, dass sie verdrängt werden. Wesentliches bleibt auf der Strecke, wenn ihnen nicht nachgegangen wird. In diesem Sinn kann der Weg in das Geheimnis Gottes hinein durch Fragen angebahnt werden.

Sie sind eingeladen, sich mit Ihrer Meinung zum aktuellen Thema einzubringen. Ihr Forumsbeitrag wird unterhalb des "Leitartikels" eingefügt. 
Und Sie können Vorschläge für Themen einreichen, die in diesem Forum aufgegriffen werden sollten. Ich bin gespannt und freue mich auf Ihre Beteiligung!
Sie erreichen mich unter der E-Mailadresse 
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Beten - Verweilen am Quellgrund unseres Lebens

Beten ist nicht Worte machen. Beten ist stilles Lieben und sich lieben lassen. So brachte Martin Gutl auf den Punkt, was er unter Beten versteht.

Beten ist mehr eine Haltung des inneren Menschen als eine Leistung, die wir vollbringen. Betend verweilen wir am Quellgrund unseres Lebens. Dieses Verweilen kann das Ausschauhalten nach dem sein, wohin unser Herz ausgerichtet ist, was wir aber gegenwärtig nicht so recht fassen kann. Dem Gott unseres Lebens als dem zu begegnen, der nicht begreifbar ist und dessen Wege nicht durchschaubar sind, setzt die Demut der Beterin und des Beters voraus. Das Innehalten kann getragen sein von bisherigen Glaubenserfahrungen. Gebet kommt dann dem nahe, was sich als Bewohnen des Geheimnisses, das Gott für uns ist, beschreiben lässt.

Norbert Mothes

Gott ankommen lassen

Gibt es Kennzeichen des Christlichen? Wäre es für Sie leicht, spontan fünf bis zehn Attribute, die unseren Glauben kennzeichnen anzuführen? Welche Worte würden Ihnen einfallen, um die Nähe Gottes zu uns Menschen zu beschreiben? Sind die Worte, die Sie gebrauchen durch Ihre eigene Lebens- und Glaubenserfahrung gedeckt?

Nur gut, dass es mit Verstand und Herz begabte Zeitgenossen gibt, denen es gelingt, Kennzeichen des Christlichen auf den Punkt zu bringen. In seinem Buch Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom schreibt Ulrich Lüke: Wer Gott nur im Zeitlichen, Endlichen, Bedingten, Materiellen sucht, ist auf dem einen Auge blind. Wer Gott nur im Ewigen, Unendlichen, Unbedingten und Geistigen sucht, ist auf dem anderen Auge blind.
Gott muss uns in Raum und Zeit hinein die Hand reichen, in Raum und Zeit hinein sprechen, damit wir Erdlinge in Raum und Zeit überhaupt etwas von ihm vernehmen, etwas von ihm wahrnehmen und Bedenken können. Er muss also, wenn er bei uns ankommen will, ein Erden-Kind werden.
Zugleich aber kann er nicht aufgehen und untergehen in dem, was wir denken. Er ist mit dem winzigen und dazu löchrigen Netz unserer menschlich-allzumenschlichen Hirngespinste nicht zu fangen. Eher kann man mit einem Schmetterlingsnetz die Sonne und ihre Planeten einfangen. Er ist und bleibt für alle Philosophie, Theologie und sonstige Wissenschaft der absolute und unfassbare Logos. Wir haben ihn nicht als beweisbares Ereignis unseres Denkens, sondern nur als erkennbares Geschenk seiner Gnade.

Norbert Mothes

Ankommen

Wenn wir so etwas wie einen roten Faden in der jüdisch-christlichen Glaubenstradition finden möchten, ließe sich dieser in dem Motiv des Ankommenwollens Gottes bei den Menschen erkennen. Was es heißt, dass Gott mitten im Leben gegenwärtig ist, wird exemplarisch an den großen Gestalten des Alten Testaments wie beispielsweise Abraham, Moses oder Noah ausgeführt. Zugrunde liegen die Erfahrungen derer, die über lange Zeit hinweg Gott als den Gott ihres Lebens begriffen haben, der ihr Leben begleitet, der mit Ihnen auf den Wegen ihres Lebens unterwegs ist. 

Besonders in den Psalmen kommt zum Ausdruck, wie Menschen mit ihrem Glauben an Gott ringen. Aber auch die anderen Bücher des ersten Teils der Bibel erzählen von den Auf und Abs der Geschichte Gottes mit den Menschen. Am deutlichsten und greifbarsten teilt sich Gott uns Menschen in Jesus Christus mit. In ihm zeigt Gott uns sein menschliches Antlitz.
Wie soll man sich das vorstellen: „Gottes menschliches Antlitz sehen können?“ Gefragt ist hier eine Sehfähigkeit des inneren Menschen. Es geht mehr um ein Gewahrwerden als um Sehen. Aber mit dem Wort sehen kommt man auch schon ziemlich nah dran an das Gemeinte: Saint-Exupéry legt dem kleinen Prinzen in den Mund: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Karl Rahner formuliert in einer seiner Adventsmeditationen: „Gott hat die Welt und Ihre Zeit schon an sein Herz genommen.“
Wie spüre ich, dass Gott in mir immer wieder neu und immer wieder anders ankommt? Am ehesten lässt sich das mit dem inneren Hören einer Melodie beschreiben. Es kommt dabei nicht wirklich auf das Wahrnehmen irgendeines Klanges an, sondern darauf, dass Musik oft mehr als Worte auszudrücken vermag.
Melodie und Wort ergänzen sich. Das Judentum, der Islam und das Christentum gehen von der gemeinsamen Grundüberzeugung aus, dass Gott sein Wort in unsere Welt hineinspricht. Das Menschenbild aller drei Religionen wird demzufolge wesentlich auch dadurch gekennzeichnet, dass sich der Mensch durch eine Hörfähigkeit des inneren Menschen auszeichnet. Dieses Hören hat nur indirekt etwas mit dem Hörsinn zu tun. Es geht vielmehr darum, dass sich dem Menschen etwas Wesentliches erschließt.
Wie zeigt sich in mir die Ahnung, dass Gott in meinem Leben gegenwärtig ist? Es wird eine innere Melodie sein, die sich hoffentlich recht oft als stimmig, immer wieder mal verstörend, gelegentlich unmittelbar, öfters als fernab vernehmen lässt.

Norbert Mothes

Ich bin für Sie da

Norbert Mothes
Pfarrer i.R.
0351 4260755